Artikel mit dem Tag „Geschichte des Faschismus“

Teil VI: Die Menschwerdung einer Bestie: Der nationalsozialistische (Un-)Staat.

“Wer schaut hinab von diesem hohen Raum
Ins weite Reich, Ihm scheint’s ein schwerer Traum
Wo Mißgestalt in Mißgestalten schaltet,
Das Ungesetz gesetzlich überwaltet,
Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet.”
1

Der einleitende Vers stammt aus der Feder von Karl Kraus. Es handelt sich um einen Textbaustein aus dessen umfangreichem Versuch, den Nationalsozialismus essayistisch zu bestimmen. Der Autor verfasste sein Werk bereits zwischen Mai und September 1933 und wollte es ursprünglich in “Die Fackel”2 veröffentlichen. Dazu kam es allerdings nicht mehr. Was macht diesen relativ unbekannten Text eigentlich so interessant? Die Antwort ist recht einfach. Erstaunlicherweise geht der Verfasser bereits auf vieles ein, was Adorno und Horkheimer elf Jahre später in ihrer “Dialektik der Aufklärung” entfalten werden. Doch damit noch nicht genug: Allein dieser einzige Vers enthält meines Erachtens bereits die Antizipation des Kerngedankens eines der wichtigsten Werke der Kritischen Theorie, das zudem wie kein anderes den nationalsozialistischen Staat in Struktur und Funktion beschreibt. Die Rede ist von Franz Neumanns “Behemoth”3.

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Teil Vb: Der Faschismus an der Macht? Die Ära der faschistischen Bewegungen.

Dieser Teil ist die unmittelbare Fortsetzung der letzten Ausgabe.

“Die Ablehnung der modernen Welt war maskiert als Zurückweisung der kapitalistischen Lebensart, aber sie fußte hauptsächlich auf der Verwerfung des Geistes von 1789.”1

Neben sämtlichen faschistischen Bewegungen, die ich im Rahmen dieser Reihe behandle, existierten noch weitere. Einige rissen im Verbund mit rechten und konservativen Parteien die politische Macht in ihren jeweiligen Ländern an sich. Einige etablierten sich als Satellitenregime von Nazideutschland. Wieder andere fristeten ein Dasein am Rande der Bedeutungs- losigkeit, so etwa die British Union of Fascists unter Führung von Oswald Mosley. Dennoch verhinderte auch die oft zitierte Befreiung vom Faschismus nicht, dass sich bestehende Bewegungen und Parteien reorganisieren, sowie zahlreiche neue formieren konnten und dass diese sich auch heute an klassisch faschistischen Ideologemen orientieren. Auf diese einzelnen nationalen Faschismen möchte ich nicht weiter eingehen. Wer sich dafür interessiert, kann der unten abgedruckten Literaturliste einige Anregungen entnehmen.

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Teil Va: Der Faschismus an der Macht? Die Ära der faschistischen Bewegungen.

Nach einer kurzen Auszeit soll diese Artikelreihe fortgesetzt werden. Neben einigen Ausführungen zur Ideologiegeschichte von Faschismus und Nationalsozialismus, sowie meinen eigenen Thesen zu Ursprung und Funktion faschistischer Ideologie, wurden bislang der italienische und spanische Faschismus behandelt. Diesmal möchte ich mich gleich mehreren faschistischen Bewegungen zuwenden, namentlich denen in Österreich, Ungarn und Rumänien. Wegen dieser Informationsfülle wird die historische Darstellung zwar etwas knapper als sonst ausfallen, die Theorie soll aber auch diesmal nicht zu kurz kommen: Ich möchte sowohl im heutigen, als auch in den beiden nachfolgenden Aufsätzen der brennenden Frage nachgehen, ob der Faschismus eigentlich immer noch eine reale Gefahr darstellt und ob diese Begrifflichkeit überhaupt für aktuelle Debatten um ultranationalistische Bewegungen, rechtsradikale Parteien oder autoritäre Regimes taugt. Heute und beim nächsten Mal wird deshalb insbesondere der autoritative Etatismus betrachtet werden, der im Angesicht der gegenwärtigen globalen Krise des Kapitalismus unsere unbedingte Aufmerksamkeit verdienen soll.

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Teil IV: Tenemos un Caudillo! Der autoritäre Staat Francos.

In der letzten Ausgabe wurden als thematischer Schwerpunkt die relativistischen Tendenzen im geschichtspolitischen Diskurs der Berliner Republik behandelt. Vielleicht wäre es diesbezüglich auch einmal interessant gewesen über den Tellerrand deutscher Befindlichkeiten zu schauen und sich mit der Geschichtsaufarbeitung des spanischen Königreiches zu beschäftigen. Der Übergang vom semifaschistischen Regime Francisco Franco Bahamondes, hin zu einer freiheitlichen Demokratie, vollzog sich dort nämlich nahezu fließend. Erst in den letzten Jahren mehrten sich kritische Stimmen und mittlerweile gibt es - sogar staatlicherseits initiiert - zahlreiche Versuche die eigene unrühmliche Vergangenheit mal mehr, mal weniger kritisch aufzuarbeiten. Diesmal soll also der Franquismus behandelt werden. Bezüglich meiner vergleichenden Faschismusanalyse geht es mir dabei vorrangig um einen Blick auf die Besonderheiten dieser Diktatur, sowie um die politischen Kräfte hinter dem einzigen faschistischen Regime, das noch nach dem Zweiten Weltkrieg, bis ins Jahr 1977 hinein fortexistieren konnte.

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Teil III: L’Italia del fascio. Aufstieg und Fall des italienischen Faschismus.

