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Spiegelbild der Gesellschaft: Es gilt das Recht des Stärkeren und Mächtigen Über die Morde an einer Frau und einem Obdachlosen

fbÄ #19 - Artikel #1 - - - november 2000

20_3Hohler konnten die Sprüche in den vielfältigen Erklärungen zu den Morden und den schweren Körperverletzungen an wehrlose Menschen in Freiberg nicht sein. Da war zunächst von Exzessen und Trinkgelagen im Albertpark die Rede, wobei sich die wenig erwünschten Herrschaften die Köpfe eingeschlagen haben sollen und das Wort von der großen Betroffenheit machte in Freiberg die Runde, das nun seine Unschuld - welche denn?- verloren habe. Bei aller verbaler Überreaktion blieben die weiterhelfenden Taten bis jetzt aus. Der Oberbürgermeister gab erst auf Vorhaltungen von der PDS zu Beginn der Ratssitzung, die einen Tag nach der Tat stattfand, eine Erklärung zu den Verbrechen von sich und ließ sich Tage damit Zeit, den Tatort aufzusuchen.

Einige Freiberger Spießer hatten Anzeigen gegen die Obdachlosen losgelassen, der Leiter des Obdachlosenheims, Gunter Fischer wollte die Bürgerpolizisten auf sie hetzen und jugendliche Banden hatten schon mit Steinen Jagd auf Obdachlose gemacht. Und hatte Freibergs einziger Lokalchefredakteur Uwe Kuhr nicht eine Woche vor der Mordtat eine gewichtige Kolumne verfasst, in der er die Trinkgelage an verschiedenen Stellen in der Stadt anprangerte. Dieselbe Presse feierte noch im Sommer das Freiberger Brauhaus wegen seines 150jährigen Bestehens und einiger Hundertmillionen versoffener Hektoliter. Was diese Herren allesamt auszeichnet ist die gediegene Doppelmoral des deutschen Kleinbürgers: oben hui und unten pfui, pflegte man früher zu sagen. Natürlich trinken diese Herren ihr Bier nicht im Albertpark oder vor dem Kiosk am Platz der Oktoberopfer, der an eine andere grausame Bluttat erinnern sollte und auf dem man inzwischen wieder der Gewalt des Blut- und Eisenkanzlers Otto von Bismarck huldigt.

19_1Und noch immer müssen die wohnungslosen Menschen in leerstehende Häuser, die es ja zur Genüge gibt, illegal Unterschlupf suchen. Nicht alle von ihnen haben die 5,- DM Übernachtungsgebühr für das Obdachlosenheim in der Beethovenstraße über, einige Obdachlose fühlen sich auch nicht in der Lage ihre 17,-DM Tagesgeld von Brand-Erbisdorf zu holen. Siegfried K., das Mordopfer, zum Beispiel war mit seinen 63 Jahren kaum noch in der Lage für diesen täglichen Gang. Christa M. kam deshalb öfters nach ihren Einkäufen beim Kaufland zum Pavillon in den Albertpark um ihm etwas abzugeben. Bei einem dieser „Besuche“ traf sie auf ihre späteren Mörder. Der 17jährige Sven P. und der ein Jahr ältere Mathias L. gehören beide zum Rand der Gesellschaft. Als Problemkinder haben sie in der KinderArche Mittelsachsen in Niederbobritzsch ein Zuhause gefunden. Ihre Aggressionen und Gewaltphantasien sind sie dabei nicht los geworden. Der Mord an Christa M., der im Augenblick kaum jemand gedenkt, erinnert an den Messermord an einer Lehrerin in Meißen. Keine Frage, die Gewalt gegen Frauen gehört immer noch zum bundesdeutschen Alltag. Solange wie in dieser Gesellschaft keine soziale Gleichheit herrscht und das Recht des Stärkeren Schwache zu Opfern macht wird das so bleiben. Die nächste Gewalttat kommt bestimmt!

Übrigens: die alarmierte Polizei ließ sich zuerst viel Zeit. Ein Beamter soll sogar seine Kaffeetasse mit auf den Weg genommen haben. Gemach Gemach mag man sich bei solchen Opfern gesagt haben. Eine sofortige Ringfahndung nach den Tätern fand nicht statt, so daß weitere Zeugen noch zwei Tage in Angst und Schrecken leben mußten. Im Stadtfernsehen schwadroniert die Polizei schon wieder vom sicheren Freiberg, wohl nicht weil der Polizeipräsident Pyka, selber einer Gewalttat gegen eine Frau bezichtigt, Freiberg verlässt.

