Aktuelles

freibaerger.org zieht um

Aus verschiedenen Gründen haben wir uns beschlossen unseren Provider zu wechseln. In (hoffentlich) wenigen Tagen werden wir (Achtung, Werbung) bei manitu unterkommen. Bis dahin wird es hier keine aktuellen Meldungen geben. Möglicherweise sind wir einige Zeit offline.

Erneut Anschläge auf Döner-Imbiss

In der Nacht zum Donnerstag, den 29. Juli 2010, wurde auf das “Dürum Döner Kebab Haus” ein Brandanschlag verübt, berichtet die Freie Presse. Unbekannte schmissen Steine und einen Brandsatz durchs Fenster. Der im Obergeschoss wohnende Besitzer bemerkte dies sofort und verständigte die Feuerwehr. Menschen kamen nicht zu schaden, die Räumlichkeiten sind jedoch nicht mehr nutzbar, obwohl die Feuerwehr die Flammen schnell unter Kontrolle bringen konnte.

Nicht weit entfernt, in einem Imbiss an der Ecke Burgstraße/Akademiestraße, wurden auch die Scheiben eingeworfen, jedoch kein Brand gelegt.

Die Sonderkommission Rechtsextremismus der Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung. Es werden Zeugen gesucht, die einen etwa 25-jährigen Mann mit dunklem Kapuzenshirt am Donnerstag zwischen 3 und 4:30 Uhr in der Burgstraße gesehen haben. Hinweise sind telefonisch unter 0800 6738152 erbeten.

Brandanschlag auf Imbiss in der Poststraße verübt

Wie die Freie Presse vom 28. Juli berichtete, ist gestern gegen 3:30 Uhr ein Brandanschlag auf das “Shahi Döner Kebap - Curry House” in der Poststraße verübt wurden. Personen wurden dabei zum Glück nicht verletzt, es entstand aber ein Sachschaden von mehreren Tausend Euro. Laut Polizeisprecherin Heidi Henning lässt sich ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausschließen.

Eine Zeugin hatte kurz nach 3:30 Uhr gesehen, wie sich ein Unbekannter an der Eingangstür des Imbisses zu schaffen gemacht und etwas angezündet hatte. Der Täter trug eine schwarze Kapuzenjacke mit heller Aufschrift und hatte offenbar mehrere Steine und einen Molotowcocktail gegen die Eingangstür geworfen.
Die Polizei ermittelt nun wegen versuchter schwerer Brandstiftung und sucht weitere Zeugen. Wer in der Nacht zum Dienstag Beobachtungen gemacht hat, die mit der Straftat im Zusammenhang stehen könnten, kann sich beim Polizeirevier in Freiberg unter der Telefonnummer 03731 700 melden.

Aufruf zur Übernahme von Patenschaften für STOLPERSTEINE in Freiberg

Am 28. September 2010 sollen in Freiberg 10 neue STOLPERSTEINE vor den einstigen Wohnhäusern von Opfern des NS-Regimes in Freiberg verlegt werden. Im Juli 2007 und Oktober 2008 waren hier die ersten 14 Steine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt worden, die die Erinnerung individuell und konkret in unsere Stadt holen und allen Versuchen des Verdrängens, Verschweigens und Vergessens entgegenwirken.

“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt der Initiator der Aktion. Er hat inzwischen in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas fast 20.000 Steine verlegt. Mit den in die Messingköpfe der Pflastersteine eingravierten Namen und Eckdaten wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.

Im Aufruf der Freiberger Initiative „STOLPERSTEINE/ DENKZEICHEN für Opfer des NSRegimes“, in der sich am 28. März 2007 erstmals engagierte Freiberger Bürger, die Wirtschaftsjunioren Freiberg und Mitarbeiter des CJD zusammengefunden hatten, heißt es:

„Wir stellen uns mit dieser Initiative zur individuellen Erinnerung unserer gemeinsamen Verantwortung vor den Opfern nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, deren Gesicht und Namen, Individualität und Menschenwürde bewahrt werden müssen.
Wir sehen uns zugleich in Verantwortung vor unserem demokratischen Gemeinwesen in der Stadt Freiberg als einer offenen, bürgerfreundlichen, toleranten und wirtschaftlich aufstrebenden Stadt, die sich allen Seiten ihrer Vergangenheit und der ihrer Bürger in Verantwortung für Gegenwart und Zukunft stellt.
Wir wenden uns mit unserer Initiative gegen jeden Versuch, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und totalitäre Ideologie erneut gesellschaftsfähig zu machen.
Wir setzen einen Gegenpol gegen Versuche, Jugendliche mit neonazistischen Wahnideen zu ködern, Intoleranz, Gewalt und antidemokratische Lösungen mehrheitsfähig erscheinen zu lassen und dafür unsere Geschichte durch Verleugnungen, Aufrechnungen oder `Schlussstrichdebatten`zu missbrauchen.“

Es gibt viele Möglichkeiten der Unterstützung dieser Initiative in unserer Stadt und in unserem Landkreis.

Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines STOLPERSTEINS übernehmen.

Wir suchen Unterstützung bei weiteren Recherchen zu den Schicksalen jener Menschen und deren Familien, an die ein STOLPERSTEIN erinnern soll.

Wir suchen Zeitzeugen und Dokumente, Fotos und Kontakte.

Wir suchen Helfer, die sich auch nach der Verlegung von STOLPERSTEINEN für den Erhalt, die Pflege und die Lesbarkeit der Steine verantwortlich fühlen.

Wir bieten Informationen, Hilfe bei Projekttagen z. B. in Schulen, Vorträge zum Thema, Literatur und ein umfangreiches Archiv, das alle Interessenten nach Rücksprache nutzen können.

Wer eine Patenschaft (95 Euro) für einen STOLPERSTEIN übernehmen möchte, wird um Einzahlung auf das Konto des CJD Chemnitz, Kto.-Nr. 125 047 100 bei der Commerzbank Chemnitz, BLZ: 870 400 00 unter Angabe des Verwendungszwecks: „Spende für Aktion Stolpersteine Freiberg 2010“ gebeten (Spendenbeleg wird zugesandt).

Fragen, Angebote weiterer Unterstützung bzw. Anforderungen erbeten an:

CJD - Geschichtswerkstatt im „Bunten Haus“
Ansprechpartner:
Dr. Michael Düsing, Uwe Scholz, Birgitt Pasternak
Tschaikowskistraße 57 a
09599 Freiberg
Tel.: 03731 201338
Email: bunteshaus[at]cjd-chemnitz.de

Geplante STOLPERSTEIN-Verlegungen 2010

Humboldstr. 34 (1 Stein)
• Szolem Druck – Humboldtstraße 34
* 1887; † Flucht in den Tod am 25.12.1938

Langestraße 41 (1 Stein)
• Max Freud – Lange Straße 41
* 1883; † 05.09.1942 KZ Dachau

Silberhofstraße 24 (1 Stein)
• Ida Dux, geb. Wehle – Silberhofstraße 24
* 1869; † gest. 15.04.1943 Vernichtungslager Treblinka

Weisbachstraße 23 (5 Steine)
• Ehepaar Abraham (* 1879) und Meta Wolff, geb. Taubenschlag (* 1887) – Weisbachstr. 23
Flucht in den Tod (Selbstmord nach Erhalt des Deportationsbefehls) am 22. bzw. 25.01.1942 in Berlin
Manfred (* 1920; † 1983 Leeds, GB) und Dorothea Gray, geb. Wolff , (* 1925;
† 2007, GB)
Flucht 1939; Kindertransport
Paula Brück, geb. Taubenschlag, (* 1885; † 1942 Auschwitz)

Burgstraße 22 (2 Steine)
• Gitta Braun, geb. Weiß – Burgstraße 22
* 1873; † 02.12.1942 Ghetto Theresienstadt
• Celestine Silberstein, geb. Weiß – Burgstraße 22
*1876; † 16.03.1943 Ghetto Theresienstadt

Die Verlegung erfolgt nach Zustimmung durch den Initiator der Aktion STOLPERSTEINE, Gunter Demnig (Köln), durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung Freiberg, da G. Demnig an diesem Termin anderweitig gebunden ist.

