Artikel mit dem Tag „Brandanschlag“

Täter der Freiberger Brandanschläge verurteilt

Wie die Freie Presse meldete, wurde der 27-jährige Tatverdächtige, der kurz nach zwei Brandanschlägen im letzten Jahr auf von Migranten betriebene Restaurants gefasst wurde, zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

In der Freien Presse vom 28. Januar heißt es:

Brandstifter muss in eine Entziehungsanstalt

Das Landgericht Chemnitz hat einen 27-jährigen Freiberger gestern wegen zweier versuchter Brandstiftungen zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Von Steffen Jankowski

Freiberg - Das Geständnis des Angeklagten gestern vor dem Landgericht Chemnitz war klar - seine Motive dagegen obskur. Er habe am 27. und 29. Juli 2010 zwei ausländische Restaurants in Freiberg in Brand setzen wollen, bekannte der 27-jährige Freiberger - aus Protest dagegen, dass “das Menschsein immer mehr auf der Strecke bleibt.” Um die zwölf Menschen, die in den beiden Häusern wohnten, sorgte er sich dabei - trotz seiner laut Gutachten durchschnittlichen Intelligenz - kaum.

“Sie können froh sein, dass das alles so ausgegangen ist.”

Hans-Michael Langfritz Vorsitzender Richter

Die wirre Erklärung des schlanken Zwei-Meter-Mannes mit dem kindlich-trotzigen Gesichtsausdruck begann bei der Gastronomie, in der die Kunden “mit suspekten Produkten gelinkt” würden, weil es nur noch um Zeit und Geld gehe. Danach schwadronierte der Acht-Klassen-Schüler, der Koch gelernt und auch vier Monate in Österreich gearbeitet haben will, über “die Inder höherer Kasten”, die in Deutschland Restaurants mieten würden, um Touristen für ihr Land zu gewinnen. Schließlich zitierte er noch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass Multikulti gescheitert sei, und vergaß auch nicht zu erwähnen, dass Griechenland den Euro gefährde. Dabei redete er sich in Rage, gestikulierte und schien zum Teil von seinen eigenen Worten belustigt zu sein; ansonsten verfolgte er eher gelangweilt auf dem Stuhl wippend den Prozess.

Die von Staatsanwalt Thomas Hinke verlesene Anklageschrift sei “zutreffend”, räumte er ohne Zögern ein. Derzufolge hatte er am Nachmittag des 26. Juli 2010 vier so genannte “Molotow-Cocktails” gebaut und war zusätzlich mit Steinen bewaffnet in der Nacht gegen 3.30 Uhr zur Poststraße gezogen, um ein indisches Restaurant abzufackeln. Die Tür war aber widerstandsfähiger als gedacht - es blieb bei gut 10.000 Euro Schaden im Eingangsbereich.

Fast exakt 48 Stunden später griff er in ähnlicher Weise ein Dönerlokal an der Burgstraße an. Diesmal schlug er ein Fenster ein und warf die vier vorbereiteten Brandsätze ins Innere. Weil die aber am Verlöschen waren, kletterte er zum Nachlegen hinterher und holte später sogar noch einen großen Stein von der Obermarkt-Baustelle - um die Tür einzuwerfen, damit das Feuer mehr Luft bekommt und besser brennt. Auf dem Weg randalierte er noch an zwei weiteren Imbissen.

Sein Mandant habe ein Zeichen setzen, aber keine Personen schädigen wollen, erklärte Verteidiger Andreas M. Kohn. Er habe vielmehr bewusst Lärm geschlagen und sich überzeugt, dass es Fluchtwege gebe. Das ließ der Vorsitzende Richter Hans-Michael Langfritz nicht gelten: “Es gibt auch Leute mit tiefem Schlaf und Pflegebedürftige. Sie können froh sein, dass das alles so ausgegangen ist.”

Die 6. Strafkammer verurteilte den neunfach wegen Drogendelikten, Körperverletzung und Diebstählen Vorbestraften zu 45 Monaten Haft und wies ihn zugleich in eine Entziehungsanstalt ein. Gutachter Frank Postrach hatte eine Drogenabhängigkeit seit dem 16. Lebensjahr attestiert - ohne medizinische Hilfe seien “ähnliche Handlungen zu befürchten.” Auch im letzten Wort zeigte der Angeklagte kaum Schuldbewusstsein. Schläger und Alkoholfahrer würden viel milder bestraft: “Wo ist da die Waage?” Auf eine Revision wolle er aber verzichten.