Roland P. - Schläger im Amt ?

fbÄ #18 - Artikel #2 - - - juli 2000

Die Polizei dein Freund und Helfer. An so einem Werbeslogan haben der FreibÄrger und eine Frau aus Plauen berechtigte Zweifel. Am 9. September 1996 war die Frau vor dem Chemnitzer Polizeipräsidium mit Herrn Pyka verabredet, der dort den Führungsstab leitete. Beim Anblick seiner Geliebten soll der Polizeichef plötzlich durchgedreht sein und unvermittelt mit der Faust auf die überraschte Frau eingedroschen haben. Selbst als sein Opfer bereits am Boden lag ließ er in neudeutscher Skinheadmanier nicht von ihr ab. Laut ärztlichem Gutachten war der Oberkörper der Frau mit Prellungen übersät.

Ein erstes Ermittlungsverfahren gegen Freibergs Polizeichef wurde im November 1997 gegen Zahlung von zweitausend Mark Geldbuße eingestellt. Roland P. zahlte wie in der “Freien Presse” zu lesen war “um nicht ins Gerede zu kommen”. Ein indirektes Schuldeingeständnis? Richter Joachim Müller sah es als Geständnis und verurteilte Freibergs obersten Ordnungshüter zur Zahlung von 6000 Mark Schmerzensgeld. Der FreibÄrger fordert klar den unhaltbaren Zustand zu beenden, dass ein rechtskräftig verurteilter Schläger Chef der örtlichen Polizei ist.

FreibergerInnen, die sich von so einem Menschen nicht mehr beschützen lassen wollen sind aufgerufen ihr Missfallen zum Ausdruck zu bringen und an die Redaktion des FreibÄrger zu schreiben. Unter dem Motto: “Stoppt die Männergewalt gegen Frauen! Keine Staatskohle und keine Karriere für Polizeischläger!” wollen wir diesen Vorgang nicht zur Ruhe kommen lassen.

Deutsche Frauen, Deutscher Wein und Deutscher Käse

fbÄ #18 - Artikel #1 - - - juli 2000

Stiftungsfest bei der rechtradikalen Burschenschaft “Glückauf”

18_1Annähernd 90 Burschenschaftler vergnügten sich am 13.Mai im Freiberger Brauhaus. Im vollem Wichs wurde auf Deutschland Bier getrunken, die Säbel gehoben und am Ende noch das Deutschlandlied in seinen drei Strophen gegrölt. Herrlich! Eine wahrhaft deutsche Freude diesen deutschen Männern und Frauen, natürlich im Dirndl, zuzusehen. Das fanden auch zahlreiche Gäste des Brauhofes, die das bierernste Stiftungsfest der Burschenschaft als verspätete Karnevalseinlage mit lautstarkem Gelächter und Helau - Rufen quittierten.

Nachdem man sich zunächst im Biergarten bei Gerstensaft und deftigem Essen gestärkt hatte, wurde zum abschließenden Zeremoniell im Festsaal geschritten. Sechs wackere Deutschmännchen mußten stehend einigen Reden zuhören, während der Rest auf seinen Stühlen hockte. Zwischendurch wurde immer mal rituell der Humpen gehoben und nachgeschüttet. Das zehrte an den Kräften. Auch ein paar sehr alte Herren und einige Professoren der TU-Bergakademie Freiberg hielten sich tapfer aufrecht.

Der Wirt entschuldigte sich bei seinen Gästen im Biergarten und beteuerte, dass er gar nicht so genau wisse, was das sei “eine Burschenschaft”, aber immerhin würden die gut bezahlen. “Ich habe Angst”, meinte dagegen eine Angestellte und erzählte, dass die Herrschaften keinen Pfennig Saalmiete zu bezahlen hätten. Erstaunt waren einige BürgerInnen als sie den Herrn vom Tiefbauamt, Holger Reuter mit seiner Frau und den sonst so beflissen wissenschaftlich agierenden Professor Stoyan von der TU aus dem Saal kommen sahen.

