03. Februar 2011
Der folgende Text der Antifaschistischen Hochschulgruppe Dresden soll zur Begriffsbestimmung beitragen und beleuchten, weshalb es sich lohnen kann, am Begriffdes Kommunismus festzuhalten. Er kann auch als Reaktion aufdie Debatten um und in Abgrenzung an die Äußerungen Gesine Lötzschs betrachtet werden, die unter Kommunismus” etwas ganz anderes versteht. Gerade in der politischen Diskussion wird viel zu selten nach den Inhalten des Begriffes gefragt und er stattdessen als Totschlagargument gebraucht, um politische Gegner zu diskreditieren. Dass sich dahinter statt Sachkenntnis bloßes Ressentiment verbirgt, welches den Kommunismus unabhängig seiner Inhalte tabuisiert, zeigt die Art undWeise, mit der diese Debatte geführt wird.
Vom Traum, der zum Versprechen wurde…
Der Materialismus, der den „quälbaren Leib“ als Ausgangspunkt nahm für eine Analyse der Gesellschaft und deren Geschichte, vielmehr aber noch deren Kritik, ließ eine Idee erwachsen, zu der in diesem Beitrag einige Worte verloren werden sollen. Es war die jenige, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“, um die etwas schal gewordenen Worte von Karl Marx zu verwenden - die Befreiung vom gesellschaftlich verursachten Leid, die zum Versprechen wurde durch jene, die diese Befreiung am stärksten herbeisehnten. Den vollständigen Artikel lesen »
Autor: Antifaschistische Hochschulgruppe Dresden
Erschienen in Ausgabe #75, Theorie
Stichwörter: Kommunismus, Stalinismus
22. Juli 2010
1. Die Rackets der Vernichtung: Zur Logik des Suicide Bombing
Den Selbstmord-Attentaten der Djihadist_innen, wie der Autor Gerhard Scheit sie analysiert hat, liegt »ein bestimmtes Verhältnis von Täter, Mittel und Opfer« zugrunde, eine Logik, »der nicht gerecht wird, wer bloß von Attentaten oder gar Terrorismus spricht.« Die Logik, durch den eigenen Tod möglichst viele Menschen zu vernichten, kann auch »als Privatisierung staatlicher Vernichtungsaktionen betrachtet werden; die Intention wird ohne direkte Verfügung über das Gewaltmonopol des Staates verfolgt – so hat die Aktion selbst den Anschein von Ohnmacht und bietet sich der Deutung als „Verzweiflungstat“ an.« (Scheit: Suicide Attack, S. 427, im Folgenden SA abgekürzt) Doch sie allein darauf zu reduzieren, ignoriert die Ideologie, die hinter ihr steht.
Dabei spielt der durch die Kritische Theorie geprägte Begriff des Rackets eine wichtige Rolle. Er bezeichnet die von Carl Schmitt affirmierte, „nicht abgeleitete“ Macht, die ein „außerrechtliches“ Leben führe – auch inmitten des Rechtsstaats – als »Fortexistenz oder Rekonstruktion persönlicher Abhängigkeit unter den Bedingungen von Rechts- und Kapitalverhältnis« (SA 343). Als beste Beispiele für solche „autoritäre Körperschaften“, wie Franz Neumann sie bezeichnete, fungieren etwa das frühere Baath-Regime unter Saddam Hussein im Irak, aber auch Al-Qaida.
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Autor: Antifaschistische Gruppe Freiberg
Erschienen in Ausgabe #74, Theorie
Stichwörter: Antisemitismus, Islamismus, Israel, Selbstmordattentat, Völkerrecht
19. Mai 2010
Ich hatte der Redaktion des FreibÄrger eigentlich versprochen pünktlich zum Redaktionsschluss den letzten Teil dieser Reihe abzuliefern, allerdings haben mich andere Dinge leider davon abgehalten. Nichtsdestotrotz möchte ich in einer Zusammenfassung meiner Interpretation des Phänomens erörtern, was der Faschismus sein könnte, bevor dann in der nächsten Ausgabe eine Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen, politischen und lebensweltlichen Deutungsversuchen erfolgen wird. Bis dato wünsche ich viel Spaß beim Lesen.