Teilnahme an Verlegung haben bisher (neben Offiziellen der Stadt/LK) zugesagt:

· Richard Gray, Bournemouth, GB, Enkel v. Meta und Abraham Wolff
· Dr. Nora Goldenbogen, Vors. d. Jüdischen Gemeinde Dresden
· Dr. Ruth Röcher, Vors. d. Jüdischen Gemeinde Chemnitz
· Uta Franke, Berlin, Koordinatorin der Aktion „Stolpersteine“

Am Abend des 28.09.2010, 20:00 Uhr, wird im Kinopolis Freiberg der in Cannes ausgezeichnete Dokumentarfilm „Stolperstein“ gezeigt; anschließend Diskussion. Begleitend im Foyer des Kinopolis geplant: Posterausstellung „Stolpersteine in Freiberg“

Hässliches Freiberg

Der Naziladen Waffen Army Shoes macht Werbung in der Stadt.

haessliches-freiberg

Weltoffenes Freiberg

eisneger

Erneuter gewalttätiger Angriff auf alternativen Jugendlichen in Limbach-Oberfrohna

Pressemeldung der RAA

Die rechte Problematik in Limbach ist leider gleichbleibend aktuell. Erst am vergangenen Wochenende griffen 5 Neonazis einen alternativen Jugendlichen an. Die Täter hielten mit ihrem Transporter neben dem Jugendlichen an und beleidigten ihn. Nachdem er zunächst fliehen konnte, holten die Neonazis ihn zu Fuß ein. Der Jugendliche brach zusammen, nachdem die Täter ihm eine Bierflasche gegen den Kopf geschlagen hatten. Am Boden liegend traten die Angreifer weiter brutal auf ihn ein. Der Geschädigte wurde ambulant behandelt, wobei Glassplitter von seinem Kopf entfernt werden mussten und eine Platzwunde festgestellt wurde.
Neonazistische und rassistische Angriffe sowie Sachbeschädigungen finden in Limbach regelmäßig statt. So kam es Anfang Mai zu einem rassistischen Angriff und die Fensterscheiben am Privathaus eines Bundestagsabgeordneten wurden aufgrund seines Engagements gegen Rechts eingeschlagen.

Für Rückfragen stehen wir gern unter 0172. 974 36 74 zu Ihrer Verfügung.
André Löscher und Juliane Wetendorf

Brandanschlag auf CJD-Büro verübt

cjd

    Freie Presse vom 11. Juni

    Freiberg. Auf das Freiberger Büro des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD) in der Himmelfahrtsgasse ist gestern ein Brandanschlag verübt worden. Wie die Polizei meldete, landete gegen 7.30 Uhr ein Molotow-Cocktail zunächst an der Fassade, der zweite durchschlug eine Fensterscheibe und flog ins Büro des Vereins. Die Flammen konnten von Mitarbeitern gelöscht werden. Verletzt wurde niemand. Feuerwehrleute sicherten den Ort, um einen Schwelbrand zu verhindern. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen. (BK)

Der CJD unter Herrn Dr. Düsing hat maßgeblich dazu beigetragen, die jüdische Geschichte in Freiberg und die dunkle Geschichte der Zwangsarbeit wieder ans Tageslicht zu befördern. Daraus entstanden viele Publikationen und u.a. die Internetseite Juden in Mittelsachsen. Es ist also möglich, dass es sich, ebenfalls wie beim Brandanschlag auf den Roten Weg vor wenigen Monaten, um einen Naziangriff handelt.

Update:

Der mutmaßliche Täter hat sich mittlerweile gestellt, wie die Freie Presse vom 12.06. berichtete und unsere Vermutung war wohl etwas voreilig:

    Freiberg. Der Brandanschlag auf das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) in Freiberg ist aufgeklärt: Ein 24-Jähriger hat sich am Donnerstagnachmittag gestellt. Er gab bei der Polizei zu, am Morgen des gleichen Tages zwei Molotow-Cocktails gegen das CJD-Büro an der Himmelfahrtsgasse geworfen zu haben.
    Während ein Brandsatz von der Fassade abgeprallt war, hatte der zweite eine Fensterscheibe im ersten Stock durchschlagen. CJD-Mitarbeiter konnten die Flammen löschen. Verletzt wurde niemand. Der Schaden liegt ersten Schätzungen zufolge bei 10.000 Euro. So waren neben dem Fenster auch Wand- und Deckenverkleidung, Gardine, Heizung, ein Papierständer und Auslegeware beschädigt worden.
    Bei seiner Vernehmung gab der junge Mann weitere Straftaten zu. In der Nacht zum 8. Juni habe er auf der Waisenhausstraße die Scheibe des Museums-Schaukastens eingeschlagen und die Spiegel mehrerer Fahrzeuge im Bereich Weingasse/Heubnerstraße abgetreten. Als Motiv nannte er nach Polizeiangaben “fehlende Aufmerksamkeit”. Die Ermittlungen dauern an, der 24-Jährige wurde inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt.
    Der junge Mann war 2009 in einem sozialen Kurs beim CJD betreut worden. “Da solche Maßnahmen stets zeitlich begrenzt sind, werden viele im Anschluss wieder auffällig. Selten wird eine geeignete Nachsorge gefunden”, erklärt Monika Schlesier, die Leiterin der CJD-Außenstelle in Freiberg. Häufig seien Konflikte im Familien- und Freundeskreis die Ursache auffälligen Verhaltens. Monika Schlesier will den 24-Jährigen nun in einem Brief auffordern, mit Eimer und Schrubber einen Teil des angerichteten Schadens zu beheben. Zudem wolle sie eine sinnvolle Beschäftigung für ihn finden.