Eindrücke von der Kerosinka, der Moskauer Uni

fbÄ #17 - Artikel #2 - - - mai 2000

Unsere Mitarbeiterin, Katy Unger, studiert ein Semester in Moskau. Hier ihre ersten Eindrücke vom Moskauer StudentInnenleben:
Die Universität hat nur einen Zugang. Das führt morgens, wenn (theoretisch) alle 3500 Studenten zum Unterricht erscheinen, und am Eingang ihren Studentenausweis vorzeigen müssen, zu einer Riesenschlange. Die deutschen Studenten erkennt man sofort daran, dass sie in Jeans und TShirt und mit Rucksack oder einer großen Umhängetasche die Uni betreten. Die russischen Studenten und die Ausländer, die schon länger hier leben und lernen, kommen in Anzug, Krawatte, Minirock, Bluse - kurz sie machen sich schick und haben eine Vorliebe für die Farben schwarz, weiß und grau. Frisch angekommene ausländische Frauen erkennt man außerdem an ihrem fehlenden Make-up.

In der Uni riecht es fast ständig nach Farbe und man braucht ziemlich lange, um sich in den langen Gängen des achtstöckigen Hauptgebäudes zu orientieren. Die Seminarräume sind bis auf die Holzbänke mit Klappsitzen und eine Tafel karg ausgestattet. Die blaue, grüne, graue oder braune Ölfarbe bröckelt auf das abgetretene Parkett. Im Keller befindet sich die Bibliothek. In Spitzenzeiten, zu Semesterbeginn, wartet man hier bis zu anderthalb Stunden in der Schlange, bis man seine Buchbestellung aufgeben kann und die Bücher von der Bibliothekarin ausgehändigt bekommt. Dafür kann man die Lehrbücher dann bis zum Ende des Semesters behalten, was einem weitere Besuche in der Bibliothek erspart.

Die höhere Bildung ist in Rußland grundsätzlich kostenpflichtig. Abhängig von der Universität und dem Fach müssen die Studenten bzw. ihre Eltern im Semester bis 900 US-$ zahlen. Die besten Studenten bekommen ein staatliches Stipendium, ihnen werden die Studiengebühren erlassen und monatlich etwa 250 Rubel (weniger als 20 DM) ausgezahlt. Ein großer Teil der Studenten studiert auf Grundlage eines dreiseitigen Abkommens zwischen dem Institut, einem Unternehmen und dem Studenten. Das Unternehmen übernimmt die Studiengebühren, wobei es von der Universität einen Rabatt eingeräumt bekommt und versorgt den Studenten nach Studienabschluss mit einer Arbeit. Zumindest theoretisch sollte es so sein. Praktisch sieht es oft so aus, dass der Vertrag zwar offiziell besteht, inoffiziell aber die Eltern der Studenten die geminderten Studiengebühren übernehmen. Häufig geht das Unternehmen auch bankrott und die Studenten müssen in der Diplomphase die Gebühren für alle absolvierten Studienjahre nachzahlen. Für alle, die weder einen Kontrakt bekommen noch bei den Aufnahmeprüfungen eine Punktzahl erreicht haben, die ein staatliches Stipendium in Aussicht stellt, bleibt nur die Möglichkeit, die hohen Gebühren aus eigener Tasche zu zahlen. Damit stellt das Studium eine große finanzielle Belastung dar, wenn man bedenkt, dass neben den Studiengebühren noch das Wohnheim, die Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr und letztendlich die Lebenskosten getragen werden müssen.

Das Durchschnittsgehalt eines Dozenten an der Uni beträgt 1800 Rubel (ca. 130 DM). Als Professor erhält man bis zu 2500 Rubel. Das ist verglichen mit der Durchschnittsrente von 400 Rubel natürlich viel, reicht aber trotzdem nicht, um große Sprünge zu wagen, um eine Familie zu ernähren oder gar mehrere Kinder zum Studium zu schicken. Deshalb arbeiten fast alle Dozenten neben der Uni noch in einem privaten Unternehmen und verbringen die Hälfte der Woche dort. Diese Bedingungen sind natürlich nicht ideal. Und so kommt es dazu, dass an der Universität zu einem großen Teil alte Dozenten lehren - d.h. 60 bis 70jährige. Dem entsprechen die Lehrmethoden. Vorlesungen sind wirklich Vorlesungen. Der Lehrstoff wird diktiert, Tafelbilder sind selten, Projektionen eine Rarität (auch wenn in einigen Räumen die technischen Voraussetzungen dafür gegeben sind). Und so entwickelt sich eine eigenartige Symbiose zwischen Dozent und Student. Der Lehrer teilt dem Studenten alles mit, was er zur Prüfung wissen muss und wie er es zur Prüfung hören will. Der Student schreibt alles möglichst wortwörtlich auf, um in der Prüfung unnötige Fragen zu vermeiden - und beide Seiten sind zufrieden.

