Pro Ortsumgehung und Freiberger Klüngelei

Dass die herrschende Klasse in Freiberg gut vernetzt ist, ihre Positionen auf allen Ebenen abdichtet und miteinander Klüngel bildet, ist hinreichend bekannt. In zahlreichen AGs, Vereinen und Bürgerinitiativen mischen Vertreter der Stadt und aus den Parteien kräftig mit, ringen um Einfluss oder verkaufen längst gefällte Entscheidungen als unter dem Bürgerwillen zustande gekommene. Wenig Wunder nimmt es da, dass in der Freien Presse vom 21. sowie 23. März wieder einmal von der Bürgerinitiative „Pro Ortsumgehung” die Rede ist. Wirbel, den es um besagte Initiative geben soll, kam auf, weil bereits einen Monat vorher eine Pressemitteilung des CDU Stadtrates Steve Ittershagen auf der Homepage von „Pro Ortsumgehung“ erschien, in dem für die CDU Kandidatin für die Bundestagswahl geworben wird.

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Vergessen in Guben

01-titelDas Titelthema der Jungle World von letzter Woche hat mit Freiberg zwar keinen direkten Zusammenhang, aber die Stimmung im Brandenburger Provinznest Guben scheint einige Ähnlichkeiten mit der hießigen Region und vielleicht dem Freiberg der Zukunft zu haben:

Eine sehr deutsche Geschichte

Farid Guendoul starb 1999 in Guben, als er versuchte, vor Neonazis zu flüchten. 14 Jahre nach der »tödlichen Hetzjagd« will sich dort kaum jemand an das Opfer rassistischer Gewalt erinnern.

Nach der Verlorenen Zeit

Die Prozessbeobachtungsgruppe Guben begleitete von 1999 bis 2002 das Gerichtsverfahren wegen des rassistischen Angriffs, der in der Politik und den Medien als »Hetzjagd von Guben« bekannt wurde. Zwei damalige Mitarbeiter des Projekts haben die Kleinstadt an der Neiße besucht. Ein Spaziergang durch Guben.

Eine Runde Mitleid

Kein Gedenken ohne Schlussstrich. Über den Umgang des deutschen Staates mit den Opfern rechter Gewalt.

Freiberger wehrt euch!

Mit einiger Fassungslosigkeit konnte man in der letzten Woche beobachten, wie der Wahlkampf in Freiberg erste absurde Blüten treibt und CDU-Stadtrat Ittershagen der SPD Bundestagskandidatin Raatz tatsächlich vorwarf, nicht lokalpatriotisch genug zu sein, weil sie lieber in Döbeln, als in Freiberg einkaufen gehe: “Frau Raatz sollte besonders den Freibergern begründen, warum sie ihre Heimatstadt derartig herabqualifiziert”. Doch ist auch Raatz Freibergin genug, sich tatsächlich zu rechtfertigen und dem lokalen Narzissmus neues Futter zu liefern: “Beim Wettbewerb der Standorte ist es mir wichtig, dass mein Geld in Freiberg und der Region bleibt”. Eine diese Woche in Freiberg begonnene Kampagne der Einzelhändler der Innenstadt “buy local” stößt in ein ähnliches Horn. Dabei beklagen sich die Gewerbetreibende über den zunehmenden Versandhandel im Internet, der nicht der lokalen Wirtschaft zugute käme. Davon abgesehen, dass für die meisten wohl weniger das Angebot - in Freiberg und Döbeln auf ähnlich niedrigem Niveau - als die Bequemlichkeit und dementsprechend die räumliche Nähe das ausschlaggebende Kriterium dafür ist, wo und wie man einkauft, scheint sich die Gemeinschaft der Freiberger in ihrer gerierten Schicksalsgemeinschaft zu gefallen. Geschlossen gegen die aussätzigen Konkurrenten, Misstrauisch gegen die Nachbarn, die vielleicht doch ein paar Euros außerhalb der Stadtgrenzen investieren. An anderen Orten würde dergleichen als Fremdenfeindlichkeit skandalisiert.

CDU kontra Raatz: Wahlkampf eröffnet

aus Freie Presse vom 10. Februar 2013

SPD-Frontfrau geht lieber in Döbeln als in Freiberg einkaufen
von Gabriele Fleischer

Freiberg. Über ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl gibt es in Freiberg einen ersten Schlagabtausch zwischen CDU und SPD. Bei einer Aussage in der Döbelner Allgemeinen Zeitung, dass sie lieber in Döbeln als in Freiberg einkaufen geht, hatte Simone Raatz offenbar nicht mit der heftigen Reaktion von Steve Ittershagen gerechnet. “Frau Raatz sollte besonders den Freibergern begründen, warum sie ihre Heimatstadt derartig herabqualifiziert”, sagt der CDU-Stadtrat. André Dietrich vom Freiberger Gewerbeverein ergänzt: “Die Freiberger Händler sind brüskiert.” Auch wenn man noch um einheitliche Öffnungszeiten ringe, gebe es gemeinsame Aktionen.