OB Schramm belehrt „Gutmenschen“

    Mit folgendem Text reagierten wir gemeinsam mit der Antifaschistischen Gruppe Freiberg auf die Neujahrsansprache des Oberbürgermeisters. Dabei übersahen wir, dass Schramm sich in seiner Rede auf die Äußerungen des MdL Henning Homann in der Freien Presse vom 30. Juli bezog, in der heißt: „Der mittelsächsische SPD-Abgeordnete Henning Homann sprach von einer „neuen Qualität neonazistischen Terrors“ und forderte „eine harte Reaktion von Polizei und Staatsanwaltschaft.“ Fairer Weise ist deshalb im Anschluss des Textes der angesprochene Ausschnitt aus Schramms Neujahrsansprache in voller Länge beigefügt.

In der Freien Presse vom 10. Januar konnte man einen Bericht über die Neujahrsansprache des Oberbürgermeisters Bernd-Erwin Schramm lesen. In diesem jährlichen Ritual aus Phrasendrescherei, Politjargon und Standortversicherung nahm Schramm in diesem Jahr auch Bezug auf die Brandanschläge auf von Migranten betriebene Imbisse im Sommer letzten Jahres. Darin heißt es:

„Diese Anschläge haben nicht nur Brandspuren und Narben auf der Seele der Betroffenen hinterlassen, sondern auch Verletzungen beim Umgang miteinander, in der Bewertung dieser entsetzlichen Taten. Was die Tatumstände anbelangt, bekenne ich mich auch an dieser Stelle: Ich war erleichtert, dass wir es nicht mit organisiertem Extremismus […], sondern mit einem Einzeltäter zu tun hatten. Wenn selbst ernannte „Gutmenschen“ diese Sicht kritisieren und in Anbetracht der Geschehnisse in Freiberg von einer neuen Qualität neonazistischen Terrors sprechen, dann ist das vor dem Hintergrund der Geschichte völlig unangemessen.“

„Eine neue Qualität neonazistischen Terrors“ - Schramm will damit vermutlich Bezug nehmen auf die von uns organisierte Demonstration am 9. Oktober des letzten Jahres, das unterstellen wir ihm an dieser Stelle, da der FreibÄrger und wir, vom Linkspartei Stadtrat Albrecht Tolke abgesehen - der in der Freien Presse einen kritischen Leserbrief einreichte, wofür er von Schramm im Stadtrat eine verbale Schelte bekam - die Einzigen waren, welche die öffentlichen Reaktionen zu den Taten kritisierten. Im Aufruf dazu heißt es nämlich: Den vollständigen Artikel lesen »

Aber hier leben? Nein danke!

aberhierleben

Demonstrationsaufruf der Antifaschistischen Gruppe Freiberg

Aber hier leben? Nein danke!
Gegen die alltäglichen Zumutungen in der Provinz!

Antifaschistische Demonstration
9. Oktober - 14 Uhr - Freiberg - Bahnhof

Als am 7. Oktober letzten Jahres Freiberger und Dresdner Neonazis gemeinsam zur alljährlichen Opferzeremonie anlässlich der Luftangriffe auf Freiberg 1944 aufriefen, ließ es sich der Freiberger Verein gegen Extremismus auf Druck der TU Bergakademie nicht nehmen, dagegen mit einem eigens angefertigten Banner „Kein Krieg – Kein Extremismus“ zu protestieren. Parallel dazu lud man zum „Friedensgebet“ in die Petrikirche, denn „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“

Um dem Geschichtsrevisionismus der Neonazis auf der einen und der Relativierung deutscher Schuld durch die Stadt und dem „Verein gegen Extremismus“ auf der anderen Seite etwas entgegenzusetzen, entschlossen wir uns dazu, dem Spektakel dieses Jahr eine eigene kritische Demonstration entgegenzusetzen. Das war irgendwann vor ein paar Monaten. Seitdem hat sich eine Menge ereignet,weshalb wir es für unerlässlich halten, den Rahmen der Demonstration zu erweitern und zu benennen, welche Entwicklung sich gegenwärtig abzeichnet. Den vollständigen Artikel lesen »

