Am 20. August fand die konstituierende Sitzung des neuen Kreistag Mittelsachen in Freiberg statt. Im neuen Kreistag, der nach der Kreisgebietsreform die alten Landkreise Freiberg, Döbeln und Mittweida umfasst, sitzen auch 4 Abgeordnete der NPD.

Schon im März erfolgte die Neugründung des NPD Kreisverbands Mittelsachsen, welcher aus den alten Verbänden Mittweida, Döbeln und Freiberg hervorging. Laut NPD Angaben soll er ca. 80 Mitglieder umfassen. Der neue Vorsitzende ist der Freiberger Jens Korb (45 J.). Seine Stellvertreter sind der JN-Stützpunktleiter für Freiberg und stellv. JN-Landesvorsitzende Steve Weißbach (25 J.) aus Lichtenberg und das Landesvorstandsmitglied der NPD Wilko Winkler aus Mühlau. Weißbach war an verschieden JN und NPD -Aktionen in Freiberg beteiligt so zum Beispiel am 7.März 2007, als er zusammen mit Freiberger und Dresdner Nazis, unter ihnen auch der bekannte Nazi-Akivist Maik Müller (aus Dresden), eine Kundgebung der Jungen Linken in Freiberg störte.

Auch sonst ist das Personal der NPD Mittelsachsen eher aus der Region Freiberg. Schatzmeister ist Mike Kempe (aus Freiberg), Geschäftsführer Horst Gottschalk (Stadtrat aus Freiberg) und Pressesprecher der Kreisrat Sandro Kempe. Einer der wenigen Ausnahmen ist Sven Schwertfeger aus Leuben-Schleinitz, seit 2007 Mitarbeiter des NPD-nahen Verlages Deutsche Stimme. Zuletzt war er Vorsitzeder des NPD KV Döbeln. Schwertfeger bewies zuletzt seine nähe zum Nationalsozialismus als er am 26. Juli 2008 in Passau an der Beerdigung von Friedhelm Busse (79 J.), dem Waffen-SSlers und Ex-Chef der mittlerweile verbotenen “Freiheitlichen Deutschen Arbeiter Partei” teilnahm. Busse war ein glühender Antisemit und wurde am 1. Mai 2001 wegen der Äußerung “Wenn Deutschland judenfrei ist, brauchen wir kein Auschwitz mehr!” zu einer Gefängnisstrafe von 28 Monaten verurteilt.

Bei der Kreistagswahl erreichte die NPD 4.7% der Stimmen, das entspricht 17889 Wähler_innenstimmen. Angetreten war die NPD mit 21 Kandidat_innen, von denen es Wilko Winkler (30J, Mühlau), Walter Gründing (66J, Leubsdorf), Sandro Kempe (32J, Freiberg) und Tino Felgner (44J, Freiberg) in den neuen Kreistag schafften.

Der Kaufmann Sandro Kempe ist bereits seit 2004 Kreistagsmitglied und schon seit Anfang der neunziger Jahre in der neonazistischen Szene aktiv .Er wurde bereits 1992 auf einer Liste der mittlerweile verbotenen “Nationalistischen-Front” geführt, eine der erfolgreichsten Organisationen des militanten Neofaschismus der 90er Jahre. Kempe war Mitbegründer und Hauptprotagonnist der Freiberger Kameradschaft Norkus, mit welcher er auch am Gränitzer Haus des Holocaustleugner und ehemaligen NPD-Vorsitzenden Günther Deckert Renovierungsarbeiten vornahm. Kempe schrieb unter anderem kurze Beiträge in der Mitteldeutschen Jugendzeitung sowie in der NPD Zeitung Deutsche Stimme und ist nach Einschätzung von Antifaschist_innen einer der führenden Köpfe der Freiberger Nazi-Szene.

Auch der Baufacharbeiter Tino Felgner trat nicht erst mit der Gründung des NPD KV Mittesachsen öffentlich in Erscheinung. Vorher war er bei bei der Durchführung von NPD Infoständen in Freiberg beteiligt. Im März 2007 störte er zusammen mit Freiberger und Dresdner Neonazis eine Kundgebung der Jungen Linken in Freiberg.

Bei der ersten Sitzung des neuen Kreistags am 20. August saßen die 4 Abgeordnete der NPD in der letzten Reihe. Auf der Pressebank saß Hartmut Krien, Sachbearbeiter der NPD-Fraktion im Landtag, Vorsitzender der kommunalpolitischen Vereinigung der NPD und Stadtrat des Nationalen Bündnisses in Dresden. Er steckte Kempe und Felgner immer wieder Zettel zu, damit diese sich zu Wort melden konnten. Alle Anträge der NPD wurden abgelehnt, bei einem Antrag stimmte selbst die NPD nicht geschlossen ab. Als dann die die Merhheit des Parlaments einem Antrag der SPD zustimmte die Stelle eines hauptamtlichen Ausländerbeauftragten zu schaffen, bot Felgner die Unterstützung der NPD-Fraktion an, sofern dieser in “Rückführungsbeauftragter” umbenannt werden würde. Dieser rassistische Ausbruch rief bei den Abgeordneten der anderen Parteien unerklärlicherweise keinerlei Reaktion hervor. Vor der Kreistagswahl bezeichnete die NPD diese als erste Aufgabe einer stärkeren kommunalen Verankerung, mit ihrem Einzug in den Kreistag haben sie dieses Etappenziel erreicht. Dass gerade Jugendliche in der nahen Zukunft Ziel dieser Verankerungspolitik werden können ist um so schlimmer, da diese gerade in einer Stadt wie Freiberg, in der nur noch marginal alternative und linke Jugendkultur existiert, zu einem leichten Ziel der NPD werden können. Uns stellt sich die Aufgabe diese Verankerung einer Partei, die nach wie vor demokratiefeindlich ist und am liebsten ein “Viertes Reich” errichten möchte, zu verhindern.