Freiberger Arbeitsfront
15. Dezember 2009
Am 10. Oktober fand der dritte so genannte “Freiberger Freiwilligentag” statt. Eingebettet in die bundesweit stattfindende Woche des bürgerschaftlichen Engagements sollte dabei für das Ehrenamt geworben und die Stadt verschönert werden. Rund vierzig Helfer_innen engagierten sich unter dem Motto “FREI (berg) WILL-ICH” an insgesamt vier Orten. Im Garten des VdK an der Schillerstraße wurde Unkraut entfernt und anschließend Frühblüher und Stauden gepflanzt, auf einem Spielplatz an der Schmiedstraße beteiligten sich etwa 20 Helfer_innen am Rasenmähen und Müllsammeln und in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität an der Külzstraße wurde für die Bewohner_innen des Betreuten Wohnens ein Nachmittagsprogamm organisiert. Unter den Helfer_innen befanden sich zum großen Teil Anwohner_innen und Mitglieder Freiberger Vereine, wie der Agenda 21 oder dem Arbeitskreis Ausländer und Asyl. Das erreichte Ergebnis kann sich zwar durchaus sehen lassen, dennoch bietet der Freiwilligentag auch Anlass zu Kritik. Das Engagement der Freiwilligen in allen Ehren, sollte nämlich daran erinnert werden, dass solch ein freiwilliger Arbeitseinsatz beileibe keine Selbstverständlichkeit ist und auch nicht sein sollte. Eltern, die den Spielplatz für ihre Kinder von Müll und Glasscherben befreien? Mitarbeiter_innen der Stadt, die nach ihren vielen Überstunden nun auch noch ihre Freizeit zum “Wohle der Allgemeinheit” opfern? Wer das will, darf das selbstverständlich gern, aber diese Art des Ehrenamtes sollte weder zur Gewohnheit noch vorwurfsvoll den Menschen entgegengehalten werden, die am 10. Oktober lieber vernünftig ausschliefen. Saubere Spielplätze, schöne Wiesen und das Betreute Wohnen sind schließlich Aufgabenbereiche der Stadt und nicht der Bürger_innen. Kostenlose Arbeitssklaven, die das erledigen, wofür die Stadt sonst Geld bezahlen müsste, sind ein unhinnehmbarer Zustand. Engagement und Ehrenamt findet in Vereinen statt, die Dinge leisten, die über die Dienstleistungen der Verwaltung hinausgehen. Da geht es um Toleranz, Miteinander, Integration, Sport; um Angebote für andere Menschen. Aber sicher nicht darum, Müllmann oder Gärtnerin für vierzigtausend Freiberger_innen zu spielen.