Die Dämonisierung der DDR
27. Juni 2009
Der bekannte und streitbare Historiker Wolfgang Wippermann hat ein neues Buch vorgelegt, von ihm selbst, zu Recht, als Streitschrift bezeichnet. Auf der Rückseite wird der letzte Absatz des schmalen Bandes zitiert, der in wenigen Zeilen die Absicht des Buches darstellt: “Die vorliegende Streitschrift möchte zur Neuorientierung beitragen. Vor allem aber soll sie zu einem gerechteren Umgang mit der DDR anregen. Die DDR war unzweifelhaft eine Diktatur und mit Sicherheit kein Rechtsstaat, doch ebenso wenig war sie eine totalitäre und mit dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat zu vergleichende ‘zweite Diktatur’. Dies kommt einer Dämonisierung der DDR gleich, die wiederum mit einer Relativierung des Dritten Reiches verbunden ist.” Insbesondere die letzen beiden Sätze sind dazu angetan eine Debatte über die historische Betrachtung der DDR zu befeuern.
Wippermann teilt seine Argumentation in vier Abschnitte. Im ersten Teil “Theorien und Begriffe” geht er auf die Totalitarismus- und Extremismustheorie ein. Des weiteren zeigt der Wippermann wie die Begriffe “Wehrhafte Demokratie” und “Ostzone” entstanden und politisch zu verstehen sind. Im zweiten Kapitel werden einige Kontroversen näher beleuchtet, z. B. die Frage ob die sowjetischen Lager nach dem 2. Weltkrieg als “sowjetische Konzentrationslager” auf deutschem Boden bezeichnet werden können. Auch dem unhaltbarem Vergleich zwischen Gestapo und Stasi (“Rote Gestapo”) nimmt sich der Autor an. Daran anschließend beleuchtet Wippermann einzelne Personen und Institutionen und deren Motivation hinsichtlich einer dämonisierenden Darstellung der DDR.
Trotz des mitunter reichlich polemischen Stils eine lesenwertes und lesbares Buch, da zumindest viele Anknüpfungspunkte für Diskussionen bietet.
Wolfgang Wippermann: “Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes Reich”, 160 Seiten, Rotbuch Verlag, 9,90 Euro