Nicht gerade reflektiert: Die Aprilausgabe der Wühlmaus

Nicht gerade reflektiert: Die Aprilausgabe der Wühlmaus

Geschlechterstereotypen werden im Alltag der meisten Menschen permanent reproduziert. Oft sind es unbewusste Anspielungen und Zuschreibungen, die die Betreffenden als völlig normal wahrnehmen, wenn etwa nur die Männer den Frauen Türen offen halten oder ihnen beim Anziehen ihrer Jacken helfen. In der Aprilausgabe der Freiberger Student_innenzeitung Wühlmaus bedienten sich die Autor_innen ähnlicher Stereotype um Menschen für die Redaktionsarbeit zu begeistern. Im Text “Frauenquote 80% - das gibt es nur bei uns” wurde die Arbeit der Wühlmaus vorgestellt, deren Redaktion zu mehr als 80% weiblich besetzt ist. Daher sei es auch verständlich, dass Themen wie Autos, Computer und Fußball etwas zu kurz kommen.

In einem extra Artikel werden schließlich gezielt neue Mitarbeiter_innen geworben – und zwar geschlechtlich getrennt. Männer werden für “tatkräftige Unterstützung” gesucht. Die Redaktion der Wühlmaus freut sich übrigens “auch über Männer, die richtig anpacken können” und das “Verteilen der Zeitung” und die Homepage in die Hände nehmen. Frauen hingegen werden als “[n]eue kreative Köpfe” gesucht.

Diese Zuschreibungen spiegeln wieder, in welche Rollen Männer wie Frauen in der Gesellschaft gezwängt werden. Körperlich starke, anpackende Männer für grobe Arbeiten, schwächere, emotionale Frauen für feine, ästhetische Aufgaben. Nur ein sensibler Umgang kann das Einprägen und Selbst-reproduzieren dieser Rollenklischees eindämmen.