Freiberger Neonazi sammelt Skinheads um sich IWG-Aufmarsch in Dresden

fbÄ #17 - Artikel #1 - - - mai 2000

Die „Interessengemeinschaft Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands e.V“ (IWG) führte am 25. März 2000 einen kleineren Aufmarsch in Dresden durch. Unter dem selben Motto wie ein Monat zuvor in Erfurt „Recht auf Heimat“ und der „Forderung auf Rückgabe der deutschen Ostgebiete“ marschierte ein ziemlich desorganisierter marodierender Haufen von zumeist militanten Nazi-Skins durch die sächsische Landeshauptstadt. Aus der Schar der kahlgschorenen und aggressiv pöbelnden Naziskins ragte der amtierende Vorsitzende der “Jungen Landsmannschaft Ostpreußen”, Alexander Kleber aus Freiberg, hervor. Kleber wird in Zukunft noch mehr auf die johlende Meute Naziskins zurückgreifen müssen. Seine Mutterorganisation, die “Landsmannschaft Ostpreußen” hat sich von ihrer Jugendorganisation getrennt. Gründe für diese Trennung lieferte auch Kleber mit seiner Bündnispolitik weit in das Lager der militanten Neo-Faschisten. Das brachte ihm zwar Lob in der NPD-Postille “Deutsche Stimme” (Märzausgabe), aber nun die Kündigung von der großen revanchistischen Landsmannschaft.

17_1Kamen in Erfurt noch 500 TeilnehmerInnen zusammen, so waren es in Dresden knapp 150. Der vom Vorsitzenden der IWG, Georg Paletta, einberufene Marsch ist Teil einer bundesweiten Demonstrationstournee, bei der monatlich eine Stadt auf dem Programm steht. Für den 29. April kündigte Paletta das nächste Spektakel an. Aufmarschort kann Jena oder wieder Dresden sein. Hinter der relativ unbedeutenden IWG verbirgt sich ein diffuses Bündnis revanchistischer, faschistoider Gruppen. Der Demonstrationsaufruf von Erfurt wurde von etlichen im rechten Spektrum einschlägig bekannten Personen unterzeichnet. Enge Beziehungen der IWG bestehen u.a. zu: „Deutsche Liga für Volk und Heimat“, „Sudetendeutsche Landsmannschaft“, „Deutsche Gildenschaft“, „Witiko- Bund“, „Bund für Gesamtdeutschland“, „Bündnis für Deutschland“, „Bund der Vertriebenen“, „Gesellschaft für freie Publizistik“ .Vorsitzender der IWG ist der Pleinfelder Georg Paletta, 1993 noch im Landesvorstand des revanchistischen „Bund für Gesamtdeutschland“ aktiv, zweiter Vorsitzender ist Klaus Peter Seifert, ein ehemaliges Mitglied der „Republikaner“. Paletta machte in Dresden einen ziemlich verwirrten Eindruck. Durch störende Zwischenrufe weniger aktiver AntifaschistInnen sichtlich aus dem Konzept gebracht schrie er sich in Ekstase und rief seinen Nazi- Glatzen, die bei jedem Antifa-Zwischenruf während der Abschlußkundgebung an der Kreuzkirche regelrecht ausflippten, immer wieder zu: “Jungs, ihr seid Spitze!”.

Nicht nur sein Auftritt, auch die großmäulige Ankündigung von Mega-Aktionen, haben die Öffentlichkeit an dem Verstand von Paletta zweifeln lassen. Am 3. Oktober 1997 wollte er mit 100.000 Gleichgesinnten durch das Brandenburger Tor ziehen. Veranschlagte Kosten: 3 Millionen DM. Aus dem Größenwahn wurde bekannterweise nichts. Die regelmäßig zu jedem Aufmarsch-Versuch neu aufgelegten DIN A5 Handzettel, auf denen “Deutsche Patrioten” und “Vertriebene” angesprochen werden, geben inhaltlich nicht viel her. Eine willkürlich zusammengestellte Liste von Völkerrechtsartikeln soll den großdeutschen Anspruch legitimieren. Eine Argumentationsweise, die Paletta vom revanchistischen Würzburger Professor Dieter Blumenwitz abgeschrieben haben dürfte.

