Eintreten für bessere Bildung
23. Oktober 2009
Interview mit Georg vom Bildungsbündnis Freiberg
An den bundesweiten Bildungsstreiks im Juni beteiligten sich über 250000 Menschen. In vielen größeren und kleineren Städten gingen Schüler_innen und Student_innen auf die Straße, um für bessere Bildung zu demonstrieren. In Freiberg beteiligten sich am 16. Juni ca. 50 Menschen an einer Demonstration des Freiberger Bildungsbündnisses vom Obermarkt zum Campus. Georg vom Bildungsbündnis gibt Auskunft über die Forderungen:
[FbÄ] Was genau ist das Bildungsbündnis Freiberg?
Georg: Das Bildungsbündnis Freiberg ist ein Zusammenschluss von Schüler_innen und Studierender. Gegründet wurde das Bildungsbündnis Freiberg nach den ersten bundesweiten Bildungsprotesten im Mai letzten Jahres. Der Grund für die Gründung war eine erste Bildungsdemo in Freiberg mit ca. 30 Teilnehmenden. Daraufhin wurde das Bildungsbündnis gegründet, um die Proteste im letzten November vorzubereiten. Vor allem Schüler_innen nehmen an diesem Bündnis teil und nur wenige Student_innen. Unser Hauptziel ist es auf die Bildungsmisere in Deutschland hinzuweisen und durch unsere Forderungen die Schüler- und Studentenschaft zu politisieren. Unsere Forderungen sind: ein einheitliches gesamtdeutsches Bildungssystem, gut bezahlte Ausbildungsplätze für alle, eine Demokratisierung des Bildungssystems, Schulbildung, die tatsächlich kostenlos ist, mehr Lehrer_innen, Übernahme der Referendare, verbesserte Arbeitsbedingungen für Lehrer_innen, bessere Lehrmittel, Verkleinerung der Klassen auf maximal 20 Schüler_innen, Abschaffung der Studiengebühren und Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form.
[FbÄ] Was habt ihr bisher erreicht?
Georg: Drei Demos in Freiberg organisiert, eine Menge Flugblätter verteilt um mit Leuten über das Bildungssystem zu diskutieren und wir haben Vorträge in verschiedenen Klassen gehalten. Das Bildungssystem haben wir noch nicht verändert, da wir noch zu wenige sind und keine richtige Bewegung existiert, aber wir haben schon mal auf unsere Probleme aufmerksam gemacht. Es ist nur ein kleiner Schritt, aber es ist ein Anfang.
[FbÄ] Bei den Bildungsstreiks im Herbst letzten Jahres hat der Schulleiter des Geschwister-Scholl Gymnasiums seinen Schüler_innen mit Sanktionen gedroht. Erfahrt ihr Unterstützung von Lehrer_innen und Schulleitung?
Georg: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt eine ganze Menge Lehrer_innen, die uns passiv unterstützen, das heißt, dass sie nichts gegen uns unternehmen (Sanktionen), bzw. ihre Schüler_innen nicht daran gehindert haben zu unseren Demos zu gehen. Leider unterstützen uns keine Lehrer_innen aktiv im Bildungsbündnis. Die beste Resonanz haben wir vom Schulleiter vom BSZ Julius-Weisbach erfahren, der zu uns meinte, dass wir das Richtige tun und uns keine Steine in den Weg gelegt hat, als wir an seiner Schule einen Streik organisierten.
[FbÄ] “Bessere Bildung” ist ziemlich allgemein gehalten. Was sind eure konkreten Forderungen an die Politik und eure Kritik am Bildungssystem?
Georg: Siehe oben und vor allem die soziale Selektion und die damit verbundene Diskriminierung sozial schwacher Menschen. Aber auch, dass immer weniger Platz im Schulsystem ist für individuelle Entfaltung.
[FbÄ] Wie wird es in Zukunft weitergehen?
Georg: Das ist eine sehr schwierige Frage, da die meisten von uns aus Freiberg wegziehen werden. Diejenigen, die bleiben, werden weiter machen und diejenigen, die gehen, werden hoffentlich in den Städten, in die sie ziehen werden, weiterhin aktiv bleiben.




