Ausgaben » Ausgabe #68

Stereotype und die Wühlmaus

Nicht gerade reflektiert: Die Aprilausgabe der Wühlmaus

Nicht gerade reflektiert: Die Aprilausgabe der Wühlmaus

Geschlechterstereotypen werden im Alltag der meisten Menschen permanent reproduziert. Oft sind es unbewusste Anspielungen und Zuschreibungen, die die Betreffenden als völlig normal wahrnehmen, wenn etwa nur die Männer den Frauen Türen offen halten oder ihnen beim Anziehen ihrer Jacken helfen. In der Aprilausgabe der Freiberger Student_innenzeitung Wühlmaus bedienten sich die Autor_innen ähnlicher Stereotype um Menschen für die Redaktionsarbeit zu begeistern. Im Text “Frauenquote 80% - das gibt es nur bei uns” wurde die Arbeit der Wühlmaus vorgestellt, deren Redaktion zu mehr als 80% weiblich besetzt ist. Daher sei es auch verständlich, dass Themen wie Autos, Computer und Fußball etwas zu kurz kommen.

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Neuer Verein am Roten Weg 43 in Freiberg

Das Klima ist rau, soziale Ungerechtigkeiten, sich in der Gesellschaft manifestierender Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz sowie eine stetig zunehmende Zahl brutaler Übergriffe durch rechte Strukturen sollten die “Mitte der Gesellschaft” eigentlich darauf aufmerksam machen, dass diese bzw. deren “freiheitlich-demokratische Grundordnung” in Gefahr ist, aus den Fugen gerät. Doch bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass die Gefahr nicht nur genau dort angekommen ist und sondern von dort Verbreitung findet: in und aus der gesellschaftlichen Mitte.

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Steve Weisbach ist neuer NPD Kreisrat

Für den im Alter von 66 Jahren verstorbenen Walter Gründig aus Hohenfichte wird der 27jährige Steve Weisbach aus Lichtenberg für die NPD in den Kreistag nachrücken. Weisbach ist stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten, dem Jugendverband der NPD.

Weisbach war bereits in der Kameradschaft Norkus aktiv und hat gute Kontakte zu den Freien Kräften um Maik Müller. Gemeinsam störten sie Veranstaltungen des politischen Gegners, so z.B. eine Mahnwache für altersgerechtes Wohnen in Friedeburg am 06.03.2007. Steve Weisbach besitzt außerdem einen Schlüssel für Günther Deckerts Haus in Gränitz.

Subventionswahnsinn

mittlerweile abgerissen: komplett sanierter Block auf der Kurt-Handwerk-Straße

mittlerweile abgerissen: komplett sanierter Block auf der Kurt-Handwerk-Straße


Die letzten Mieter_innen sind ausgezogen, Mülltonnen wurden bereits entfernt und in der ersten Etage werden die Fensterscheiben ganztägig durch Rollladen geschützt. Der Block an der Kurt-Handwerk-Straße wurde vor einigen Jahren saniert. Moderne Wärmedämmung wurde angebracht und das Dach erneuert. Aber bald soll der Block verschwinden. Die EU zahlt Subventionen für den sogenannten Stadtumbau Ost, pro Quadratmeter immerhin 50 Euro. Leerstand kann so kostengünstig abgerissen werden. Beim Block auf der Kurt-Handwerk Straße wurde dieser Leerstand jedoch erst künstlich geschaffen, indem den Mieter_innen gekündigt wurde. Das Subventionsgeld kann die SWG dann wiederum benutzen, um andere Objekte zu sanieren. Die durch den Abriss frei gewordenen Flächen sollen ebenfalls verkauft werden, um die Schulden der SWG, die beim sogenannten “Darmstadtdeal” entstanden sind, zu decken. Der Abriss wird im Juli beginnen.

An der Ziegelgasse wurde im Mai bereits denkmalgeschütztes SWG-Eigentum abgerissen, obwohl die Häuser sanierungsfähig gewesen waren. In einer Vorlage der Stadtentwicklung vom Juli 2005 heißt es, dass ein Verkauf und eine damit verbundene Sanierung den betriebswirtschaftlichen Zielstellungen der SWG widerspreche, da dadurch Konkurrenz für Mietwohnungen entstehen würde. Der Verkauf der frei gewordenen Grundstücke bringt der SWG hingegen Geld. Die in den 1920er Jahren errichteten Häuser mit Fachwerk-Elementen konnten abgerissen werden, weil die Bearbeitungsfrist des Abrissantrages abgelaufen war und dieser weder positiv noch negativ beschieden worden ist.

