19. Mai 2010
Ich hatte der Redaktion des FreibÄrger eigentlich versprochen pünktlich zum Redaktionsschluss den letzten Teil dieser Reihe abzuliefern, allerdings haben mich andere Dinge leider davon abgehalten. Nichtsdestotrotz möchte ich in einer Zusammenfassung meiner Interpretation des Phänomens erörtern, was der Faschismus sein könnte, bevor dann in der nächsten Ausgabe eine Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen, politischen und lebensweltlichen Deutungsversuchen erfolgen wird. Bis dato wünsche ich viel Spaß beim Lesen.
Der Faschismus entspringt zunächst einmal immer der ganz normalen Logik bürgerlicher Vergesellschaftung. Damit sind sowohl die kapitalistische Durchdringung aller gesellschaftlich relevanten Bereiche als auch verordnete Formen der abstrakten Herrschaft, etwa der des Staates oder seiner Rechtsförmigkeit gemeint. Der Faschismus ist dabei zunächst einmal als ein regressives und irrationales Reaktionsmuster auf einen historischen Modernisierungsprozess zu verstehen, also als Reaktion auf die nachhaltigen Veränderung der Gesellschaft. Er sollte jedoch immer nur als eine mögliche Konsequenz, wie Gesellschaften oder gesellschaftliche Akteure auf einen solchen gesellschaftlichen Transformationsprozess reagieren, verstanden werden. Ein der Verwertungslogik innewohnender Konkurrenzdruck und die abstrakt-funktionale apersonale Herrschaft zerstören die von den einzelnen Individuen angenommene gesellschaftliche Harmonie. Hier tritt nun der Faschismus ganz offen zutage: Er versucht einerseits den ökonomischen und sozialen Abstand zu fortschrittlicheren Nationen aufzuholen und andererseits ein angenommenes Auseinanderdriften des eigenen Gesellschaftskollektivs zu verhindern, indem er sich als eine Art integrative Heilslehre geriert, welche die bestehenden Disparitäten beseitigen möchte. Dies soll durch eine Synthesis sämtlicher gesellschaftlicher Akteure eines nationalstaatlichen Territoriums geschehen.
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Autor: Alfred J. Quack
Erschienen in Ausgabe #73, Theorie
Stichwörter: Faschismustheorie
25. März 2009
Tagesseminar
Kurz vor seinem Tod stellte sich der englische Historiker Timothy Wright Mason die Frage: “Whatever happened to Fascism?”. In der Tat begegnet einem heutzutage der - vormals recht kategoriale - Begriff entweder in inflationär entstellter Form, als Pejorativ, oder vermittels antifaschistischer Negation. Welche Ideologie sich aber hinter dem Terminus versteckt und wie sich der Faschismus als Gegenstand wissenschaftlicher Debatten etablieren konnte, darüber soll dieses Halbtagsseminar aufklären.
Es wird aber nicht nur um die wesentlichsten Faschismustheorien von A wie Agententheorie bis Z wie Zusammenbruch gehen, sondern auch der Versuch unternommen, den Zusammenhang von Faschismus und bürgerlich-kapitalistischer Gesellschaft zu untersuchen. Außerdem soll über die aktuelle Relevanz des Begriffes diskutiert werden. Die zu erörternden Fragestellungen sind: Ist der Faschismus ein historisches Phänomen, eine Negativfolie für ein sich als emanzipatorisch verstehendes Selbstverständnis oder doch nur eine totalitäre Massenbewegung? Besteht eigentlich ein Zusammenhang zwischen kapitalistischer Gesellschaft und faschistischer Ideologie? Ist in unserer modernen Demokratie ein Potential für eine Refaschisierung vorhanden oder ist der Begriff heutzutage obsolet geworden?
Der Referent Alfred J. Quack ist in unterschiedlichen linksradikalen Zusammenhängen aktiv, er arbeitet und publiziert zu unterschiedlichen ideologietheoretischen Themen, wie: Wertkritik, materialistischer Staatskritik, Kritik von Rechtsfetischismus und abstrakter Herrschaft, sowie Kritik der politischen Ökonomie. Er ist der Autor der Artikelreihe “Geschichte des Faschismus” im FreibÄrger.
Wann: 25. April, 14.00 Uhr
Wo: Jugendtreff Tee-Ei, Untermarkt 5, 09599 Freiberg
Wie immer gilt: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
Autor: admin
Erschienen in Veranstaltungen
Stichwörter: Faschismustheorie, Seminar