Report Mainz über rechte Gewalt

Im Report Mainz vom 7. Juni wurde über rechte Gewalt gegenüber Politiker_innen berichtet. Im Beitrag wird auch der Brandanschlag auf das Gebäude am Roten Weg in Freiberg thematisiert.

Das Youtube-Video wurde von einem Nazi hochgeladen, deshalb der seltsame Titel. Es lohnt sich aber anzuschauen.

Aufgebrachte Narrenschiffe

Anlässlich der antisemitischen Hetztiraden gegen Israel in Reaktion auf die Vorfälle um den Einsatz der Israelischen Armee, sei auf den bei Lizas Welt erschienenen Artikel “Aufgebrachte Narrenschiffe” verwiesen. Weitere lesenswerte Artikel befinden sich auf dem Blog der Botschaft des Staates Israel in Berlin.

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Man kann gar nicht anders, als den Organisatoren und Teilnehmern der internationalen „Free-Gaza-Solidaritätsflotte“ zu gratulieren: Sie haben erreicht, was sie erreichen wollten. Denn ihre Aktion, die mit viel Pathos als humanitäre Hilfe für den Gazastreifen deklariert worden war, wurde der von vornherein geplante Propagandacoup für die Hamas. Deren Führer Ismail Haniya hatte schon vor einigen Tagen frohlockt: „Wenn die Schiffe Gaza erreichen, ist das ein Sieg – und wenn sie von den Zionisten terrorisiert werden, ist das ebenfalls ein Sieg.“ Nun hat ein Spezialkommando der israelischen Streitkräfte die sechs Schiffe umfassende Flotte aufgebracht; dabei sind nach unterschiedlichen Angaben zwischen zehn und 19 „Friedensaktivisten“ zu Tode gekommen und mehrere Dutzend verletzt worden. Auch unter den israelischen Soldaten gab es eine Reihe von Versehrten.

Der Tenor in den deutschen Medien ist eindeutig – und ganz im Sinne der Gotteskrieger: „Blutiger Angriff Israels auf Gaza-Hilfsflotte“ (Spiegel Online), „Israel schockt den Nahen Osten“ (Süddeutsche Zeitung), „Angriff Israels auf Solifahrt für Gaza“ (taz), „Israel ohne Maß“ (FAZ) – um nur einige von unzähligen Beispielen zu nennen. Die Bundesregierung sieht den „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ verletzt, verlangt eine internationale Untersuchung und ein „Ende der Blockade“, während Linken-Fraktionschef Gregor Gysi befand: „Ohne im Einzelnen beurteilen zu können, was bei der Besetzung geschah, ist es niemals und durch nichts zu rechtfertigen und deshalb verbrecherisch, dass einseitig das Feuer eröffnet wird und friedliche Menschen getötet oder verletzt werden.“ Mehrere Staaten, darunter Griechenland, Spanien, Ägypten und die Türkei, bestellten den jeweiligen israelischen Botschafter ein. Wer die Schuld an der blutigen Eskalation trägt, wird nicht nur hierzulande also gar nicht erst diskutiert. Doch wie immer, wenn die Wogen der Empörung über dem jüdischen Staat zusammenschlagen, lohnt sich ein genauerer Blick.