Der Faschismus entspringt zunächst einmal immer der ganz normalen Logik bürgerlicher Vergesellschaftung. Damit sind sowohl die kapitalistische Durchdringung aller gesellschaftlich relevanten Bereiche als auch verordnete Formen der abstrakten Herrschaft, etwa der des Staates oder seiner Rechtsförmigkeit gemeint. Der Faschismus ist dabei zunächst einmal als ein regressives und irrationales Reaktionsmuster auf einen historischen Modernisierungsprozess zu verstehen, also als Reaktion auf die nachhaltigen Veränderung der Gesellschaft. Er sollte jedoch immer nur als eine mögliche Konsequenz, wie Gesellschaften oder gesellschaftliche Akteure auf einen solchen gesellschaftlichen Transformationsprozess reagieren, verstanden werden. Ein der Verwertungslogik innewohnender Konkurrenzdruck und die abstrakt-funktionale apersonale Herrschaft zerstören die von den einzelnen Individuen angenommene gesellschaftliche Harmonie. Hier tritt nun der Faschismus ganz offen zutage: Er versucht einerseits den ökonomischen und sozialen Abstand zu fortschrittlicheren Nationen aufzuholen und andererseits ein angenommenes Auseinanderdriften des eigenen Gesellschaftskollektivs zu verhindern, indem er sich als eine Art integrative Heilslehre geriert, welche die bestehenden Disparitäten beseitigen möchte. Dies soll durch eine Synthesis sämtlicher gesellschaftlicher Akteure eines nationalstaatlichen Territoriums geschehen.
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Autor: Alfred J. Quack
Erschienen in Ausgabe #73, Theorie
Stichwörter: Faschismustheorie
15. Dezember 2009
“Wer schaut hinab von diesem hohen Raum
Ins weite Reich, Ihm scheint’s ein schwerer Traum
Wo Mißgestalt in Mißgestalten schaltet,
Das Ungesetz gesetzlich überwaltet,
Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet.”1
Der einleitende Vers stammt aus der Feder von Karl Kraus. Es handelt sich um einen Textbaustein aus dessen umfangreichem Versuch, den Nationalsozialismus essayistisch zu bestimmen. Der Autor verfasste sein Werk bereits zwischen Mai und September 1933 und wollte es ursprünglich in “Die Fackel”2 veröffentlichen. Dazu kam es allerdings nicht mehr. Was macht diesen relativ unbekannten Text eigentlich so interessant? Die Antwort ist recht einfach. Erstaunlicherweise geht der Verfasser bereits auf vieles ein, was Adorno und Horkheimer elf Jahre später in ihrer “Dialektik der Aufklärung” entfalten werden. Doch damit noch nicht genug: Allein dieser einzige Vers enthält meines Erachtens bereits die Antizipation des Kerngedankens eines der wichtigsten Werke der Kritischen Theorie, das zudem wie kein anderes den nationalsozialistischen Staat in Struktur und Funktion beschreibt. Die Rede ist von Franz Neumanns “Behemoth”3.
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Autor: Alfred J. Quack
Erschienen in Ausgabe #71, Theorie
Stichwörter: Geschichte des Faschismus, Teil VI
24. Oktober 2009
Dieser Teil ist die unmittelbare Fortsetzung der letzten Ausgabe.
“Die Ablehnung der modernen Welt war maskiert als Zurückweisung der kapitalistischen Lebensart, aber sie fußte hauptsächlich auf der Verwerfung des Geistes von 1789.”1
Neben sämtlichen faschistischen Bewegungen, die ich im Rahmen dieser Reihe behandle, existierten noch weitere. Einige rissen im Verbund mit rechten und konservativen Parteien die politische Macht in ihren jeweiligen Ländern an sich. Einige etablierten sich als Satellitenregime von Nazideutschland. Wieder andere fristeten ein Dasein am Rande der Bedeutungs- losigkeit, so etwa die British Union of Fascists unter Führung von Oswald Mosley. Dennoch verhinderte auch die oft zitierte Befreiung vom Faschismus nicht, dass sich bestehende Bewegungen und Parteien reorganisieren, sowie zahlreiche neue formieren konnten und dass diese sich auch heute an klassisch faschistischen Ideologemen orientieren. Auf diese einzelnen nationalen Faschismen möchte ich nicht weiter eingehen. Wer sich dafür interessiert, kann der unten abgedruckten Literaturliste einige Anregungen entnehmen.
