Überflüssige Reaktionen auf den Naziaufmarsch am 1. Mai in Freiberg gab es viele. Manche trauten sich nicht, das Wort Nazis in den Mund zu nehmen und subsumierten sie unter dem Konstrukt „Extremisten“, andere jammerten über den Imageschaden der Stadt. Und alle wussten, was in Zukunft zu tun sein wird. Nur die eigene Verantwortung, die hinterfragte keine_r. FreibÄrger präsentiert die dümmsten Reaktionen auf den 1. Mai.

“Der braune Sumpf hat in Freiberg keine Chance.”
Bernd-Erwin Schramm

“Freiberg sei eine Universitätsstadt mit Studenten und Wissenschaftlern aus aller Welt, heißt es darin. Die Stadt sei aufstrebender Wirtschaftsstandort mit internationalen Unternehmen. Weltoffenheit und Toleranz prägten das Zusammenleben der Freiberger.”
Freie Presse vom 05. Mai über einen offenen Brief an den Landrat

“Freiberg. Ein Frühwarnsystem soll es künftig zwischen Landratsamt, Stadt Freiberg und TU Bergakademie geben. Das ist die erste Konsequenz aus dem kurzfristig genehmigten Aufmarsch von etwa 400 Nazis am 1. Mai in Freiberg, wie Landrat Volker Uhlig (CDU) gestern nach einer Krisensitzung mit Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) und Rektor Bernd Meyer informierte. “Auf den Import der Rechten aus ganz Deutschland waren wir nicht optimal vorbereitet. Das Informationssystem hat nicht funktioniert. So etwas wird es kein zweites Mal geben”, schätzte Uhlig selbstkritisch ein und übernahm die Verantwortung für den braunen Spuk.”

“Bei rechtzeitiger Information hätte die Stadt Flagge gegen diesen “Zug für Gewalt” gezeigt, fasste es Stadtmarketingchef Gerd Przybyla zusammen. Die Stadtmarketing GmbH wäre bei einem Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit und Toleranz in Freiberg dabei gewesen.””
Freie Presse vom 05. Mai

“Der gewaltbereite braune Bodensatz der bundesdeutschen Gesellschaft, der sich da mit offizieller Genehmigung der Verantwortlichen des Landkreises in Freiberg präsentieren durfte, hat mit Sicherheit viele Freiberger verunsichert, verängstigt und empört. Noch schlimmer aber ist, dass nun der Eindruck entstanden ist, wenn in Städten der alten Bundesländer solche Zusammenrottungen aus guten Gründen verboten werden, dann ab nach Freiberg. Dabei wird nicht nur in Kauf genommen, dass Freibergs Ruf ruiniert wird, sondern auch mögliche Randale materielle Schäden anrichten, Gesundheit und Leben völlig Unbeteiligter gefährdet werden und die Polizei durch die Kurzfristigkeit des Einsatzes nicht nur personell in der Defensive bleibt, sondern auch deren Kräfte Gesundheit und Leben riskieren, mal ganz abgesehen davon, dass solche Einsätze enorme Steuergelder kosten.”
Absatz aus einem Leserbrief in der Freien Presse vom 07. Mai

“Der gewaltbereite braune Bodensatz der bundesdeutschen Gesellschaft, der sich da mit offizieller Genehmigung der Verantwortlichen des Landkreises in Freiberg präsentieren durfte, hat mit Sicherheit viele Freiberger verunsichert, verängstigt und empört. Noch schlimmer aber ist, dass nun der Eindruck entstanden ist, wenn in Städten der alten Bundesländer solche Zusammenrottungen aus guten Gründen verboten werden, dann ab nach Freiberg. Dabei wird nicht nur in Kauf genommen, dass Freibergs Ruf ruiniert wird, sondern auch mögliche Randale materielle Schäden anrichten, Gesundheit und Leben völlig Unbeteiligter gefährdet werden und die Polizei durch die Kurzfristigkeit des Einsatzes nicht nur personell in der Defensive bleibt, sondern auch deren Kräfte Gesundheit und Leben riskieren, mal ganz abgesehen davon, dass solche Einsätze enorme Steuergelder kosten.”
Absatz aus einem Leserbrief in der Freien Presse vom 07. Mai

