Ausgaben » Ausgabe #71

Die unendliche Geschichte

Die geplante Ortsumgehung spaltet nicht nur den Hospitalwald, sondern auch die FreibÜrger_innen

Es gibt wohl kaum eine Umgehungsstraße in Deutschland die seit mehr als sieben Jahrzehnten immer mal wieder geplant wird. In Freiberg ist das bekanntlich anders, allerdings scheint auch hier ein Ende in Sicht. Weiterhin nicht beendet sind allerdings die leidenschaftlich geführten Diskussionen über das Für und Wider der Umgehungsstraße. Betrachtet man den Streit oberflächlich, so gewinnt man leicht den Eindruck hier stehen sich Menschenfreunde und Naturschützer unversöhnlich gegenüber. Ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht, auch wenn die Diskussion mitunter sehr leidenschaftlich oder gar unsachlich wird. So hieß es in Leserbriefen an die Freie Presse, die Gegner der Ortsumgehung seien schon “aus Prinzip” dagegen und Naturschutz wird gegen den Schutz des Menschen ausgespielt. Der Knackpunkt der ganzen Debatte liegt wohl eher bei der Tatsache, dass die derzeit geplante Trasse weder die Interessen der Naturschützer noch das Anliegen Freiberger Bürger, Lärmbelästigung und Luftverschmutzung im Stadtgebiet zu verringern, in Einklang bringen kann. Die Verlagerung des Verkehrs in den Hospitalwald nimmt den Einwohnern der Bergstadt ein wertvolles Erholungsgebiet und vielen gefährdeten und seltenen Tierarten ein weiteres Stück Lebensraum. Hinzu kommt, dass die geplante Trasse auch auf die Flora-Flauna-Habitate (sog. FFH-Gebiete) der Bergbauteiche und im Muldental negativ beeinträchtigen wird. Auch ist fraglich, ob sich die Wohnqualität in einigen stadtrandnahen Wohngebieten wie Neu-Friedeburg oder Wasserberg durch die Umgehungsstraße verbessern wird.

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“Sie behandeln uns wie Tiere”

Alexander¹ (21) kommt aus Russland und engagierte sich in einer oppositionellen, politischen Organisation in Puschkino (in der Nähe von Moskau). Bald bekam er Probleme mit den russischen Behörden und musste nach Deutschland flüchten. Dass in Russland noch immer die Grundrechte von Menschen nicht geachtet werden, ist der Grund, weshalb Alexander nun seit drei Monaten im Asylsuchendenheim Freiberg auf die Entscheidung über seinen Asylantrag wartet.

Was waren die Ziele eurer Organisation in Russland und wie habt ihr versucht sie umzusetzen?

A: Wir haben gegen die Korruption gekämpft, da fast alle Behörden in Russland Steuergelder veruntreuen, aber die Öffentlichkeit ist müde und uninteressiert geworden, sich mit alltäglichen Problemen auseinander zu setzen. Regelmäßig hielten wir Kundgebungen ab, was aber schwierig war, da die Polizei diese immer versuchte zu verhindern. Wenn wir zum Beispiel bei einer Kundgebung mit 200 Teilnehmern rechneten, kamen nur 40, da die Polizei die Straße gesperrt und andere Teilnehmer, die sie von Fotos kannte, nicht zu uns gelassen hat. Die Kontrolle der Personalien, willkürliche Platzverweise oder Verhöre sind bei solchen Kundgebungen die Regel.

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Vielfalt und Toleranz?

Ein kritischer Bericht über das Freiberger Fest der Kulturen

Zum siebten Mal hatten am 28. November verschiedene Freiberger Vereine und Arbeitskreise zum “Fest der Kulturen” in die alte Mensa geladen. Ziel des “multikulturellen Höhepunkts” sollte die “bessere Integration von ausländischen Mitmenschen ” sowie die Zurschaustellung Freibergs als “weltoffene” und “tolerante” Stadt sein. Dass diese ganze Inszenierung keine Notiz von der Wirklichkeit nahm, wie sie sich in Form von institutioneller Diskriminierung in Gesetzen und Arbeitsmarktstrukturen oder alltäglichem Fremdenhass ausdrückt, lag wahrscheinlich in der Sache selbst.

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Opfermarathon am Volkstrauertag

Vertreter_innen der Stadt gedenken gemeinsam mit Neonazis

Holger Reuter gedenkt den vermeintlichen Opfern der Bombardierung Freibergs

Stadtdezernent Holger Reuter bei der Kranzniederlegung

Am 15. November riefen die Stadt Freiberg und lokale Initiativen wie jedes Jahr dazu auf, am sog. Volkstrauertag den Opfern von Krieg, Gewaltherrschaft und Vertreibung zu gedenken. Es wurden Kränze an der Gedenktafel für die Zwangsarbeiterinnen des KZ-Außenlagers in Freiberg am Landratsamt, am Gedenkstein für die bei der Bombardierung am 07. Oktober 1944 getöteten Freiberger auf dem Donatsfriedhof, sowie bei den Denkmälern für die Opfer des Stalinismus und der sog. Heimatvertriebenen abgelegt. Während um die Vertriebenen und Bombentoten eine Gruppe von 20-30 Personen trauerte, fand sich lediglich eine Handvoll Menschen von VVN und Linkspartei am Mahnmal für die Verfolgten des Naziregimes ein. Die anderen fehlten.

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