Zunächst einmal kann keine Rede davon sein, dass die israelische Spezialeinheit die Flotte angegriffen hat; vielmehr war es umgekehrt: Es gab mehrere Aufforderungen der israelischen Marine an sie, die Seeblockade des Gazastreifens zu akzeptieren, den Kurs zu ändern und den Hafen der israelischen Stadt Ashdod anzusteuern. Die antiisraelischen Aktivisten weigerten sich jedoch, dieser Anordnung Folge zu leisten. Daraufhin enterten israelische Soldaten am Montagmorgen die Schiffe; auf fünf von ihnen leistete die Besatzung offenbar keinen Widerstand. Anders verhielt es sich auf dem größten Schiff, der Mavi Marmara: Dort wurden die Soldaten sofort massiv angegriffen, unter anderem mit Knüppeln, Metallrohren und Messern. Mehrere Videoaufnahmen [insbesondere 1] [2] [3] zeigen diese Attacken deutlich. Nach Angaben eines Armeesprechers setzten die israelischen Spezialkräfte zunächst nicht-tödliches Gerät ein, um das Schiff unter Kontrolle zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. Nachdem ihnen schließlich auch noch zwei Handfeuerwaffen entwendet worden seien, hätten sie mit scharfer Munition (zurück)geschossen. Denn die Besatzung habe vorgehabt, die Soldaten regelrecht zu lynchen.

„Friedliche Menschen“, wie Gysi die „Free Gaza“-Seefahrer genannt hat, verhalten sich zweifellos anders. Doch es war ohnehin schon lange vor dem heutigen Morgen klar, dass es sich bei den vermeintlichen Menschenrechtlern in Wirklichkeit um militante Israelhasser handelt, denen das Wohl und Wehe der Palästinenser gleichgültig ist, wenn sie es nicht für eine Kampagne gegen den jüdischen Staat instrumentalisieren können. Greta Berlin, eine der Organisatorinnen der „Solidaritätsflotte“, gab das vor einigen Tagen auch unumwunden zu: „Bei dieser Mission geht es nicht darum, humanitäre Güter zu liefern, es geht darum, Israels Blockade zu brechen“ – eine Blockade, die bekanntlich errichtet wurde, um neuerliche Waffenlieferungen an die Hamas zu unterbinden. Deshalb schlugen Berlin und ihre Mitstreiter in den vergangenen Tagen auch jedes Angebot der israelischen Regierung aus, die Schiffsladungen im Hafen von Ashdod löschen und sie – nach einer Kontrolle auf Waffen und anderes unzulässiges Gut – auf dem (üblichen) Landweg in den Gazastreifen bringen zu lassen.

Aber nicht nur dieser Vorschlag für eine einvernehmliche Lösung wurde von den „Friedensfreunden“ zurückgewiesen, sondern auch – und das macht den Antrieb dieser Freizeitkapitäne besonders deutlich – das Ansinnen der Familie des vor vier Jahren von der Hamas entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit: Die Shalits hatten angeboten, sich bei der israelischen Regierung dafür stark zu machen, dass der Schiffskonvoi im Hafen von Gaza anlegen kann – wenn sich die Mitglieder der Flotte im Gegenzug bei der Hamas dafür einsetzen, dass Gilad Shalit ein Paket mit Lebensmitteln und Briefen übergeben werden darf. Die „Free Gaza“-Aktivisten lehnten ab, was der Rechtsanwalt der Familie, Nick Kaufmann, mit deutlichen Worten kommentierte: „Ich dachte, diese Bewegung unterstütze die Menschenrechte“, sagte er; stattdessen gelte ihre Unterstützung „nur einer Terrorgruppe, die sich selbst überhaupt nicht für Menschenrechte interessiert“.

Zumindest nicht für Menschenrechte, die dem islamischen Verständnis davon zuwiderlaufen, wäre hinzuzufügen. Denn die unter türkischer Flagge fahrende Mavi Marmara – auf der die israelischen Spezialkräfte attackiert wurden – wurde maßgeblich von der radikalislamischen türkischen Organisation IHH organisiert und finanziert. Deren Vorsitzender Bülent Yildirim hielt vor wenigen Tagen in Istanbul bei der Einweihungszeremonie für das Schiff – an der auch zwei von Großbritannien aus operierende Topterroristen der Hamas, Mahmad Tzoalha und Sahar Albirawi, sowie Hamam Said, ein Führer der Muslimbruderschaft in Jordanien, teilnahmen – eine Rede, in der er unter anderem sagte: „Israel verhält sich, wie Hitler sich gegenüber den Juden verhalten hat. Hitler baute Konzentrationslager in Deutschland, und heute baut das zionistische Gebilde Konzentrationslager in Palästina.“