Neo-Faschisten von der NPD machen auf deutschkommunistisch

fbÄ #16 - Artikel #3 - - - februar 2000

16_2Ende Oktober erhielten linke Organisationen Post von einer Gruppe, die sich “Unabhängige Kommunisten Deutschlands” (UKD) nennt. Mit der Kopfzeile “Deutsche Arbeiter Vereinigt Euch!” wirbt die UKD um Unterstützung für eine “Einheitsfront”. In der Selbstdarstellung heißt es weiter: “Die UKD sind eine Gemeinschaft neuen Typs, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die breiten Massen der deutschen Bevölkerung im revolutionären Kampf für ein neues Deutschland in einem neuen Europa zu vereinen.” Es soll gegen “Monopolkapitalimus,Imperialismus und Krieg. Für Meinungsfreiheit, Sozialismus und nationale Erneuerung” gehen. Angesprochen werden “alle Fraktionen, von DKP über KPD bis NPD (und die kleinen dazwischen)”. Sprache und Duktus der “Flugblattzeitungen” lassen darauf schliessen, dass der Chemnitzer Professor Nier an diesen Texten mit gestrickt hat.

Offensichtlich geht die NPD auf Distanz zu ihrer pseudo-sozialistischen Clique. Bei der Analyse der Landtagswahlen in Sachsen haben sich beim Parteittreffen am 2. Oktober in Prausitz die Kräfte duchgesetzt, die den ganzen “sozialistischen Krams” für die schlechten Ergebnisse, insbesondere in Sachsen, verantwortlich gemacht haben. Die “Sozialisten” wurden prompt vom Parteivorstand nicht mehr als Arbeitskreis bestätigt. Anstelle der “Sozialismusdebatte” rückt jetzt der Aufbau eines zentralen Ordnungsdienstes in den Vordergrund der Parteiaktivitäten. In Zukunft will man sich von den wenig aktiven und beitragssäumigen Mitgliedern trennen. Da der Beitragsfluß nur bei ungefähr 80% liegt, muß die sächsische NPD personell abspecken.

Für die Pseudo-Sozialisten um Michael Nier und Ursula Mann bedeutet das nichts anderes, als sich neue Wirkungskreise zu schaffen. Das dürfte mit dem Projekt “Unabhängige Kommunisten Deutschlands” jedoch nicht gelingen. In Zukunft ist eine stärkere Orientierung dieses Zirkels an den Phantasiespielen eines Horst Mahlers zu erwarten.