“In Zusammenhang mit der Demonstration der NPD am 1. Mai in Freiberg […]”
Aus einem Leserbrief in der Freien Presse vom 13. Mai

”’Mit Phrasen auseinandersetzen’
Der Naziaufmarsch in Freiberg zeigt einmal mehr die Hilflosigkeit des politischen Systems der BRD. Jetzt im Landratsamt Köpfe rollen sehen zu wollen, ist zu oberflächlich gedacht. Was wäre bei einer Ablehnung des Marsches durch die Bediensteten passiert? Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hätte ihn mit ziemlicher Sicherheit genehmigt. Dadurch wäre die Medienlawine ins Rollen gekommen und letztlich hätte Freiberg eine Schlacht von Autonomen und Linken mit der Polizei und vielleicht auch mit den Rechten erlebt. Wer hätte dann die Schäden an den Gebäuden bezahlt? Randale sind nicht versicherbar. Also, liebe Freiberger, seid froh, dass es so gelaufen ist. Viel schlimmer ist die oberflächliche Diskussion zur NPD in Stadtrat und Kreistag. Fakt ist, diese Partei ist als politisch zugelassene Partei unter rechtsstaatlichen Mitteln von jeweils rund fünf Prozent der wählenden Bevölkerung gewählt worden. Diese Wähler haben einen Grund, sich für die NPD zu entscheiden. Diese jetzt zu dämonisieren, ist völlig der falsche Weg. Wichtiger wäre doch, zu analysieren, warum diese Partei ein solches Wählerpotenzial hat. Man muss sich mit den Phrasen auseinandersetzen und diese bloßstellen. Nur wenn man die Wähler dort abholt, wo sie jetzt stehen, hat man eine Chance, tendenziell die Rechten auszutrocknen.”
Leserbrief in der Freien Presse vom 13. Mai

“Nazis schänden in Freiberg die wahren Traditionen des 1.Mai des Feiertags des werktätigen Volkes, des Tages der Arbeit”
Überschrift in den Mittelsächsischen Linksworten Nr.21 (erschienen am 22. Mai)

“Am 1. Mai 2009 marschierten zwischen 400 und 500 Neonazis durch Freiberg. Es kam zu Übergriffen und Steinwürfen auf die Polizei. Eine Gruppe von Gegnern der Demonstration, darunter ältere Mitbürger, Frauen, Männer und Jugendliche, musste durch die Polizei vor gewalttätigen Übergriffen durch die Neonazis geschützt werden.

Der Zug wurde durch das Landratsamt genehmigt, anders als in Hannover, wo die Genehmigung für den Aufmarsch nicht erteilt wurde. Die Verantwortlichen des Landratsamtes Mittelsachsen zeigten sich hilflos und von der Gewaltbereitschaft der Rechten überfordert. Rechte Parolen, rechte Aufmärsche und rechte Gewalt müssen jedoch couragiert durch Stadt, Landkreis und Bürger verhindert werden.

Deshalb fordern wir: Nie wieder rechtsextremistische Aufmärsche und Versammlungen in Freiberg. Stadtverwaltung, Landrat und Bürger müssen sich gemeinsam Rechtsextremismus entschieden entgegenstellen.”
Erste Fassung einer Unterschriftenliste gegen Neonaziaufmärsche in Freiberg, initiiert von Einzelpersonen

“Kultur und Sport gegen Extremismus”
Name eines Aktionstages des Bündnisses für Demokratie und Toleranz gegen Rechtsextremismus, das dafür eine Förderung aus dem Lokalen Aktionsplan erhalten hat.