03. Februar 2011
Polizeiliche Repression gegen Antifaschist_innen, eine zahnlose bürgerliche Demonstration und durch die Stadt ziehende Geschichtsrevisionisten/-innen und Antisemiten/-innen – Grund genug auf die Straße zu gehen!
Jährlich marschieren am 5. März, dem Jahrestag der Bombardierung von Chemnitz 1945, mehrere hundert Neonazis auf. Dies wird zum Anlass genommen einen städtischen Ausnahmezustand sowie einen zivilgesellschaftlichen Aufstand auszurufen. Eine Stadt mit dem Wunsch, neben der Universität und der Beherbergung der ältesten Bewohner_innenschaft Europas, Technikcampus-Firmen und Fachkräfte anzulocken, benötigt ein weltoffenes, friedliches und tolerantes Image. Ganz im Sinne moderner Bürgerlichkeit schreiten Demokratiebewegte jedes Jahr gegen Nazis und für Frieden ein. Leider normal ist dabei das Zusammenspiel von sogenannter Zivilgesellschaft, die die Stadt im antifaschistischen Massenspektakel verteidigen wollen, und städtischer Verwaltung und Polizei, die darum bemüht sind alles in geordnete Bahnen zu lenken. Die geschätzten Kolleg_innen der Chemnitzer Wachtmeisterei waren immer vor Ort, um dafür zu sorgen, dass neben zivilgesellschaftlich-kommunalen Unmutsbekundungen ein reibungsloser Ablauf der Nazi-Aktionen möglich ist. Gegen einen Großteil derer, die dem neonazistischen Gedenken etwas entgegenzusetzen versuchten, steigerte sich von Jahr zu Jahr der Repressionsdruck. Die Chemnitzer Bereitschaftspolizei fiel dabei wiederholt wegen ihres aggressiven oder schlicht vorzivilisatorischen Verhaltens auf. Das Bild vom Gruppenführer, der seine abgerichteten und wild gewordenen Beamten gerade noch unter Kontrolle hat, ist ein bekanntes Motiv. Das alles gilt es am 5. März 2011 zu stören, um den Frieden im Rahmen des Gedenkens sowie die Ordnung im Umgang mit Neonazis in der Stadt aufzukündigen!
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Autor: AKK
Erschienen in Antifa, Ausgabe #75
Stichwörter: 5. März, Antifa-Demo, Chemnitz, Geschichtsrevionismus, Nazis
10. Oktober 2010

Transparent des FreibÄrger
Etwa 100 Menschen folgten gestern unserem Aufruf, um in Freiberg gegen die alltäglichen Zumutungen der Provinz zu demonstrieren. Die Demonstration war Reaktion auf Entwicklungen, die sich in den letzten Jahren in Freiberg abgezeichnet haben und thematisierte die Unfähigkeit mit Kritik umzugehen, die dort die meisten Entscheidungsträger_innen befallen hat. Die verhaltenen Reaktionen auf Brandanschläge vor ein paar Monaten und eine Nazidemonstration am Donnerstag standen ebenfalls im Mittelpunkt. Und nicht zuletzt wurde das Fehlen von alternativen Treffpunkten und Freizeitangeboten problematisiert.
Die Demonstration verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Gegen 14:30 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Davor wurde in einem Redebeitrag der RAA der hiesige Umgang mit neonazistischer Gewalt kritisiert. Im Redebeitrag „Freiberg – die kollektive Unschuld“ wurde auf die Rolle Freibergs während des Nationalsozialismus eingegangen und klar gestellt, weshalb es sich am 7. Oktober verbietet, um „deutsche Opfer“ zu trauern. Die Route führte über die Annaberger Straße in die Innenstadt. Bei einer ersten Zwischenkundgebung auf der Petersstraße folgten Redebeiträge der alternativen Stadtzeitung FreibÄrger über das Elend in Freiberg und der Antifaschistischen Aktion Karl-Marx-Stadt über ihre Erlebnisse in Chemnitz. Bei einer zweiten Zwischenkundgebung auf dem Untermarkt wurde die Situation von Asylsuchenden aufgezeigt, die nicht nur in Freiberg kein leichtes Leben haben. Außerdem wurde ein Spendenaufruf der Bomber Command Association aus London für ein Denkmal für die gefallenen britischen Bomberpiloten verlesen. Gegen 16:30 kam die Demonstration wieder am Bahnhof an und wurde mit einem Redebeitrag der Antifaschistischen Hochschulgruppe Dresden zur Begierde des Kommunismus beendet. Damit unsere Kritik nicht verhallt, wird es alle Redebeiträge auf unsrem Blog nochmals zum Nachlesen geben.
Die Richtigkeit unserer Kritik an Lokalpatriotismus und anderen menschenfeindlichen Ideologien und die Einschätzung, dass diese auch in der breiten Masse der Bevölkerung auf Zustimmung treffen, bestätigten sich auf bittere Art und Weise durch die Kommentare von Passant_innen. Von „normalen“ Leuten im mittleren Alter konnte man Sprüche wie „Die Roten gehören doch alle erschossen“ oder “Die Kanaken müssen halt alle raus“ vernehmen. Wir hoffen zumindest einige Menschen erreicht zu haben und können am Ende nur sagen: Aber hier leben? Nein danke!
Autor: Redaktion FreibÄrger
Erschienen in Aktuelles, Antifa
Stichwörter: 7. Oktober, Antifa, Antifa-Demo, Provinz
26. Juni 2009
Keine Versöhnung mit Deutschland. Deutsche Täter_innen sind keine Opfer.
Hätte es die Bombardierung Dresdens nicht gegeben die Deutschen hätten sie erfunden. Der Bezug auf die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 ist heute, über sechzig Jahre danach, aus dem deutschen Selbstbewusstsein nicht mehr wegzudenken. Das in der sächsischen Landeshauptstadt alljährlich zelebrierte Gedenken an die Toten der Bombardierung ist dabei weit mehr als die Erinnerung an ein historisches Ereignis. In der Woche um den 13. Februar herum trifft sich die kollektive Trauer deutscher Bürger_innen um sogenannte “deutsche Opfer” mit dem zur Zeit größten Nazi-Aufmarsch Europas. Beide vereint die Suche nach kollektiver Identität, die nach 1945 in Deutschland jedoch nicht mehr umstandslos zu haben ist. Die einzige vernünftige Konsequenz aus der deutschen Geschichte bleibt der bedingungs- und kompromisslose Bruch mit ihr. Wer ihn nicht vollziehen will, kommt um eine umfassende Revision und Verfälschung dieser Geschichte nicht herum ganz gleich ob als subtile Akzentverschiebung oder als raubeinige Lüge. Nicht nur in Dresden mündet daher die Rekonstruktion deutscher Identität in die Verdrängung der geschichtlichen Wirklichkeit durch einen Mythos. Die untereinander konkurrierenden Strömungen des Dresdner Gedenkens schreiben die deutsche Ideologie fort und stellen sich damit in die Tradition der deutschen Täter_innen. Der notwendige Bruch mit der deutschen Vergangenheit dagegen impliziert die unnachgiebige Kritik des Dresdner Trauerspektakels in allen seinen Gestalten. Dies kann nur bedeuten, die geschichtsrevisionistischen Manifestationen der deutschen Ideologie an den beiden Tagen des 13. und 14. Februars 2009 mit der bitter nötigen Kritik zu konfrontieren. Eine Versöhnung mit Deutschland ist unmöglich.
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Autor: Vorbereitungskreis 13. Februar
Erschienen in Ausgabe #66, Thema
Stichwörter: Antifa-Demo, Aufruf, Gedenken