Bericht von der Bürgerfragestunde am 13. März mit den Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl

Am 13. März fand im Hotel „Kreller“ eine Fragestunde mit den Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl am 8. Juni in Freiberg statt. Befragt wurde die Amtsinhaberin Uta Rensch, der Linksparteikandidat Thomas Mittelstädt, der parteilose, aber von der FDP unterstützte Bernd-Erwin Schramm und der CDU-Kanditat Holger Reuter. In ihrem Anfangsstatement betonte Uta Rensch wie toll ihre Politik der vergangenen Jahre gewesen wäre. Probleme scheint Freiberg diesen Worten zufolge nicht zu haben. Als nächstes sprach Thomas Mittelstädt. Er meinte, dass es hier nicht so weiter gehen kann und sich viele Bürger hier nicht mehr wohl fühlen. Es müsse einiges mehr getan werden, z.B. auf den Gebieten Soziales, Bildung und Kultur. Die anderen beiden Kandidaten wetteiferten metaphernreich, wer die Wirtschaft am besten in Schwung bringen, den Mittelstand stärken und die Innenstadt säubern kann. Dafür kam bei beiden das Soziale überhaupt nicht und der einzelne Bürger nur am Rande vor.

Ähnlich ging es mit dem Gebiet Wirtschaft weiter. Hier stritten sich im Wesentlichen Rensch, Schramm und Reuter darum, wer die größten und schönsten Gewerbegebiete baut. Mittelstädt ergänzte, dass Industriegebiete ja ganz schön seien, aber auch der Mensch, der menschliche Kern, beachtet werden müsse. Anschließend kam das Thema Umgehungsstraße auf. Die scheint für einige der Kandidaten ja geradezu Fetischcharakter zu haben. Es scheint bei einigen Bürgern Konsens zu sein, dass von dieser Straße das Überleben Freibergs abhängt. Interessant, dass wenigstens ein Kandidat die schlechte Kommunikation und die fehlende Einbeziehung der Anwohner bei der Planung der Umgehungsstraße ansprach.

Ein Bürger fragte sinngemäß, was denn für die Arbeits- und Obdachlosen getan werden solle und wie ist es mit einem Sozialticket aussähe. Darauf meinte Thomas Mittelstädt, dass es nicht nur der Wirtschaft gut gehen soll, sondern auch den einzelnen Menschen, indem z.B. städtische Gebühren für sozial Schwache gesenkt werden. Viele hätten eher die großen Schwergewichte im Blick, die kleinen Leute würden kaum beachtet. Reuter wollte daraufhin die Schülerbeförderungskosten senken und Rensch die Schulspeisung fördern.

Nach weiteren Themen wie Kinderkrippen und Ärztemangel kam mensch dann auch auf die Freiberger Nazis. So fragte ein etwas jüngerer Bürger, wie die Kandidaten denn das Freiberger Naziproblem sehen und wie den Nazis in Zukunft entgegengetreten werden soll. Reuter ging überhaupt nicht auf den Kern der Frage ein und meinte, dass Extremisten das wahre Problem seien. Auch Schramm stellte sich nicht wirklich der Frage und redete stattdessen über zu stärkende Jugendbetreuung. Auch Rensch sagte etwas von Extremismus, egal ob von rechts oder von links, von mangelnder Aufklärungsarbeit und zu stärkenden Vereinen. Das Thema wurde nicht weiter bearbeitet, da mensch lieber schnell zur nächsten Frage kam, in der sich eine Bürgerin über zu niedrige innerstädtische Sicherheit und im Park sitzende Bier trinkende Jugendliche beschwerte. Darauf ging die Kandidatenrunde um einiges intensiver ein. Schramm, Rensch und Reuter überboten sich geradezu in Forderungen nach mehr Polizeipräsenz und Bekämpfung von Grafitti. Lediglich Thomas Mittelstädt war der Meinung, dass mehr Polizei allein keine Lösung sein kann.

Hier drückt sich sehr gut aus, wie die Bürger im allgemeinen und die Stadt im besonderen mit der Naziproblematik umgehen. Harmlose Grafitti und friedlich im Park sitzende Jugendliche, die dort einfach nur ihr Bier trinken wollen, erzeugen ein diffuses Bedrohungsgefühl. Neonazistische Gewalt hingegen wird unter den Teppich gekehrt und nicht weiter beachtet. Dies wird gefördert durch eine Extremismustheorie, welche die Rechte und die Linke auf eine Stufe stellt und bei den Kandidaten Rensch und Reuter hoch im Kurs zu stehen scheint. Harmlose Grafitti werden aufgebauscht und Übergriffe rechter Gewalltäter als „Schlägerei unter Jugendlichen“ verharmlost.

Am Ende der Veranstaltung wurde jeder Kandidat nach seiner Vision für Freiberg gefragt. Uta Rensch möchte den Bekanntheitsgrad Freibergs um 10 % steigern und die touristischen Potenziale des Freiberger Schlosses nutzen. Der Wirtschaft soll es gut gehen. Thomas Mittelstädt möchte eine Stadt, in der der einzelne Bürger im Mittelpunkt steht und in der man sich einfach wohl fühlt, sowie eine belebtere Innenstadt. Dann würden auch weniger abwandern. Letzteres ist auch im Interesse Schramms, welcher außerdem weitere Spiel- und Parkplätze errichten möchte. Den Vogel schoss jedoch Holger Reuter ab. In seiner Vision sollen unter anderem die ihm suspekten friedlichen Jugendlichen aus dem Park verschwinden.

Es zeigte sich, dass bei den meisten Kandidaten die kommerzielle Verwertung der Menschen im Mittelpunkt steht. Freiberg soll so verändert werden, dass der Einzelne optimal in die Konsumgesellschaft integriert wird. Dabei geschieht das bei dem einen Kandidaten etwas repressiver, bei dem andern etwas weniger repressiv. Thomas Mittelstädt hob sich in etlichen Punkten wohltuend davon ab. Da er aber eher selten das Wort ergriff, wirkte er auch ein wenig farblos.