Die Bundestagskandidatin der mittelsächsischen SPD reagiert auf die Vorwürfe: “Natürlich gehe ich gern in Döbeln einkaufen, wenn ich dort Behördengänge zu erledigen habe oder Veranstaltungen besuche. Ich denke, dass man auch mal einer anderen Stadt in unserem Kreis ein berechtigtes Kompliment machen darf.” Unabhängig davon sei sie als Freibergerin Stammkundin in vielen Geschäften der Stadt und wisse das hochwertige Angebot zu schätzen. “Beim Wettbewerb der Standorte ist es mir wichtig, dass mein Geld in Freiberg und der Region bleibt”, betont sie. Allerdings sollten die Öffnungszeiten der Geschäfte sonnabends besser aufeinander abgestimmt werden. Das Bummeln müsse auch an diesem Tag Freude bereiten. Ein Thema, das in der Stadt immer wieder zu Diskussionen führt. Eine Studie gibt der SPD-Frau recht: Laut Döbelner Allgemeinen Zeitung wurden rund 300 Bürger in Döbeln und dem Umland befragt - Ergebnis: eine deutliche Präferenz für einen Einkauf in der Döbelner Innenstadt. Über die Hälfte der Befragten würde die Stadt weiter empfehlen.

Kritik bekommt Raatz von Ittershagen zudem wegen ihrer Aussage zur Ortsumgehung Freiberg: “Sie versteht nicht, dass dieses Projekt auch für die Region sehr wichtig ist”, sagt der CDU-Mann. War Raatz zunächst für die Trasse, setzt sie sich nun für eine bessere Anbindung von Freiberg an die Autobahn ein. Aufgrund der neuen Kreisstruktur sollte man sich genau überlegen, welche Maßnahmen eine realistische Chance haben, erklärt sie dazu.

Lesung: Die Tuttsies. Kleine FreibÄrger Geschichten

Das Tuttsies-Buch kann unter freibaerger@gmx.net bestellt werden.

Die Redaktion FreibÄrger lädt am 23. Dezember um 19 Uhr recht herzlich in gemütlicher Runde ins Tee-Ei ein. Raimund Hethey - Mitbegründer des FreibÄrger und Autor der Tuttsies-Anekdoten - wird dort aus dem soeben erschienenem Buch Die Tuttsies. Kleine FreibÄrger Geschichten. lesen. Der Eintritt ist frei.

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Im April 1999 erschien die erste Ausgabe der alternativen Stadtzeitung „FreibÄrger“. Das Projekt wurde von verschiedenen Menschen aus Freiberg ins Leben gerufen, darunter waren Lehrer, Studenten und Studentinnen, Betriebswirtschaftler, Geschäftsleute, GewerkschaftlerInnen und Parteifunktionäre. Allen war gemeinsam, dass sie mit der lokalen Monopolzeitung und deren Unterrichtung der Bevölkerung über wichtige und weniger wichtige Dinge nicht einverstanden waren. Sie wollten ein Publikationsorgan, das nicht von den Interessen der Unternehmen bzw. Anzeigenkunden abhängig ist. Das Projekt hat 14 Jahre lang existiert und etliche Ereignisse und Vorfälle zur Sprache gebracht: Ob rassistische Überfälle, Immobilienskandale der Freiberger Stadtverwaltung, Anbiederei an reaktionäre Burschenschaftler, Abrisswahn beim Seniorenwohnheim, Hetzjagd auf Einwanderer durch die Grenzpolizei, Friede-Freude-Eierkuchen Kurs mit einem SS-Mörder oder die schöne neue Ausbeutungswelt in Freibergs Solarbranche. All dies wäre unerwähnt und verborgen geblieben, hätte es nicht FreibÄrgerinnen gegeben, die in ihrer Freizeit diese Zeitung machten. Dabei sollte dieses Projekt niemals nur eine bloße Ergänzung der provinziellen Freiberger Zeitungswüste sein. Die Zeitung war nicht Ziel, sondern Mittel zum Zweck. Das zeigen auch die vorliegenden Geschichten der Tuttsies oder Tootsies, wie sie in der Originalausgabe der FreibÄrger-Ausgaben auftauchen. Die Tuttsies verfolgten von Anfang an die Absicht mit zu helfen, eine Welt zu verwirklichen, die frei von kapitalistischer Ausbeutung, frei von Kriegstreiberei und Militarismus und frei von Rassismus ist. Die in den Geschichten angesprochenen und beschriebenen „FreibÄrger Zustände“ spiegeln im Kleinen wider, was jeden Einzelnen im Großen umgibt. Aber auch die Widersprüche im bürgerlichen Individuum finden hier ihren literarischen Ausdruck. Deshalb begrüße ich die Entscheidung von Raimund Hethey, seine zwischen Juni 2003 und Januar 2008 regelmäßig in der Stadtzeitung „FreibÄrger“ verfassten Anekdoten als eigenständiges Werk zu veröffentlichen. Gerade in dem Augenblick als die letzte Redaktion der Zeitung die Einstellung des Projekts bekannt gab und in der „Freien Presse“ von Oliver Hach in beschämender Weise denunziert wurde und in dem von den Oberen der Stadt verfrüht abgefeierten 850. Geburtstag, erscheint dieses Stück FreibÄrger Geschichte zum richtigen Zeitpunkt. [Aus dem Vorwort von Dr. Martin Dressler]