Ebenfalls bei der Feierstunde zugegen war Scheich Raed Salah, der Führer der „Abteilung Nord“ der Islamischen Bewegung in Israel. Salah verfügt nicht nur über gute direkte Kontakte zur Hamas, sondern hat in der Vergangenheit auch mehrfach antisemitische Hasspredigten gehalten. Darin führte er unter anderem aus, die Juden seien „Schlächter von schwangeren Frauen und Babys“, „Diebe“ und „die Bakterien aller Zeiten“; zudem bediente er alte Ritualmordlegenden: „Wir sind nicht diejenigen, die ein Mahl von Brot und Käse in Kinderblut essen.“ Der Sieg sei „mit den Muslimen, vom Nil bis an den Euphrat“. Salah war dann auch einer der Passagiere der Mavi Marmara – bei deren Auslaufen in Istanbul antisemitische Lieder gesungen wurden – und soll bei den heutigen Kämpfen verletzt worden sein.

Über die Vorzüge von unter türkischer Flagge fahrenden Schiffen wurde bereits vor einigen Tagen auf der Website des Palestine Chronicle ganz offen gesprochen respektive geschrieben: Die Türkei sei ein Nato-Mitglied; ein Angriff Israels auf die Mavi Marmara könne deshalb den Bündnisfall provozieren, in jedem Fall aber die Empörung der Weltöffentlichkeit steigern. Und tatsächlich treffen sich die Nato-Botschafter am Dienstag zur Beratung. Da mutet es fast schon ironisch an, dass sich auch drei Politiker der natokritischen Linkspartei an Bord der Mavi Marmara befanden, nämlich die beiden Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth sowie der frühere Parlamentarier Norman Paech. Weitere deutsche Teilnehmer an der „Solidaritätsflotte“ waren Matthias Jochheim von den Internationalen Ärzten zur Verhütung eines Atomkriegs (IPPNW) sowie je ein Vertreter von Pax Christi und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft.

Vor allem die Teilnahme der genannten Politiker am Unternehmen „Free Gaza“ wiegt schwer. Denn hier haben sich deutsche Parlamentarier de facto als Kombattanten der Hamas betätigt und an einem Angriff gegen Israel durch ein von Islamisten gesteuertes, bewaffnetes Schiff beteiligt. Sie haben es mindestens geduldet, dass Israelis bei dem Lynchversuch – und um einen solchen handelte es sich ganz offensichtlich – zu Schaden kommen. Und sie haben es mindestens geduldet, dass es bei diesem Angriff Tote gibt – denn die Angreifer können unmöglich erwartet haben, dass ihre massiven, teilweise durch Schusswaffen ausgeführten Attacken auf israelische Elitesoldaten, die von Hunderten Kollegen in Begleitschiffen unterstützt wurden, ohne Opfer in den eigenen Reihen vonstatten gehen werden (weshalb die Wahrscheinlichkeit, dass hier öffentlichkeitswirksam „Märtyrer“ produziert werden sollten, auch nicht eben gering ist). Auf die Stellungnahmen von Höger, Groth und Paech darf man deshalb besonders gespannt sein – werden sie am Ende womöglich öffentlich äußern, die Besatzung habe sich „selbst verteidigen“ müssen – in „Notwehr“, und zwar gegen Juden?

In israelischen Medien wird derweil intensiv darüber diskutiert, ob – und gegebenenfalls warum – der Einsatz der Streitkräfte aus dem Ruder gelaufen ist und inwieweit sich der Schaden hätte begrenzen lassen können; womöglich war die Spezialeinheit tatsächlich überrascht von der zu allem entschlossenen Gewalt der „Friedensaktivisten“ an Bord der Mavi Marmara. Ungeachtet dieser Debatte fällt es schwer, gegenüber den getöteten und verletzten Teilnehmern an der „Friedensflotte“ Empathie aufzubringen. Denn deren Motivation – die im weiteren Befeuern des antisemitischen (Propaganda-) Krieges gegen Israel mit allen Mitteln liegt und nicht in der Hilfsbereitschaft gegenüber vermeintlich oder tatsächlich notleidenden Palästinensern – ist allzu offensichtlich. Und genau das sollte im Mittelpunkt des Interesses und der Kritik stehen. Wer den Palästinensern wirklich helfen will, packelt nicht mit der im Gazastreifen herrschenden Judenmörderbande und provoziert keinen Militäreinsatz – sondern erweitert die Parole „Free Gaza“ um ein „from Hamas“.