Freiberger Neonazi sammelt Skinheads um sich IWG-Aufmarsch in Dresden
06. Mai 2000
fbÄ #17 - Artikel #1 - - - mai 2000
Die „Interessengemeinschaft Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands e.V“ (IWG) führte am 25. März 2000 einen kleineren Aufmarsch in Dresden durch. Unter dem selben Motto wie ein Monat zuvor in Erfurt „Recht auf Heimat“ und der „Forderung auf Rückgabe der deutschen Ostgebiete“ marschierte ein ziemlich desorganisierter marodierender Haufen von zumeist militanten Nazi-Skins durch die sächsische Landeshauptstadt. Aus der Schar der kahlgschorenen und aggressiv pöbelnden Naziskins ragte der amtierende Vorsitzende der “Jungen Landsmannschaft Ostpreußen”, Alexander Kleber aus Freiberg, hervor. Kleber wird in Zukunft noch mehr auf die johlende Meute Naziskins zurückgreifen müssen. Seine Mutterorganisation, die “Landsmannschaft Ostpreußen” hat sich von ihrer Jugendorganisation getrennt. Gründe für diese Trennung lieferte auch Kleber mit seiner Bündnispolitik weit in das Lager der militanten Neo-Faschisten. Das brachte ihm zwar Lob in der NPD-Postille “Deutsche Stimme” (Märzausgabe), aber nun die Kündigung von der großen revanchistischen Landsmannschaft.
Kamen in Erfurt noch 500 TeilnehmerInnen zusammen, so waren es in Dresden knapp 150. Der vom Vorsitzenden der IWG, Georg Paletta, einberufene Marsch ist Teil einer bundesweiten Demonstrationstournee, bei der monatlich eine Stadt auf dem Programm steht. Für den 29. April kündigte Paletta das nächste Spektakel an. Aufmarschort kann Jena oder wieder Dresden sein. Hinter der relativ unbedeutenden IWG verbirgt sich ein diffuses Bündnis revanchistischer, faschistoider Gruppen. Der Demonstrationsaufruf von Erfurt wurde von etlichen im rechten Spektrum einschlägig bekannten Personen unterzeichnet. Enge Beziehungen der IWG bestehen u.a. zu: „Deutsche Liga für Volk und Heimat“, „Sudetendeutsche Landsmannschaft“, „Deutsche Gildenschaft“, „Witiko- Bund“, „Bund für Gesamtdeutschland“, „Bündnis für Deutschland“, „Bund der Vertriebenen“, „Gesellschaft für freie Publizistik“ .Vorsitzender der IWG ist der Pleinfelder Georg Paletta, 1993 noch im Landesvorstand des revanchistischen „Bund für Gesamtdeutschland“ aktiv, zweiter Vorsitzender ist Klaus Peter Seifert, ein ehemaliges Mitglied der „Republikaner“. Paletta machte in Dresden einen ziemlich verwirrten Eindruck. Durch störende Zwischenrufe weniger aktiver AntifaschistInnen sichtlich aus dem Konzept gebracht schrie er sich in Ekstase und rief seinen Nazi- Glatzen, die bei jedem Antifa-Zwischenruf während der Abschlußkundgebung an der Kreuzkirche regelrecht ausflippten, immer wieder zu: “Jungs, ihr seid Spitze!”.
Nicht nur sein Auftritt, auch die großmäulige Ankündigung von Mega-Aktionen, haben die Öffentlichkeit an dem Verstand von Paletta zweifeln lassen. Am 3. Oktober 1997 wollte er mit 100.000 Gleichgesinnten durch das Brandenburger Tor ziehen. Veranschlagte Kosten: 3 Millionen DM. Aus dem Größenwahn wurde bekannterweise nichts. Die regelmäßig zu jedem Aufmarsch-Versuch neu aufgelegten DIN A5 Handzettel, auf denen “Deutsche Patrioten” und “Vertriebene” angesprochen werden, geben inhaltlich nicht viel her. Eine willkürlich zusammengestellte Liste von Völkerrechtsartikeln soll den großdeutschen Anspruch legitimieren. Eine Argumentationsweise, die Paletta vom revanchistischen Würzburger Professor Dieter Blumenwitz abgeschrieben haben dürfte.