Nachrichten aus dem Tal der Toten. Kritik und Krise des Kapitalismus

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Gesellschaftskritische Veranstaltungsreihe in Freiberg

Mit der „Kernschmelze der Finanzwirtschaft“ vom Oktober 2008 sah kaum noch ein Beobachter weniger als die tiefste Wirtschaftskrise seit der großen Depression Anfang der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts für gekommen. Plötzlich schwappte der Krisenbegriff denjenigen von völlig unerwarteter Seite entgegen, die ihn schon seit Mitte der 80er Jahre benutzten, um auf grundlegende Probleme der kapitalistischen Wirtschaftsweise aufmerksam zumachen. Deutsches Feuilleton und politische Rhetorik lassen seither ihrer Liebe zur Zusammenbruchsangst freien Lauf.
Ist der Vergleich der aktuellen Krise mit der Weltwirtschaftskrise 1929 ein Unternehmen, der das Erkenntnisvermögen erhellt oder verstellt? Werden die Schlachten der Geschichte ein zweites Mal geschlagen? Kämpfen nun wieder Neoliberale und Keynesianer gegeneinander? Ist Rettung von enger geschnallten Gürteln oder konjunkturstimulierenden Aktionen der Staaten zu erwarten? Gibt es ein Comeback faschistischer Krisenlösungspolitik, durch die Kaltstellung gewerkschaftlicher Organisationen, Abschaffung der Pressefreiheit, antisemitische und rassistische Mobilisierung, wie es aktuell in Ungarn den Anschein macht?
Linke wie der Rätekommunist Paul Mattick hielten die große Depression für „die Todeskrise des Kapitalismus.“ Tatsächlich aber brach der Kapitalismus nicht in sich zusammen, wurde der Kapitalismus nicht durch eine Revolution hinweggefegt. „Die Revolution war nicht da, es kam Auschwitz.“ (Gerhard Stapelfeldt)
Von einer „Todeskrise“ will heute kein Mensch in Deutschland reden, denn der Tod ist zum sprudelnden Quell einer vampiristischen Gesellschaft, die von ihrer eigenen mörderischen Geschichte und Potenz zehrt, geworden. Der unmittelbare ahistorische Vergleich der beiden Krisen hat seine Grundlage in eisiger Geschichtsvergessenheit, die der herrschenden negativen Vergesellschaftung selbst entspringt. Die Blutspur dieser Gesellschaft ist kein Anlass zur Einkehr, sondern wird zum stählernen Gehäuse der Hörigkeit, wird zum Auslöser permanenter Auslöschung der Perspektive der menschlichen Gattung auf ihre Entfaltung hin zu freien und glücklichen Individuen, bedeutet permanentes Getriebensein zum Tod, zu Apathie oder zum blinden aktionistischen Losschlagen.
Für die kritische Analyse der Gesellschaft wäre Auschwitz nicht nur als der Zivilisationsbruch zu denken, sondern auch als Bruch zu jeglicher bis dahin formulierten Kritik des Kapitalismus und jeglicher Utopie seiner Überwindung bis dahin. Das ist gemeint, wenn von der negativen Aufhebung des Kapitals unter dem Nationalsozialismus gesprochen wird. Seit dem Nationalsozialismus herrschte Krisenbewältigung ohne Ende. In Ost und West. Die Weltwirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts, faschistischer Terror und nazistische Barbarei legitimierten den Versuch, ein sozialistisches System zu errichten. Dies geschah im Namen des vermeintlichen „Vordenkers und Klassikers der Arbeiterbewegung“ Karl Marx. Das Zusammenfallen des „Kasernenhofsozialismus“ nach 1989 ließ scheinbar den Kapitalismus am „Ende der Geschichte“ als Sieger zurück und Karl Marx galt an Hochschulen und in bürgerlichen Zeitungsredaktionen endgültig als „toter Hund der Philosophie“. Doch war dies nur die geistige Hauptströmung, in Anknüpfung an die kritische Theorie der Frankfurter Schule hatten Kritiker wie Wolfgang Pohrt und Robert Kurz bereits in den 80er Jahren eine andere Kritik am Kapitalismus als die traditionelle Arbeiterbewegung formuliert. Kurz sah gar den Zusammenbruch des Ostblocks nur als Vorspiel des Zusammenbruchs auch des „westlichen“ wettbewerbskapitalistischen Systems an.
Was schon in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Adorno und Anderen als „Spätkapitalismus“ bezeichnet wurde, ist als System zu begreifen, das durch klar erkennbare Lösungsstrategien in der Lage zu sein schien, die grundlegenden Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft im nationalen und transnationalen Rahmen zumindest zu bändigen. Zumindest ein weiterer Umbruch der Form negativen Vergesellschaftung steht an, denn diese Krisenaufschubsmechanismen sind zerborsten.
Die Seminarreihe, die mit einem Tagesseminar zur Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie, an dem sich vier Abendveranstaltungen anschließen, beginnen wird, hat einführenden Charakter und will, anknüpfend an Diskussionen aus dem Spektrum zwischen kritischer Theorie und Wertkritik, das dauernd Verdrängte nach oben holen. Was sind die Grundzüge der kapitalistischen Vergesellschaftung, ihrer Krise, ihrer Krisenaufschübe und ihrer negativen Aufhebung in Deutschland? Welche Ideologien, mit denen sich die Menschen das ungeheuerliche ihres alltäglichen Elends zur sinnhaften Existenz zurechtbiegen, waren und sind mit den historischen Brüchen maßgeblich geworden und wie verändern sie sich gerade?