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Autor: Alfred J. Quack
Erschienen in Ausgabe #70, Theorie
Stichwörter: Geschichte des Faschismus, Teil Vb
23. Oktober 2009
Nach einer kurzen Auszeit soll diese Artikelreihe fortgesetzt werden. Neben einigen Ausführungen zur Ideologiegeschichte von Faschismus und Nationalsozialismus, sowie meinen eigenen Thesen zu Ursprung und Funktion faschistischer Ideologie, wurden bislang der italienische und spanische Faschismus behandelt. Diesmal möchte ich mich gleich mehreren faschistischen Bewegungen zuwenden, namentlich denen in Österreich, Ungarn und Rumänien. Wegen dieser Informationsfülle wird die historische Darstellung zwar etwas knapper als sonst ausfallen, die Theorie soll aber auch diesmal nicht zu kurz kommen: Ich möchte sowohl im heutigen, als auch in den beiden nachfolgenden Aufsätzen der brennenden Frage nachgehen, ob der Faschismus eigentlich immer noch eine reale Gefahr darstellt und ob diese Begrifflichkeit überhaupt für aktuelle Debatten um ultranationalistische Bewegungen, rechtsradikale Parteien oder autoritäre Regimes taugt. Heute und beim nächsten Mal wird deshalb insbesondere der autoritative Etatismus betrachtet werden, der im Angesicht der gegenwärtigen globalen Krise des Kapitalismus unsere unbedingte Aufmerksamkeit verdienen soll.
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Autor: Alfred J. Quack
Erschienen in Ausgabe #69, Theorie
Stichwörter: Geschichte des Faschismus, Teil Va
21. August 2009
Ich werde versuchen, einige grundlegende Elemente des antisemitischen Weltbildes darzulegen. Eine Beschäftigung mit diesem Thema ist kein voluntaristischer Akt, es ist kein Thema unter anderen, mit dem man sich eben auch mal so auseinandersetzen muss. Es ist nicht einfach ein Thema, das man pflichtschuldig auf dem Buko abhandeln und danach ad acta legen kann. Es ist mehr als nur ein weiterer Widerspruch im linken Kanon. Genau deshalb gibt es auch Gründe für die Vehemenz der Auseinandersetzung in den letzten Jahren. Die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus und die ideologietheoretisch fundierte Kritik desselben markieren die zentralen Topoi, an denen eine progressive Position ihre Geltung zu erweisen hat. Die Verkennung der Zentralität der Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus zieht sich durch die linke Geschichte. So ist es keineswegs als allgemein akzeptiert vorauszusetzen, was Max Horkheimer schon vor einigen Jahrzehnten in einem Brief an Harold Laski formuliert hat: “So wahr es ist, dass man den Antisemitismus nur aus unserer Gesellschaft heraus verstehen kann, so wahr scheint es mir zu werden, dass heute die Gesellschaft selbst nur durch den Antisemitismus richtig verstanden werden kann.”
