Die Fronfeste
22. Juli 2010
Allerdings errichteten die Nationalsozialisten bereits wenige Jahre zuvor an selber Stelle ein sogenanntes Schutzhaftlager, in dem Oppositionelle eingesperrt und gefoltert wurden. Eine weitere Terrorstätte befand sich im Gebäude des ehemaligen Porzellanwerkes am Hammerberg. Dort wurden mindestens 38 Antifaschisten grausam gefoltert. In der Fronfeste waren teilweise bis zu 26 Häftlinge inhaftiert. Auch der spätere Freiberger Bürgermeister und Buchenwald-Überlebender Karl Günzel wurde am 7. März 1933 eingekerkert, ebenso wie die Leitungsmitglieder der KPD, die Gebrüder Beckert, zwei Tage später. Nachts soll der NSDAP-Kreisleiter die eingesperrten Häftlinge durch den Türspion beobachtet haben. Für ihre Bewachung und ebenso für die Verpflegung hatten die Häftlinge selbst zu zahlen. Der Tagessatz des Polizeiamtes betrug zwei Reichsmark, was damals allerdings sehr viel Geld gewesen ist.1
Die „Schutzhaftlager“ existierten in Freiberg bis Ende 1935. Mit der Einführung von Sondergerichten wurden Tausende – das Sondergericht des Landes Sachsen hatte seinen Sitz in Freiberg - in Schnellprozessen zu Haftstrafen verurteilt und später in Konzentrationslager überführt. Angesichts der verübten Verbrechen wäre ein Hinweis am Haus und in der Rubrik Geschichte auf der Website des Hotels wohl durchaus angebracht. Zumal sich am Haus bereits eine Gedenkplakette befindet, die die Zeit des Nationalsozialismus allerdings ausspart.
1Bélafi, Béla (1986): Von der Errichtung der faschistischen Diktatur bis Kriegsbeginn. In: Kasper, Hanns-Heinz/Wächtler, Eberhard (Hrsg.): Die Geschichte der Bergstadt Freiberg. Weimar, Hermann Böhlaus Nachfolger: S. 282