Es bietet sich an, sich schon vorab mit den vorgestellten Positionen zu beschäftigen. Ein Möglichkeit dazu bietet das Audioarchiv (http://audioarchiv.blogsport.de), auf dem diverse Vorträge zum Thema zu finden sind. Eine Liste mit konkreten Empfehlungen ist unter http://freibaerger.org aufrufbar. Außerdem wird um eine Voranmeldung für das Tagesseminar per Mail an tarek.liebscher@freibaerger.org gebeten.

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Demokratische Stadtentwicklung aus Sicht der CDU

Als Reaktion auf die Veranstaltung der Heinrich Böll-Stiftung Potentiale demokratischer Stadtentwicklung lud der Stadtverband der CDU am Mittwoch in das Hotel Kreller ein, um seine Vorstellung von demokratischer Stadtentwicklung vorzustellen. Im Mittelpunkt standen die Bauprojekte und Sanierungsprogramme in der Altstadt, die laut Baubürgermeister Holger Reuter ganz den von Helmut Kohl versprochenen “blühenden Landschaften” entsprächen. Der Bericht in der Freien Presse über die Veranstaltung ist natürlich affirmativ, klingt aber dennoch fast nach Satire:

“Der CDU-Stadtverband hat am Mittwochabend zu einer Diskussion über die Stadtentwicklung geladen. Die Runde war sich einig: Freiberg war nie so schön.”

Was Sanierungen und Baumaßnahmen allerdings mit Demokratie und Bürgerbeteiligung gemeinsam haben, bleibt offen. So bleibt als Fazit eine Selbstbeweihräucherungsveranstaltung und das Bekenntnis eines äußerst rudimentären Demokratieverständnisses, in dem die Stadt lediglich als Investitionsfläche gesehen wird und andere Belange hinten runter fallen.

Viele Blütenträume sind gereift

aus Freie Presse vom 19. Oktober 2012

Der CDU-Stadtverband hat am Mittwochabend zu einer Diskussion über die Stadtentwicklung geladen. Die Runde war sich einig: Freiberg war nie so schön.
Von Steffen Jankowski

Freiberg - In der Freiberger Altstadt wohnen heute über 4500 Menschen; 1991 hatte sie nur 3000 Einwohner. Von den rund 800 Gebäuden sind 75 Prozent komplett und weitere 15 Prozent teilsaniert. Diese Zahlen führte Freibergs Baubürgermeister und CDU-Ortsverbandschef Holger Reuter am Mittwochabend als Beleg dafür an, dass es die von Vereinigungskanzler Helmut Kohl (CDU) versprochenen “blühenden Landschaften” im Osten gibt.

“Wir hatten Stuttgart 21 nicht nötig.”
Holger Reuter CDU-Ortsverbandschef

Unter dem Titel “Demokratische Stadtentwicklung im Spiegelbild der Deutschen Einheit - Erreichtes und Geplantes” hatten die Freiberger Christdemokraten zur Diskussion in das Hotel Kreller eingeladen. “Kohl ist damals belächelt und verspottet worden”, sagte Reuter vor 25 Gästen, “aber in Freiberg sind die blühenden Landschaften Wirklichkeit geworden.” Anderthalb Stunden lang präsentierte er dafür Beweise. Dazu zählten Vorher-/Nachher-Fotos von der Kirchgasse, dem Obermarkt und dem Petriplatz ebenso wie Bilder von der Poststraße und von Plattenbauten in Friedeburg.

35 Bebauungs- und 16 Vorhabens- und Erschließungspläne sind seit der Wende ins Freiberg aufgestellt worden. Die Gewerbe- und Industriegebiete Nord-West, Süd und Ost gehören dazu ebenso wie das Kaufland am Bebelplatz, die Solaranlagen auf dem Saxonia-Areal an der Frauensteiner Straße und die Eigenheime in Neufriedeburg.