Über das Freiheitsverständnis der Mittelsächsischen Linksworte

“aktuelles von der freiheitsinsel kuba” ist der Titel einer Serie in den aktuellen Linksworten. Allein die Bezeichnung “freiheitsinsel” für einen der letzten “real existierenden” sozialistischen Staaten zeigt, wessen Geistes Kind der Autor zu sein scheint. Ein Staat, in dem Oppositionelle eingesperrt werden und die kommunistische Partei seit über 40 Jahren uneingeschränkt als Staatspartei operiert, wird gegen jegliche emanzipatorische Kritik verteidigt.

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Frischer Wind aus Freiberg?

Das Parteiprogramm der DPWV

Neben den Wahlplakaten der bekannten Parteien sind seit einigen Wochen ebenfalls Plakate der jungen DPWV zu finden. Die Deutsche Partei zum Wohle des Volkes, kurz DPWV, und ihr Kandidat Erik Schlegel wollen vor allem junge Menschen und “frischen Wind” in den Stadtrat bringen. Auffällig ist der Name der Partei; die Selbstbezeichnung als “deutsche Partei”, aber auch das schwammige “Wohle des Volkes” lösen bei mir negative Assoziationen aus. Was genau die Partei “zum Wohle des Volkes” genau erreichen möchte bleibt unkonkret. Viele Forderungen sind schwammige Floskeln, die zwar gut klingen, aber auch nur das. So soll innerhalb des Stadtrats zum Wohle Freibergs agiert werden, statt klein kariert Parteiinteressen wahrzunehmen. Mehr Beteiligung der Freiberger durch direkte Demokratie, sowie eine transparentere Arbeitsweise des Stadtrates sind ebenfalls Forderungen der DPWV.

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“Naziterror stoppen - alternative Freiräume schaffen”

Aus einem Redebeitrag der Demonstration am 12.05.2007 in Mittweida

Der Kampf gegen Extremismus dient der Imagepflege und hat keinen Nutzen im Kampf gegen Nazis!

Am 21. Januar 2004 wurde in Freiberg der Verein “Initiative gegen Extremismus” gegründet. Den Vereinsvorsitz übernahm Landrat Volker Uhlig (damals AUW, heute CDU), seine erste Stellvertreterin wurde die [damalige] Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Freiberg Uta Rensch (SPD). Auch sonst liest sich die Mitgliederliste wie das “who is who” der Bergstadt, vertreten sind der [damalige] Rektor der TU Bergakademie Prof. Georg Unland, der Superintendent des Kirchenbezirks Freiberg, die CDU-Bundes - und Landtagsabgeordneten Veronika Bellmann und Gottfried Teubner, Volker Zweig (Ex-Oberbürgermeister der Stadt Brand-Erbisdorf) oder auch Wolfgang Hansult von der Kreissparkasse Freiberg.

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Wie stehen wir denn jetzt da..?

Ein Kommentar

Der Naziaufmarsch am 1. Mai war eine Schande für Freiberg, darin sind sich die Bürger_innen einig. “Die Bilder, die seit dem 1. Mai von Freiberg um die Welt gehen, sind in einer wirtschaftlich so schwierigen Zeit geradezu verheerend, für ausländische Investoren abschreckend und auch für den Hochschulstandort wenig hilfreich.”, steht in einem Leserbrief an die Freie Presse. Freiberg dürfe nie wieder ein solches Bild nach außen vermitteln, forderten Politiker_innen, Gewerkschafter_innen und Studentenwerksvertretende in einem offenen Brief. Das weltoffene Freiberg – an den Pranger gestellt durch den “braunen Bodensatz der Gesellschaft”. “Dabei wird nicht nur in Kauf genommen, dass Freibergs Ruf ruiniert wird, sondern auch mögliche Randale materielle Schäden anrichten.” Dass es den Nazis (und nicht nur ihnen) um menschenverachtende Ideologien geht, darauf weißt kaum eine_r hin. Man stört sich nicht an den Rufen nach Volksgemeinschaft, oder der Hetze gegen Menschen, sondern an materiellen und ideellen Schäden an der Stadt.

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Die dümmsten Reaktionen auf den 1. Mai

Überflüssige Reaktionen auf den Naziaufmarsch am 1. Mai in Freiberg gab es viele. Manche trauten sich nicht, das Wort Nazis in den Mund zu nehmen und subsumierten sie unter dem Konstrukt „Extremisten“, andere jammerten über den Imageschaden der Stadt. Und alle wussten, was in Zukunft zu tun sein wird. Nur die eigene Verantwortung, die hinterfragte keine_r. FreibÄrger präsentiert die dümmsten Reaktionen auf den 1. Mai.

“Der braune Sumpf hat in Freiberg keine Chance.”
Bernd-Erwin Schramm

“Freiberg sei eine Universitätsstadt mit Studenten und Wissenschaftlern aus aller Welt, heißt es darin. Die Stadt sei aufstrebender Wirtschaftsstandort mit internationalen Unternehmen. Weltoffenheit und Toleranz prägten das Zusammenleben der Freiberger.”
Freie Presse vom 05. Mai über einen offenen Brief an den Landrat

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