Gedanken zu den Reaktionen auf die Brandanschläge

Oh nein, das Stadtimage…

und Gott sei Dank kein Neonazi! So waren die Reaktionen auf zwei fremdenfeindlich motivierte Brandanschläge letzte Woche in Freiberg. Nach erster Aufregung ist der Täter mittlerweile gefasst und nach dessen Beteuerung, nichts gegen Ausländer im Allgemeinen zu haben und schon gar kein Neonazi zu sein, die Ereignisse fast schon wieder vergessen. Die meisten Reaktionen und Verlautbarungen kotzen uns, gelinde gesagt, an. Was genau, wollen wir hier erläutern.

Zuerst eine Bestandsaufnahme:
In der letzten Woche wurden innerhalb von nur 48 Stunden zwei Freiberger Döner-Restaurants Opfer eines Brandanschlags. Der erste Anschlag erfolgte am Dienstag Morgen gegen 3:30 Uhr, als mehrere Steine und ein Molotowcocktail gegen die Scheiben des „Shahi-Döner“ auf der Poststraße geworfen wurden. Der Brand konnte zum Glück schnell gelöscht werden, da ein Anwohner den Täter beobachtete und sofort die Polizei verständigte. Nicht abzusehen was passiert wäre, wenn niemand den Brand rechtzeitig gesehen hätte, denn im Haus wohnen noch mehrere Familien.

Der zweite Anschlag ereignete sich am Donnerstag gegen 4:30 Uhr und traf das “Dürüm Kebab Haus“ auf der Burgstraße. Wieder wurde der Täter beobachtet, doch bevor der Brand durch die Feuerwehr gelöscht werden konnte, hatten das Feuer und der entstandene Ruß die Räume unnutzbar gemacht, so dass nun eine komplette Renovierung des Lokals notwendig ist. Wieder nahm der Täter billigend in Kauf, dass Menschenleben gefährdet werden, denn auch das Gebäude in der Burgstraße ist ein Wohnhaus. In der gleichen Nacht wurden außerdem ebenfalls die Scheiben eines weiteren Döner-Ladens, eines Asia-Bistros, sowie einer kroatischen Gaststätte eingeworfen, die sich nur wenige Meter entfernt befinden.

Die Reaktionen nach den Anschlägen waren überraschend deutlich. In vielen, zum Teil auch überregionalen Medien wurde über die Vorfälle berichtet. So hieß es in der Onlineausgabe der Zeit etwa: „Was sich seit Anfang des Jahres in der sächsischen Universitätsstadt Freiberg abspielt, klingt wie ein Albtraum aus den frühen 90er Jahren.“ Auch der sächsische Ministerpräsident meldete sich zu Wort. Man war geschockt über die aktuelle Gewalt und hoffte auf schnelle Ermittlungen und ein Ergreifen des Täters.

Mittlerweile wurde dieser gefasst. Am Freitag fiel der Polizei ein 26-jähriger Mann auf, auf den die Personenbeschreibung passte. Da er keinen Ausweis bei sich trug, wurde er zur Überprüfung seiner Angaben auf das Polizeirevier gebracht. Dort machte er umfangreiche Angaben zu den Brandanschlägen und gestand seine Verantwortung. Als Motiv soll er dabei angegeben haben, dass die Geschäftsinhaber ihre Waren nicht bei örtlichen Unternehmen einkaufen. Sie seien somit auch für seine schon lange andauernde Arbeitslosigkeit verantwortlich.
Als wäre allein diese Aussage nicht Beleg genug für eine ausgeprägte Fremdenfeindlichkeit, kaufte der überwiegende Teil der Medien, die Staatsanwaltschaft und der Freiberger Oberbürgermeister das Dementi des mutmaßlichen Täters, er habe keine allgemeine ausländerfeindliche Einstellung, einfach ab. Für Bernd Vogel von der Staatsanwaltschaft Chemnitz hinterließ der Verdächtige lediglich einen „verwirrten Eindruck“. „Eine rechtsextreme Einstellung ist bei dem Mann [allerdings] nicht erkennbar.“ Auch eine „grundsätzlich negative Einstellung zu Ausländern“ habe der Verdächtige nach eigenen Angaben nicht.