Allein in die Freiberger Altstadt sind von 1991 bis 2011 fast 61 Millionen Euro aus den Förderprogrammen Städtebaulicher Denkmalschutz und Städtebauliche Erneuerung geflossen; knapp 17 Millionen Euro steuerte die Stadt dazu selbst bei. Die Sanierung von Schloss Freudenstein wurde 2005 bis 2008 mit 18,2 Millionen Euro unterstützt.

“Wir konnten viele Förderprogramme nutzen, weil die Stadt den Eigenanteil aufbringen konnte”, erinnerte sich Reuter auch an seine Zeit als Tiefbauamtsleiter. Inzwischen aber sprudeln die Gelder nicht mehr so üppig - weder die Zuschüsse vom Staat noch die eigenen Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Daher werden nicht alle Blütenträume reifen. Dazu zählte Reuter nicht nur die einst diskutierte Stadthalle für 40 Millionen Euro, sondern beispielsweise auch eine Verbindungsstraße von der B 173 zum Abrahamschacht und zur Reichen Zeche, die 10 Millionen Euro kosten würde.

“Wir hatten Stuttgart 21 nicht nötig - wir haben schon vorher auf Bürgerbeteiligung gesetzt”, verwies Reuter unter anderem auf Umfragen zur Gestaltung des Obermarktes und der Ausfahrt des Altstadt-Parkhauses. Gerald Vogt gab ihm in der Diskussion ebenso wie den beiden CDU-Stadträten Heinrich Douffet und Volker Benedix Recht, dass Freiberg schön wie nie geworden ist. Aber bei Spielplätzen in der Altstadt und dem Thema Radverkehr gebe es noch Mängel, kritisierte der Altstadt-Bewohner.

Der 7. Oktober wirft seine Schatten voraus

Am Wochenende jährt sich der Tag der Bombardierung Freibergs im Zweiten Weltkrieg - ein Tag, der für Neonazis aus der Region bereits seit Jahren Anlass ist, in geschichtsrevisionistischer Manier um tote Deutsche zu trauern. So beteiligten sich im letzten Jahr etwa 40 Neonazis an einer Kundgebung am Roßplatz. Im Jahr 2010 demonstrierten 70 Neonazis samt Fackeln auf dem Weg zum Donatsfriedhof; ein Jahr zuvor versammelten sie sich zu einer Kundgebung vor der Jakobikirche.

Doch nicht nur für die Neonazis ist der Jahrestag der Bombardierung ein wichtiges Ereignis. Seit einigen Jahren erinnern auch Vertreter der Stadt an diesen Tag und stoßen dabei in ein ähnlich geschichtsrevisionistisches Horn wie die brauen Spielverderber. So reagierte man 2009 mit einem Banner “Kein Krieg - Kein Extremismus” auf das Treiben der Neonazis, ohne inhaltliche Kritik an ihrem Gedankengut zu üben. Auch die darauf folgenden Jahre übte sich die Stadtobrigkeit in Beschwichtigungen und Externalisierung des Problems: die Nazis wären von außerhalb angereist, ihr Auftreten vor allem schädlich für das Image der Stadt. Folgerichtig organisierte man so vor allem Veranstaltungen, die der Außendarstellung der Stadt dienen sollten, ohne die Neonazisaktionen überhaupt zu erwähnen. Im Jahr 2011 organisierte die Agenda 21 e.V. gar selbst einen Trauermarsch, an dem sich das who is who der Freiberger Stadtverwaltung beteiligte und mit den Neonazis um das authentische Gedenken konkurrierte. Thematisiert wurden dabei ausschließlich die alliierten Bombardierungen - auf die Neonazis, die sich eine halbe Stunde später ebenfalls am Bahnhof versammelten, ging man mit keinem Wort ein.

