Umgangen?
25. Juni 2009
Seit Jahren ist die geplante Ortsumgehungsstraße in Freiberg ein brisantes Thema und Anlass zahlreicher Kontroversen. Während einige das Wohl und die Zukunft der gesamten Stadt in der Realisierung der Umgehungsstraße sehen, versuchen andere den Bau oder zumindest die Streckenführung zu verhindern. Doch worum geht es überhaupt?
Die Bundesstraßen 173 und 101 verlaufen durch die Freiberger Innenstadt und kreuzen sich am Bebelplatz in der Nähe des Kauflands. Durchgangs- und Berufsverkehr sowie LKW führen zu einer hohen Staub- und Lärmbelästigung, zu Staus und einer extremen Auslastung der Straßen. Eine Prognose des DTV geht für das Jahr 2010 von einer Auslastung von 13.000-20.000 Fahrzeugen pro Tag für die B 173 und von 14.500-22.500 Fahrzeugen pro Tag für die B 101 aus. Die Zahlen sind schon seit langem bekannt: Seit 1993 wurde die Ortsumgehungsstraße als Lösung diskutiert. Sie soll die Verkehrsbelastung verringern, die Leistungsfähigkeit der Bundesstraßen erhöhen und zu einer Steigerung der Wirtschaftskraft der Stadt führen. Ähnliche Pläne für eine Umgehungsstraße gab es bereits in den 1930er Jahren.
1995 wurde eine Bedarfsprognose erstellt, die u. a. zu den oben genannten Zahlen kam. Seit 2000 gab es ein so genanntes Linienbestimmungsverfahren, in dem der Verlauf der Straße festgelegt wurde. Anfangs noch als Ortsumgehung um ganz Freiberg geplant, soll sie nun die Leipziger Straße in Höhe der Brauerei mit der Hainichener Straße in Höhe des Kretzschmarstiftes, die Chemnitzer Straße in Höhe der ESSO-Tankstelle, die B 101 in Höhe des Häuersteigs, die Frauensteiner Straße und das Gewerbegebiet Ost an der B 173 miteinander verbinden.
Für den Bau der 13 Kilometer langen, zwei-, an manchen Stellen dreispurigen Straße sind momentan 43,4 Millionen Euro veranschlagt, die vom Bund getragen werden. Der Bau soll in vier Abschnitten erfolgen und insgesamt sieben Jahre in Anspruch nehmen, wobei die ersten beiden Abschnitte, Leipziger Straße – Chemniter Straße und Chemnitzer Straße – Häuersteig, bereits jetzt den Unmut der Anwohner_innen auf sich ziehen. So soll die Umgehungsstraße als Hochstraße durch den Hospitalwald verlaufen, deren Überquerung nur an einigen wenigen Stellen möglich sein wird. Die Erholungsfunktion des Waldes wird durch Lärm- und Staubbelastung vor allem deshalb eingeschränkt, weil an dieser Stelle keine Lärmschutzwände aufgestellt werden. Eine Alternativroute, die in Höhe des Waldcafés den Wald weitestgehend unbeschadet gelassen hätte, wurde aufgrund höherer Kosten verworfen. Dieses Flurstück soll jetzt stattdessen als Landschaftsausgleich mit Laubmischwald aufgeforstet werden. Weitere Aufforstungen sind am südlichen Stadtwald und am Ziegeleiweg geplant. Dennoch wird es Jahrzehnte dauern, bis diese Aufforstungsflächen einen annähernd vergleichbaren Erholungswert liefern werden wie die zerstörten Gebiete. Am Häuersteig wird vor allem das Waldbad Soldatenteich die Auswirkungen der Umgehungsstraße spüren, die in kurzer Entfernung zum Waldrand verlaufen soll.
In Friedeburg versucht eine Bürger_inneninitiative auf rechtlichem Weg den Streckenverlauf zu ändern. Mit den Eigentümer_innen der Flurstücke, welche die Straße passieren soll, muss zudem noch verhandelt werden. Sollten sich diese mit den Ausgleichszahlungen nicht zufrieden geben, muss auch an dieser Stelle nochmals umgeplant werden.
Bis der Bau beginnen kann wird also noch etwas Zeit vergehen. Zeit, in der die Bewohner_innen der Innenstadt weiter mit Lärm- und Staubbelästigung auskommen müssen, aber auch Zeit, in der der Hospitalwald noch zum Joggen, Spazieren und Erholen genutzt werden kann.