Metallica und Sinfonieorchester

fbÄ #16 - Artikel #2 - - - februar 2000

Was bewegt einen Musiker mit anderen Musikern der so ziemlich konträrsten Musikrichtung zusammen zu spielen? Der Traum etwas Neues zu schaffen, das Gegensätze vereint zu einem Ganzen – egal wie harmonisch oder disharmonisch das Ergebnis sein wird. Zwei Welten für ein paar Stunden zu einer zu vereinen, jeder spielt, was er kann: Riffs, Noten…
Vielleicht.
Oder ist es einfach nur, den “klassischen” Musikern, den Kritikern zu zeigen, daß mann ja auch “richtig” Musik machen kann. Ein neues Projekt zu machen, das ein positives Echo in der Öffentlichkeit erzeugt, tausende CD‘s, Videos, ein Image zu verkaufen, Geld zu machen.
Auf der Bühne zu stehen und das Gefühl zu genießen, daß 1000de Leute für einen klatschen, lachen, schreien.
Vielleicht.
Am 07.01.2000 war also das Konzert von Metallica und dem Sinfonieorchester in San Francisco auf Leinwand in der Alten Mensa zu sehen. Eine riesige Bühne ist Ort der Handlung: im hinteren Teil das Orchester, über ihm ein Bildschirm, der wechselnde Farbprojektionen zeigen wird, davor das Schlagzeug, davor die Gitarristen, der Basser.
Dirigent und Band werden stürmisch auf der Bühne begrüßt, schon jetzt ist klar, das ist nicht irgendeine Band, da vorne. Jeder im Saal weiß: das, was er für sein Geld bekommt, muß einfach toll sein. Denn Metallica ist kein Name – Metallica ist eine Marke.
Beeindruckende Technik auf der Bühne, jeder der Sinfonie–Musiker hat einen Kopfhörer, das erspart Rückkopplungen, für die Gitarren benutzt man Sender, das spart Kabel und gibt ihnen die Möglichkeit, sich frei auf der Bühne zu bewegen. Nichts unkontrolliert, nichts zufällig, denn hier bleibt nichts der Spontaneität der Musiker überlassen.
Was auf der Leinwand nicht zur Geltung kommen kann, ist die große Lichtshow und das Publikum hat Sitzplätze. Ein weiterer Schritt in Richtung klassischer Musik?
Wenn, dann ist dieser Schritt eher ein äußerlicher.
Auffällig, jedes Lied beginnt mit einem Picking von Seiten der Melodiegitarre und wird später durch Riffs von Seiten der Rhythmusgitarre ersetzt. Die Gitarren erhalten mehr als einmal die Gelegenheit, diesen Gegensatz auf wiederholte Art herauszuarbeiten.
Nur die Stimme des Sängers bleibt einzigartig, vereint Gegensätze, hat keine Effekte nötig. Der Rest bleibt im Hintergrund, obwohl auch er mit erstklassigen Musikern besetzt ist.
Spätestens nach den ersten 3 Liedern wird man das Gefühl nicht los, eigentlich schon alle Lieder zu kennen. Es wird nichts wirklich Neues geschaffen, sondern nur neue Hintergrundgeräusche hinter alte Lieder (The Memory Remains, Nothing Else Matters) gelegt.
Trotz oder gerade deswegen ist die Mehrheit des Publikums nicht enttäuscht. Es ist schließlich nicht Sache der Fans, Kritik zu üben, Fans konsumieren eigentlich nur. Das nimmt einer ziemlich guten Band die Möglichkeit, sich durch Kritik zu verbessern.
Trotz allem Erfolg scheint es noch Gemeinsamkeiten zwischen bekannten und unbekannten Bands zu geben: die Leute, die in der ersten Reihe herumstehen, interessieren sich überhaupt nicht für die Musik, das, was da herüberkommen sollte.
Für unbekannte Bands sind das lästige Ignoranten, für bekannte: Fans.

Die Mörder von Patrick gefasst!

fbÄ #16 - Artikel #1 - - - februar 2000

16_1Der Mord an dem 17-jährigen Punk Patrick (siehe FreibÄrger Dezember 1999) scheint nach Angaben der Staatsanwalt aus Chemnitz aufgeklärt zu sein. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde am 17.12. vom Chemnitzer Amtsgericht gegen drei Beschuldigte Haftbefehl erlassen. Nach bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Soko Rex beim Landeskriminalamt gehören die drei Beschuldigten im Alter zwischen 20 und 23 Jahren der Hooliganszene an und arbeiten regelmäßig als “Security” in Diskotheken. Die Verhafteten aus Chemnitz und Glauchau sind teilweise geständig.

Einer von ihnen verübt seinen Dienst als Zeitsoldat bei den Schneeberger Gebirgsjägern. Die Einheit wurde bundesweit bekannt, als dort Soldaten Videofilmsequenzen mit rassistischem und faschistoidem Inhalt produzierten und verbreiteten. Das Bundesverteidigungsministerium legte besonderen Wert darauf, dass der Bundeswehr zur Einberufung der Tatverdacht noch nicht bekannt gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft sieht es offensichtlich als erwiesen an, dass die drei Männer zu jener „Verstärkung“ gehörten, die in besagter Nacht am 2. Oktober von den Türstehern der Hohenstein-Ernstthaler Discothek „La belle“ gerufen wurde. Sie sollen noch in der Nacht „gezielt nach Punkern gesucht haben, um ihnen einen Denkzettel zu verpassen“, so das LKA. Mit Billardstock, Hammer und Axtstiel bewaffnet, griffen die Männer an. Patrick hatte keine Chance und verstarb an den Folgen der Kopfverletzungen.