Auch in diesem Jahr will die Stadt am 7. Oktober mit ihrem eigenen Programm glänzen. Unter dem Motto “Wir sind Freiberg – Wir sind bunt” soll ab 19 Uhr ein Lampionumzug stattfinden. In der Ankündigung heißt es: “Der 7. Oktober ist in Freiberg nicht nur ein Tag des Gedenkens an die Opfer des Zweiten Weltkriegs, sondern wird auch von der rechten Szene zur Verbreitung ihrer Ideologie genutzt. Dass es für rechtes Gedankengut in Freiberg keinen Platz gibt, soll ein großer Umzug mit bunten Lampions und Musik am 7. Oktober zeigen. Im Vorfeld haben Kinder und Erwachsene die Möglichkeit, in Bastelwerkstätten farbenfrohe Lampions zu basteln.”
Die Form des Lampionumzuges lässt es bereits erahnen, dass auch dieses Jahr vor allem die Betonung der “Weltoffenheit” im Zentrum des städtischen Agierens steht und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Gedankengut der Neonazis nicht gewünscht ist. Entsprechend heißt es im Amtsblatt: „Den Höhepunkt der Interkulturellen Woche jedoch bildet ein großer Lampionumzug zum 7. Oktober unter dem Motto „Wir sind Freiberg – Wir sind bunt“, bei dem alle Freibergerinnen und Freiberger zeigen können, wie weltoffen ihre Stadt ist.“ Bürger sollen sich beteiligen, um ein Zeichen zu setzen, das außer für Darstellungen in der Presse völlig nutzlos ist. Weltoffenheit durch Bekenntnis. Es bleibt jedoch dabei: wer die alliierten Bombardierungen zum Anlass nimmt, entkontextualisiert, kollektiv in der Öffentlichkeit um tote Deutsche zu trauern, ist ein Geschichtsrevisionist - egal ob braun oder bunt. Wem das Image seiner Heimatstadt wichtiger ist, als eine inhaltliche Auseinandersetzung mit menschenverachtendem Gedankengut, leistet diesem durch Verdrängung Vorschub. Stadt wie Neonazis - sie sind beide Teil des Problems.

Ordnung im Tollhaus

Über die Hierarchien und Umgangsformen in der Freiberger Stadtverwaltung informierte Steffen Judersleben, seines Zeichens stellvertretender Büroleiter des Oberbürgermeisters, die Sächsische Zeitung. Die selben Plattitüten von Querdenkern kennt man von Oberbürgermeister Schramm. Der autoritäre Gestus, der darin zum Vorschein kommt, entlarvt sich von selbst, sodass wir auf weitere Kommentierungen verzichten.

weitere Informationen:
Freiberg als Mitmach-Gemeinschaft
Zivilgemeinschaft und Stadtgesellschaft

erschienen in Sächsischer Zeitung vom 31. August 2012

von Carsten Gäbel

Steffen Judersleben leitet das Projektbüro für den Tag der Sachsen in Freiberg. Er erklärt, worauf ein guter Chef achten muss.
Seit sieben Wochen hat er die Wochenenden durchgearbeitet, sagt Steffen Judersleben, seines Zeichens stellvertretender Amtsleiter im Büro des Oberbürgermeisters, Betriebswirtschaftler, Umweltberater, ehemaliger Mitstreiter in der kirchlichen Umweltbewegung der DDR und Gründer der Allianz Unabhängiger Wähler. Das Telefon fiept aller paar Minuten, wenn die Anrufweiterleitung anspringt, Textnachrichten lassen das Handy klingeln und vibrieren. Eine Schachtel Gauloises liegt neben Papier und einer Tüte nepalesischen Kaffees auf seinem grauen Schreibtisch in der ehemaligen Freiberger Wohngeldstelle. Steffen Judersleben ist – das signalisiert jede Bewegung, jeder Satz – elektrisiert. An diesem Montag sind es noch weniger als zwei Wochen bis zum Tag der Sachsen, das Projektbüro ist ein Tollhaus, wenn auch ein wohl organisiertes. Dem Oberorganisator macht sein Job sichtbar Spaß und jetzt ist die Gelegenheit, ihn zu fragen, wie er seine achtköpfige Truppe so aufstellt, dass der Tag der Sachsen für die Vereine nicht zu teuer, für die Besucher unterhaltsam und für die Freiberger nicht zum Verkehrsalptraum gerät.

Niemand in Juderslebens Team – kaum einer ist älter als 40 – hat je eine Großveranstaltung organisiert. Dabei ist das größte Volksfest Sachsens keine Spielwiese. Selbst wenn etwas schief läuft, steht der Termin 7. September unumstößlich fest. Sich irgendwo Topleute mit viel Erfahrung zusammenzukaufen, kann sich die Stadt Freiberg nicht leisten. Umso wichtiger ist es, die eigenen Leute richtig zu führen. Im Mittelpunkt, sagt Judersleben, müsse immer die Motivation der Mitarbeiter stehen. „Wer motiviert ist, hat das Gefühl etwas
bewegen zu können. Das ist natürliches Doping“, erklärt der für diesen Job abgeordnete stellvertretende Amtsleiter im Büro des Freiberger Oberbürgermeisters. Ein Vorbild für Judersleben ist der Coach des jüngsten Deutschen Fußballmeisters: „Warum laufen die Dortmunder mehr als alle anderen?“, fragt der Chef-Organisator. Seine Antwort ist klar: Es liegt an Trainer und Motivator Jürgen Klopp. Steffen Judersleben hat ebenfalls bereits einiges zum Laufen gekriegt in Freiberg und Umgebung. Als Spiritus Rector der Freiberger Namaste Nepal Schüler-GmbH ist er stolz auf die durchschnittlich 35000 Euro, die das Unternehmen bisher Jahr für Jahr erwirtschaftet und nach Nepal überweist. Zuerst bauten sie Schulen, dann vermarkteten sie mit hohem vierstelligen Gewinn Nepal-Kalender, neuerdings importieren sie Kaffee, an dem die Bauern fair mitverdienen. Sponsoren hat die Schülerfirma seit fünf, sechs Jahren nicht mehr von sich aus angesprochen.