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Mutmaßlicher Täter gefasst

Nach den Brandanschlägen und Angriffen auf Imbissläden hat die Polizei heute einen 26-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Der Verdächtige war den Beamten aufgefallen, da die Personenbeschreibung auf ihn passte. Da er keinen Ausweis bei sich trug, wurde er zur Überprüfung seiner Angaben auf das Polizeirevier gebracht. Dort machte er umfangreiche Angaben zu den Brandanschlägen und gestand seine Verantwortung. Als Motiv gab er an, dass die Geschäftsinhaber ihre Waren nicht bei örtlichen Unternehmen einkauften. Sie seien somit auch für seine Arbeitslosigkeit verantwortlich. Eine ausländerfeindliche Einstellung dementierte er aber. Ähnlich äußerte sich auch Bernd Vogel von der Staatsanwaltschaft Chemnitz: „Eine rechtsextreme Einstellung ist bei dem Mann nicht erkennbar“. Eine „grundsätzlich negative Einstellung zu Ausländern“ habe der Verdächtige nach eigenen Angaben nicht. „Er hinterließ einen verwirrten Eindruck.“

Was im Verantwortlichmachen von Ausländern für die eigene Arbeitslosigkeit nicht fremdenfeindlich und keine negative Einstellung gegenüber Ausländern sein soll, bleibt der Staatsanwaltschaft überlassen. Noch unverständlicher ist der Bericht der Freien Presse, in der die Redakteure allen Ernstes die Extremismustheorie bemühen und in dem es heißt: “Nach eigenen Angaben hat der Täter grundsätzlich keine negative Einstellung zu Ausländern und ist weder dem rechten noch dem linken politischen Spektrum zuzuordnen.”

Über die gesamte unsägliche Debatte wird in den nächsten Tagen noch ein ausführlicherer Artikel erscheinen. Bis dahin seien hier diverse Presseartikel dokumentiert.

Freie Presse: Freiberg: Tatverdächtiger nach Brandanschlägen festgenommen
Freie Presse: Tatverdächtiger nach Brandanschlägen in Freiberg festgenommen
Sächsische Zeitung: Verdächtiger nach Anschlägen in Freiberg gefasst
MDR: Junger Mann gesteht Anschläge in Freiberg
BILD: Brandstifter der Döner-Läden von Freiberg geschnappt
Welt: Brandanschläge in Freiberg aufgeklärt
Focus: Polizei nimmt Döner-Brandstifter fest
Indymedia: Freiberg: Brandanschläge vor Aufklärung?
Planet Dissi: Glück Auf! Brandstifter ist kein Nazi, nur Deutscher

Presse zu den Brandanschlägen:
Freie Presse: Brandanschlag auf Imbiss in der Poststraße verübt
Freie Presse: Erneut Döner-Lokale angegriffen
Freie Presse: Soko Rex ermittelt nach Brandanschlägen auf Dönerbuden
Sächsische Zeitung: Feuerteufel zündet in Freiberg ausländische Läden an
MDR Aktuell: Wieder Anschläge auf Imbissläden
Die Zeit: Die Rückkehr der Gewalt
MDR: Bericht des Sachsenspiegel
Dresden Fernsehen: Erneut Anschläge auf Döner-Läden und Asia-Imbiss in Freiberg - Soko REX ermittelt
BILD: Ausländische Döner-Restaurants angesteckt
BILD: Tillich: Feige Anschläge in Freiberg
Indymedia: Brandanschläge in Freiberg

Erneut Anschläge auf Döner-Imbiss

In der Nacht zum Donnerstag, den 29. Juli 2010, wurde auf das “Dürum Döner Kebab Haus” ein Brandanschlag verübt, berichtet die Freie Presse. Unbekannte schmissen Steine und einen Brandsatz durchs Fenster. Der im Obergeschoss wohnende Besitzer bemerkte dies sofort und verständigte die Feuerwehr. Menschen kamen nicht zu schaden, die Räumlichkeiten sind jedoch nicht mehr nutzbar, obwohl die Feuerwehr die Flammen schnell unter Kontrolle bringen konnte.

Nicht weit entfernt, in einem Imbiss an der Ecke Burgstraße/Akademiestraße, wurden auch die Scheiben eingeworfen, jedoch kein Brand gelegt.

