Stellungnahme des Arbeitskreises „Eine Welt und Integration“ zum Artikel „Vielfalt, Toleranz oder doch Völkerverständigung?“
20. April 2011
Zuschrift per Mail
Auf der vergangenen Sitzung des Arbeitskreises „Eine Welt und Integration“ am 29. März wurde über den Artikel des FreibÄrger zum 8. Fest der Kulturen sowie über die Reaktion von Hans de Lange diskutiert. Die zur Sitzung anwesenden Vertreter des Arbeitskreises entschieden sich dafür, eine Stellungnahme zu verfassen.
Von Redaktionsmitgliedern des FreibÄrger wurde stets bemängelt, dass das Fest der Kulturen seinem eigenen Anspruch nicht gerecht würde. Im Vorfeld haben die Organisatoren jedoch bereits mehrmals betont, dass dies ein Irrtum eben jener Redaktionsmitglieder sei, die das Fest der Kulturen zu etwas machen wollen, das es nicht ist und auch nicht sein soll:
Betrachtet man das Fest der Kulturen womöglich als Bühne für politische Diskussionen, dann wird es diesem Anspruch sicherlich nicht gerecht. Eine solche Betrachtungsweise des Festes stimmt allerdings auch nicht mit jener Vorstellung überein, die die Organisatoren über die Ausrichtung des Festes teilen. Für den Arbeitskreis „Eine Welt und Integration“ als Veranstalter ist das Fest der Kulturen, wie der Name schon sagt, in erster Linie ein Fest, das die Begegnung und den kulturellen Austausch von Deutschen und Migranten im Sinn hat. Mit diesem Anspruch gehen die Organisatoren an die Planung und Gestaltung des Festes heran – eine politische Auseinandersetzung wäre aufgrund der Zielgruppe (Familien mit Kindern) sowie den vielen verschiedenen Sprachen der Besucher kaum realisierbar. Das Programm muss ebenfalls in einem Rahmen gestaltet werden, der Sprachbarrieren überwindet und es für jedermann verständlich macht. Man kann dem Arbeitskreis wohl deshalb kaum vorwerfen, ihrem eigenen Anspruch an das Fest nicht gerecht zu werden.
Darüber hinaus ist zu betonen, dass sich der Arbeitskreis „Eine Welt und Integration“ aus Vertretern verschiedenster Vereine und Institutionen in Freiberg zusammen setzt und deshalb selbstverständlich in seiner Sichtweise und seinem Meinungsbild nicht immer homogen sein kann. Die Meinung, dass das Steigerlied des Vereins der Vietnamesen in Freiberg eine Überanpassung darstellte, wird beispielsweise nicht von allen Mitgliedern geteilt. Diese unterschiedlichen Sichtweisen sind aber nicht hemmend, sondern geradezu bereichernd für die Organisation des Festes, wenn dabei jedes Mitglied die gleiche Zielstellung vor Augen behält, nämlich das Fest zu einer Begegnung der Vertreter verschiedener Kulturen zu machen.
… Ja, wir halten an der Formulierung „Vertreter verschiedener Kulturen“ weiterhin fest. So tiefgründig der von der Redaktion verfasste Artikel die Theorie des Kulturalismus auch wiedergegeben hat (und diese Theorie wollen wir keineswegs anzweifeln): Wir sind der Meinung, dass wir aufgrund der immer fortschreitenden Globalisierung froh darüber sein können, dass der Begriff „Kultur“ auch im Jahr 2011 überhaupt noch in diesem Maße verwendet werden kann. Ebenso sind wir der Meinung, dass der Begriff „Kultur“ den Individualismus jedes Einzelnen in keinem Falle ausschließt. Wäre dies der Fall, so wäre die Entwicklung einzelner Länder und Kontinente wohl schon seit Langem zum Erliegen gekommen.
Die UNESCO definiert den Begriff „Kultur“ übrigens folgendermaßen: „Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertesysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.“ (http://www.unesco.de/erklaerung_vielfalt.html?&L=0, Stand: 05.04.2011). Ist es da aufgrund der Globalisierung nicht erfreulich, dass eben diese Einzigartigkeit und Tradition gesamter Menschengruppen auch heute noch in besonderem Maße besteht und nicht, wie in Zukunft möglich, von der Globalisierung verdrängt wurde? Und vor allem, dass diese Traditionen von den Menschen mit Stolz und Freude auch in ihnen eigentlich „fremden“ Gesellschaften präsentiert werden – so wie auf dem Fest der Kulturen?
Wir können selbstverständlich nicht verlangen, dass die Redaktion ihre Meinung über das gesamte Gefüge des Festes ändert. Wir bitten jedoch darum, in Zukunft davon abzusehen, die Inhalte des Protokolls als internes Schriftstück des Arbeitskreises dafür zu nutzen, Kritikpunkte bezüglich des Festes der Kulturen inhaltlich zu unterlegen und somit in nachweislich falschen Zusammenhängen wiederzugeben. Wir möchten noch einmal darauf hinweisen, dass das Protokoll die Meinungen einzelner Mitglieder offenlegt, nicht jedoch die Haltung des gesamten Arbeitskreises.
Für die Zukunft würden wir uns zudem wünschen, dass sich jene Redakteure im Vorfeld aktiv im Arbeitskreis engagieren und ihre Zugehörigkeit zum Arbeitskreis nicht nur dazu nutzen, die internen Protokollinhalte zu ihren Gunsten zu veröffentlichen. So wäre eine Mitsprache ihrerseits gesichert und, wenn nötig, eventuelle Kritik im Nachhinein gerechtfertigter.
Die Mitglieder des Arbeitskreises
Solongo Baldandorshijn
Manuela Junghans
Kornelia Metzing
Katrin Pilz
Kristin Walter