„Mit jungen Menschen arbeite ich sehr gerne zusammen. Ich denke, dass junge Kreative sich heute lieber in Projekten als in administrativen Strukturen engagieren“, sagt Judersleben. Aber wie münzt man guten Willen und Spaß an der Arbeit in sichtbare Erfolge um? Man kennt das ja: Wenn das Engagement sich in endloser Detailarbeit verbrennt und die falschen Leute die richtige Arbeit machen, sind am Ende das Geld alle, die Mitarbeiter verbraucht und die Aufgabe ist doch nicht zu Ende gebracht. Judersleben: „Als Chef muss man aufpassen, dass die Mitarbeiter nicht zu sehr auf das Ziel hinträumen und auf diese Weise die Gegenwart aus den Augen verlieren. Ein Vorgesetzter muss Etappenschritte definieren und seine Leute auf Hindernisse hinweisen“, sagt der Vater von zwei Söhnen. Ein guter Chef muss außerdem merken, welchem Mitarbeiter welche Aufgaben liegen. „Es genügt nicht, morgens ‚Guten Tag‘ zu sagen und sich dann in seinem Büro zu verkriechen“, erklärt der Oberorganisator. Er hat deshalb seine Mitarbeiter im Blick, achtet auf Zeichen wie die Körperhaltung oder darauf, wie entspannt jemand ist. „Wer in einer Stunde nur zwei Zeilen zustande bekommt, ist wahrscheinlich mit der Aufgabe überfordert. Das muss ein Leiter sehen und reagieren“, erklärt Judersleben. In seinem eigenen Team konnte er einen Glücksgriff tun, als sich die mittlerweile pensionierte, ehemalige Leiterin der Tag der Sachsen-Geschäftsstelle in der Staatskanzlei Brigitte Kuhle dazu überreden ließ, das Freiberger Team für einige Stunden pro Woche zu unterstützen. „Sie kennt wirklich alle Leute, die man kennen muss. Wir müssen nicht erst mühsam Ansprechpartner recherchieren. Frau Kuhle steigert unsere Arbeitseffizienz ungemein“, so der Projektbüroleiter.

Judersleben, der in diesem Jahr seinen 52. Geburtstag feiert, ist ein Chef, der sich, wenn es sein muss, in die Arbeit seiner Mitarbeiter einmischt: „Ich führe, egal mit wem, eine klare deutsche Sprache und spreche Probleme deutlich an.“ Gefühle blieben dabei nicht außen vor. „Ich bin ein emotionaler Mensch“, so der Langhennersdorfer. Er wolle aber auch selbst Widerspruch mit eigenen Ohren hören. „Hinten herum zu diskutieren, ist das Ende eines guten Teams.“ Alleingänge eines Leiters machen für Judersleben keinen Sinn. Wer keine „Querdenker“ im Team haben wolle, fördere Ja-Sager und systemkonforme Karrieristen. „Ich denke, damit fährt man langfristig den Karren an die Wand“, ist der Oberorganisator überzeugt. Zum Aufatmen wird Steffen Judersleben auch nach dem Tag der Sachsen nicht gleich kommen. Das Ereignis will nachgearbeitet und ausgewertet werden. Am 14. Oktober steht die nächste Projektreise nach Nepal mit Schülern des Freiberger Geschwister-Scholl-Gymnasiums in seinem Kalender. Vielleicht ist danach wieder Zeit für die To-Do-Liste zu Hause bei Frau und Vieh auf seinem Vierseitenhof in Langhennersdorf. Die Liste stellt seine Frau auf und der Cheforganisator des Tags der Sachsen nicht infrage. „Es ist doch gut“, sagt der Mann mit dem Sieben-Tage-Bart schmunzelnd, „wenn man sich auf die übergeordnete Dienststelle verlassen kann.“

SS-Uniform im Festumzug: Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft

aus Freie Presse vom 22. September 2012

von Gabriele Fleischer

Nach Bekanntwerden neuer Details vom Auftritt der Militärtechnikfreunde beim Tag der Sachsen will Freibergs Rathauschef genaue Aufklärung.

Freiberg - Der Auftritt der Militärtechnikfreunde Sachsen am zweiten Septemberwochenende in Freiberg wird nun ein Fall für den Staatsanwalt. Nachdem diese Woche bekannt geworden war, dass im Umzug zum Tag der Sachsen eine Uniform der Waffen-SS getragen wurde, hat Freibergs Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) am Donnerstag die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Waffen-SS war schließlich 1946 beim Nürnberger Prozess als verbrecherische Organisation verboten worden.