Die Sonderkommission Rechtsextremismus der Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung. Es werden Zeugen gesucht, die einen etwa 25-jährigen Mann mit dunklem Kapuzenshirt am Donnerstag zwischen 3 und 4:30 Uhr in der Burgstraße gesehen haben. Hinweise sind telefonisch unter 0800 6738152 erbeten.

Brandanschlag auf Imbiss in der Poststraße verübt

Wie die Freie Presse vom 28. Juli berichtete, ist gestern gegen 3:30 Uhr ein Brandanschlag auf das “Shahi Döner Kebap - Curry House” in der Poststraße verübt wurden. Personen wurden dabei zum Glück nicht verletzt, es entstand aber ein Sachschaden von mehreren Tausend Euro. Laut Polizeisprecherin Heidi Henning lässt sich ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausschließen.

Eine Zeugin hatte kurz nach 3:30 Uhr gesehen, wie sich ein Unbekannter an der Eingangstür des Imbisses zu schaffen gemacht und etwas angezündet hatte. Der Täter trug eine schwarze Kapuzenjacke mit heller Aufschrift und hatte offenbar mehrere Steine und einen Molotowcocktail gegen die Eingangstür geworfen.
Die Polizei ermittelt nun wegen versuchter schwerer Brandstiftung und sucht weitere Zeugen. Wer in der Nacht zum Dienstag Beobachtungen gemacht hat, die mit der Straftat im Zusammenhang stehen könnten, kann sich beim Polizeirevier in Freiberg unter der Telefonnummer 03731 700 melden.

Brandanschlag in Döbeln

Stellungnahme des Treibhaus e.V. zu den Brandanschlägen vom 14.07.2010

Am frühen Morgen des 14.07.2010 verübten bisher noch unbekannte Täter in Döbeln Brandanschläge auf zwei Autos. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um die Autos einer Mitarbeiterin des Treibhaus e.V. Döbeln, sowie einer ehrenamtlich im Verein engagierten Person.

Beide Betroffenen treten seit Jahren für eine weltoffene, demokratische und nichtrassistische Gesellschaft ein und sind durch ihr Engagement beim Treibhaus e.V. öffentlich bekannt. Ebenso waren Beide bereits in der Vergangenheit Opfer rechtsextremer Aktivitäten und Empfänger von Drohungen und haben vor Gericht gegen Döbelner Neonazis ausgesagt. Zuletzt wurde einem der Opfer am vergangenen Sonnabend von der rechten Szene zuzuordnenden Personen mit den Worten „Dich und deine Karre fackeln wir ab“ gedroht. Auch der Treibhaus e.V. selbst war bereits mehrfach rechtsextremen Angriffen ausgesetzt.

Das in der vergangenen Nacht nun binnen einer viertel Stunde zwei Fahrzeuge von Personen angezündet wurden, die sich für demokratische Werte und gegen Rechtsextremismus engagieren, legt nahe, dass es sich um gezielte Anschläge handelt und schließt einen Akt willkürlichen Vandalismus nahezu aus. Aus Sicht des Treibhaus e.V. muss daher von einem rechtsextremen Hintergrund der Brandanschläge ausgegangen werden.

Der Treibhaus e.V. verurteilt diesen Akt politischer Militanz aufs Schärfste und erklärt sich solidarisch mit den Betroffenen. Auch wenn dieser Versuch der Einschüchterung mittels Gewaltanwendung konkret zwei Engagierte getroffen hat, so sind damit doch nicht nur die Mitglieder des Treibhaus e.V. gemeint, sondern alle Bürger und Bürgerinnen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen.

Bereits im März wurde ein Brandanschlag auf Räumlichkeiten des soziokulturellen Vereins „Roter Weg e.V.“ in Freiberg verübt. Dem vorausgegangen waren Einschüchterungen mittels neonazistischer Aufkleber mit Sprüchen wie „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Damit handelt es sich bei den Taten von gestern Nacht bereits um den zweiten Brandanschlag auf politisch Engagierte in Mittelsachsen, bei dem die Angreifer im neonazistischen Spektrum zu vermuten sind.

Diese Entwicklung verdeutlicht, mit welcher Gewaltbereitschaft Neonazis auch in Mittelsachsen und der Region Döbeln versuchen, politisch aktive Menschen einzuschüchtern und von ihrem Engagement abzubringen. Dabei ist es für keinen Demokraten hinnehmbar, dass Gewalttäter versuchen, andere an der Ausübung ihrer demokratischen Grundrechte zu hindern.

Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig wirksame Strategien gegen Rechtsextremismus sowohl auf Landesebene als auch auf kommunaler Ebene sind. Von Nöten ist jedoch nicht allein eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema durch die Politik, sondern auch die konsequente Aufklärung rechtsextremer Übergriffe durch die Polizei und ein Zusammenstehen aller Bürgerinnen und Bürger, sowie konstantes zivilgesellschaftliches Engagement.

Brandanschlag auf CJD-Büro verübt

cjd

    Freie Presse vom 11. Juni

    Freiberg. Auf das Freiberger Büro des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD) in der Himmelfahrtsgasse ist gestern ein Brandanschlag verübt worden. Wie die Polizei meldete, landete gegen 7.30 Uhr ein Molotow-Cocktail zunächst an der Fassade, der zweite durchschlug eine Fensterscheibe und flog ins Büro des Vereins. Die Flammen konnten von Mitarbeitern gelöscht werden. Verletzt wurde niemand. Feuerwehrleute sicherten den Ort, um einen Schwelbrand zu verhindern. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen. (BK)

Der CJD unter Herrn Dr. Düsing hat maßgeblich dazu beigetragen, die jüdische Geschichte in Freiberg und die dunkle Geschichte der Zwangsarbeit wieder ans Tageslicht zu befördern. Daraus entstanden viele Publikationen und u.a. die Internetseite Juden in Mittelsachsen. Es ist also möglich, dass es sich, ebenfalls wie beim Brandanschlag auf den Roten Weg vor wenigen Monaten, um einen Naziangriff handelt.

Update:

Der mutmaßliche Täter hat sich mittlerweile gestellt, wie die Freie Presse vom 12.06. berichtete und unsere Vermutung war wohl etwas voreilig:

    Freiberg. Der Brandanschlag auf das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) in Freiberg ist aufgeklärt: Ein 24-Jähriger hat sich am Donnerstagnachmittag gestellt. Er gab bei der Polizei zu, am Morgen des gleichen Tages zwei Molotow-Cocktails gegen das CJD-Büro an der Himmelfahrtsgasse geworfen zu haben.
    Während ein Brandsatz von der Fassade abgeprallt war, hatte der zweite eine Fensterscheibe im ersten Stock durchschlagen. CJD-Mitarbeiter konnten die Flammen löschen. Verletzt wurde niemand. Der Schaden liegt ersten Schätzungen zufolge bei 10.000 Euro. So waren neben dem Fenster auch Wand- und Deckenverkleidung, Gardine, Heizung, ein Papierständer und Auslegeware beschädigt worden.
    Bei seiner Vernehmung gab der junge Mann weitere Straftaten zu. In der Nacht zum 8. Juni habe er auf der Waisenhausstraße die Scheibe des Museums-Schaukastens eingeschlagen und die Spiegel mehrerer Fahrzeuge im Bereich Weingasse/Heubnerstraße abgetreten. Als Motiv nannte er nach Polizeiangaben “fehlende Aufmerksamkeit”. Die Ermittlungen dauern an, der 24-Jährige wurde inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt.
    Der junge Mann war 2009 in einem sozialen Kurs beim CJD betreut worden. “Da solche Maßnahmen stets zeitlich begrenzt sind, werden viele im Anschluss wieder auffällig. Selten wird eine geeignete Nachsorge gefunden”, erklärt Monika Schlesier, die Leiterin der CJD-Außenstelle in Freiberg. Häufig seien Konflikte im Familien- und Freundeskreis die Ursache auffälligen Verhaltens. Monika Schlesier will den 24-Jährigen nun in einem Brief auffordern, mit Eimer und Schrubber einen Teil des angerichteten Schadens zu beheben. Zudem wolle sie eine sinnvolle Beschäftigung für ihn finden.

Report Mainz über rechte Gewalt

Im Report Mainz vom 7. Juni wurde über rechte Gewalt gegenüber Politiker_innen berichtet. Im Beitrag wird auch der Brandanschlag auf das Gebäude am Roten Weg in Freiberg thematisiert.

Das Youtube-Video wurde von einem Nazi hochgeladen, deshalb der seltsame Titel. Es lohnt sich aber anzuschauen.