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Autor: Sebastian Voigt
Erschienen in Ausgabe #68, Theorie
Stichwörter: Antisemitismus, Kritik, Vortrag
27. Juni 2009
In der letzten Ausgabe wurden als thematischer Schwerpunkt die relativistischen Tendenzen im geschichtspolitischen Diskurs der Berliner Republik behandelt. Vielleicht wäre es diesbezüglich auch einmal interessant gewesen über den Tellerrand deutscher Befindlichkeiten zu schauen und sich mit der Geschichtsaufarbeitung des spanischen Königreiches zu beschäftigen. Der Übergang vom semifaschistischen Regime Francisco Franco Bahamondes, hin zu einer freiheitlichen Demokratie, vollzog sich dort nämlich nahezu fließend. Erst in den letzten Jahren mehrten sich kritische Stimmen und mittlerweile gibt es - sogar staatlicherseits initiiert - zahlreiche Versuche die eigene unrühmliche Vergangenheit mal mehr, mal weniger kritisch aufzuarbeiten. Diesmal soll also der Franquismus behandelt werden. Bezüglich meiner vergleichenden Faschismusanalyse geht es mir dabei vorrangig um einen Blick auf die Besonderheiten dieser Diktatur, sowie um die politischen Kräfte hinter dem einzigen faschistischen Regime, das noch nach dem Zweiten Weltkrieg, bis ins Jahr 1977 hinein fortexistieren konnte.
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Autor: Alfred J. Quack
Erschienen in Ausgabe #67, Theorie
Stichwörter: Geschichte des Faschismus, Teil 4
26. Juni 2009
“Der Weg des Faschismus ist der Weg des Maschinellen, Toten, Erstarrten, Hoffnungslosen. Der Weg des Lebendigen ist grundsätzlich anders, schwieriger, gefährlicher, ehrlicher und hoffnungsvoll.”1
Zwei Sachen Vorweg: Ich möchte mich zuerst bei der Redaktion und der teuren Leserschaft entschuldigen, denn dieser Text ist schon wieder länger geworden als geplant. Auch werde ich künftig nicht mehr lauthals verkünden mich beim nächsten Mal kürzer zu fassen. Außerdem findet erfreulicherweise eine Auseinandersetzung bezüglich einer Relevanz des Faschismusbegriffs mittlerweile auch in andereren linken Medien statt2, was zeigt wie richtig und wichtig diese für eine antifaschistische Theorie und die daraus resultierende Praxis ist.
Beim letzten Mal hatte ich mich mit jenen Theoretikern beschäftigt, die nach meiner Auffassung wichtige Geburtshelfer für die faschistische Ideologie waren. Außerdem ist die Entstehungsgeschichte der frühen faschistischen Bewegung Italiens etwas näher beleuchtet worden. Bevor ich diesmal etwas zur Machtergreifung und zum Ausbau der politischen Macht im faschistischen Staat schreibe, soll zunächst der Frage nachgegangen werden, wie es denn überhaupt zu einem Rechtsruck innerhalb der syndikalistischen Linken Italiens und schlussendlich zur Entstehung einer faschistischen Massenbewegung kommen konnte. Die Sorelianer waren schließlich nur eine kleine Minderheit und auch ein später vollzogener Schulterschluss mit anderen politischen Kräften erklärt nicht, wie der Faschismus binnen kürzester Zeit zur politischen Herrschaftsform avancieren konnte.
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Autor: Alfred J. Quack
Erschienen in Ausgabe #66, Theorie
Stichwörter: Geschichte des Faschismus, Teil 3
25. Juni 2009
Im letzten Artikel beschäftigte ich mich mit der kulturellen Epoche des Fin de Siècle. Ich versuchte dabei deren Einflüsse auf eine entstehende faschistische Ideologie zu illustrieren. Auf der einen Seite konnte sich in jenen Tagen ein oftmals nicht hinterfragter Fortschrittsoptimismus etablieren, der den Menschen in den Mittelpunkt seines anthropozentrischen Weltbildes rückte und biologistische Gesellschaftsinterpretationen Vorschub leistete. Andererseits sollte eine fragwürdige Zeitdiagnostik das Zerrbild einer regressiven Antimoderne hervorbringen. Im Faschismus fanden diese beiden Strömungen zueinander. Die gesellschaftlichen Diskurse jener Zeit wirkten sich sehr nachhaltig auf die faschistische Negation bestehender Gesellschaften aus.
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Autor: Alfred J. Quack
Erschienen in Ausgabe #65, Theorie
Stichwörter: Geschichte des Faschismus, Teil 2