Obwohl kein Veranstalter, will auch das Landratsamt Mittelsachsen zur Aufklärung beitragen und wartet auf Filmmaterial vom MDR, wie Landrat Volker Uhlig (CDU) gestern erklärte: “Dass im Umzug eine Tarnuniform der Waffen-SS dabei war, hatte beim Vorbeimarsch keiner bemerkt. Da muss man sich genau auskennen. Aber als zuständige Behörde für den Vollzug des Waffengesetzes im Kreis sind wir unserer Pflicht nachgekommen und haben unangemeldet kontrolliert.” Seinen Mitarbeitern sei es zu verdanken, dass Verstöße am Stand der Militärtechnikfreunde entdeckt und Auflagen erteilt wurden. Mündlich sei mit der Interessengemeinschaft vereinbart worden, dass Waffen und Munition zu entfernen sind. Da be im Umzug aber Waffen getragen wurden, prüfe das Amt nun alle rechtlichen Möglichkeiten, um das zu ahnden, kündigte Uhlig an.

Prüfen wollen das und das Tragen der Uniform auch die Militärtechnikfreunde, wie Mario Gerbet, einer ihrer Vertreter, gestern auf Nachfrage der “Freien Presse” erklärte. Während er betonte, dass die Trägerin besagter Uniform kurzfristig dazugestoßen und kein Mitglied der Gemeinschaft sei, wusste er gestern angeblich nicht einmal, ob es wirklich eine Waffen- SS-Uniform war.

Andererseits sprach er davon, dass selbst das gesetzeskonform sowie polizeilich und staatsanwaltschaftlich abgesegnet sei. Dass viele Menschen bei ihrem Auftritt negativ berührt waren, kann Gerbet verstehen, aber man habe sich an ein “heikles” Geschichtsthema gewagt und sich der alten Militärtechnik angenommen. “Wir sind nicht fehlerfrei, lassen uns aber nicht als Nazis bezeichnen”, betonte er.

Das Zur-Schau-Stellen der Wehrmacht-Fahrzeuge, von Waffen und Kleidung hat nicht nur den kulturpolitischen Sprecher der Linken-Landtagsfraktion, Volker Külow, abgestoßen, auch der Verband der Verfolgten des Naziregimes zeigte sich empört. Einen bitteren Beigeschmack hat es für deren Mitglieder auch deshalb, weil sie das Kuratorium vom Tag der Sachsen in Freiberg ausschließen wollte. “Erst nach energischen Protest konnte die Teilnahme der ältesten antifaschistischen Organisation Deutschlands erreicht werden”, heißt es vom Landesvorstand, der sich gegen eine unpolitische Darstellung der faschistischen Wehrmacht wendet. Auch Heidrun Hiemer (CDU), Oberbürgermeisterin von Schwarzenberg, Ausrichterstadt des Tages der Sachsen 2013, fiel der Auftritt der Militärtechnikfreunde “negativ auf” und hat für sie ein Achtungszeichen gesetzt. Sie will bei der Planung des Umzuges sensibel prüfen, wer teilnimmt. Eine Erklärung vom Kuratoriumsvorsitzenden Matthias Rößler gab es bisher nicht. Offenbar macht man Freiberg als Gastgeber für den Vorfall allein verantwortlich.

Wehrmacht-Fans feierten mit

erschienen im Berliner Kurier

Nazi-Skandal beim „Sachsentag“

Eklat in Freiberg: Beim Volksfest „Tag der Sachsen“ sind Wehrmacht-Fans am Wochenende mit Militärfahrzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg durch die Stadt gefahren.

Wie die Partei Die Linke am Sonntag mitteilte, handelte es sich dabei um eine Gruppe namens „Militärfreunde Sachsen“. Die Männer präsentierten sich demnach auf dem Fest mit über 300.000 Zuschauern in originalen Uniformen, Autos und Motorrädern der Wehrmacht und stellten unter anderem einen Wegweiser mit der Aufschrift „Moskau“ auf. Zudem zeigten sie kleine militärische Übungen.

Aktion soll parlamentarische Konsequenzen haben

Volker Külow, kulturpolitischer Sprecher der Linken, nannte die Vorfälle einen Skandal. Es sei „instinktlos“ und „kriegsverherrlichend“, wenn eine „mörderische Maschinerie wie die Wehrmacht verharmlost wird“.

Der Linken-Politiker kündigte für Montag parlamentarische Konsequenzen an. So werde unter anderem eine kleine Anfrage an die Landesregierung geben. Insbesondere müsse sich Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) erklären, der als Präsident des Kuratoriums „Tag der Sachsen“ die Verantwortung für die Vorfälle trüge, so Külow.

Skandal-Auftritt kein Einzelfall

Das Zeigen von Kriegstechnik aus dem Dritten Reich scheint beim Tag der Sachsen indes keine Besonderheit zu sein. Wie Recherchen der Nachrichtenagentur dapd ergaben, präsentierten offenbar schon zum 20. Tag der Sachsen in Kamenz Wehrmacht-Fans mit einem eigenen Stand.