“Der Weg des Faschismus ist der Weg des Maschinellen, Toten, Erstarrten, Hoffnungslosen. Der Weg des Lebendigen ist grundsätzlich anders, schwieriger, gefährlicher, ehrlicher und hoffnungsvoll.”1

Zwei Sachen Vorweg: Ich möchte mich zuerst bei der Redaktion und der teuren Leserschaft entschuldigen, denn dieser Text ist schon wieder länger geworden als geplant. Auch werde ich künftig nicht mehr lauthals verkünden mich beim nächsten Mal kürzer zu fassen. Außerdem findet erfreulicherweise eine Auseinandersetzung bezüglich einer Relevanz des Faschismusbegriffs mittlerweile auch in andereren linken Medien statt2, was zeigt wie richtig und wichtig diese für eine antifaschistische Theorie und die daraus resultierende Praxis ist.

Beim letzten Mal hatte ich mich mit jenen Theoretikern beschäftigt, die nach meiner Auffassung wichtige Geburtshelfer für die faschistische Ideologie waren. Außerdem ist die Entstehungsgeschichte der frühen faschistischen Bewegung Italiens etwas näher beleuchtet worden. Bevor ich diesmal etwas zur Machtergreifung und zum Ausbau der politischen Macht im faschistischen Staat schreibe, soll zunächst der Frage nachgegangen werden, wie es denn überhaupt zu einem Rechtsruck innerhalb der syndikalistischen Linken Italiens und schlussendlich zur Entstehung einer faschistischen Massenbewegung kommen konnte. Die Sorelianer waren schließlich nur eine kleine Minderheit und auch ein später vollzogener Schulterschluss mit anderen politischen Kräften erklärt nicht, wie der Faschismus binnen kürzester Zeit zur politischen Herrschaftsform avancieren konnte.

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Teil II: Von Links nach Rechts. Der revolutionäre Syndikalismus und die Geburt des italienischen Faschismus.

Im letzten Artikel beschäftigte ich mich mit der kulturellen Epoche des Fin de Siècle. Ich versuchte dabei deren Einflüsse auf eine entstehende faschistische Ideologie zu illustrieren. Auf der einen Seite konnte sich in jenen Tagen ein oftmals nicht hinterfragter Fortschrittsoptimismus etablieren, der den Menschen in den Mittelpunkt seines anthropozentrischen Weltbildes rückte und biologistische Gesellschaftsinterpretationen Vorschub leistete. Andererseits sollte eine fragwürdige Zeitdiagnostik das Zerrbild einer regressiven Antimoderne hervorbringen. Im Faschismus fanden diese beiden Strömungen zueinander. Die gesellschaftlichen Diskurse jener Zeit wirkten sich sehr nachhaltig auf die faschistische Negation bestehender Gesellschaften aus.

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Die Geschichte des Faschismus

Der Faschismus: Versuch einen ambivalenten Begriff zu analysieren.

“Der Faschismus hat einen Namen, der an sich nichts sagt über den Geist und die Ziele der Bewegung. Ein Fascio ist ein Verein, ein Bund, Fascisten sind Bündler, und Fascismus wäre etwa Bündlertum.1

Als der deutsche Sozialdemokrat Fritz Schotthöfer diese Worte im Jahre 1924 niederschrieb, war ihm wohl durchaus bewusst, dass der Terminus Faschismus an sich überhaupt nichts aussagt. Stattdessen erklärte er in dieser Schrift vielmehr Faschismus und Bolschewismus zu Brüdern im Geiste der Gewaltsamkeit2. Nun ist es aber falsch Schotthöfer deshalb zu einem Vordenker der so genannten Totalitarismustheorie zu erklären. Ein Blick auf die Geschichte des italienischen Faschismus beweist eher, dass zahlreiche Anhänger_innen des linkssyndikalistischen Flügels der italienischen Sozialisten - zu denen im Übrigen auch Benito Mussolini gehörte - einen wesentlichen Einfluss auf die entstehende faschistische Bewegung in Italien hatten. Das soll nicht heißen die italienische Linke oder zumindest große Teile davon waren per se willige Geburtshelfer_innen der PNF3. Es beweist aber, dass sich im italienischen Faschismus etwas ganz Neues die Bahn brach, dass nicht im Geringsten etwas mit bisher etablierten politischen Strömungen oder bekannten gesellschaftspolitischen Akteuren gemein zu haben schien.

Was Schotthöfer seinerzeit nicht ahnen konnte: Das Synonym “faschistisch” kennzeichnete schon längst eine Bewegung, die durch ihre Rigorosität und Brutalität jeden Versuch die menschliche Existenz ethisch und moralisch zu bestimmen in Frage stellen sollte. Generell hat sich die Geschichtsphilosophie seitdem mit der brennenden Fragestellung zu befassen, inwiefern aktuelle Gesellschaftsprozesse zwangsläufig in Barbarei münden. Kein Wunder also, dass es heutzutage auch Konsens ist, die faschistische Ideologie als unheilvollste, zugleich aber auch als massenwirksamste Ideologie des 20. Jahrhunderts zu begreifen.

In den Geisteswissenschaften, vor allem in den geschichtswissenschaftlichen Kontroversen, spielt die Faschismusforschung heute eine gewichtige Rolle. Es gibt mittlerweile zahllose Erklärungsversuche, wobei die meisten das Thema gründlich verfehlen. Wem es interessiert, einen sehr guten Überblick diesbezüglich liefert die umfangreiche aber lesenswerte Arbeit des amerikanischen Historikers Stanley Payne.

Dem Einen ist der Faschismus nur ein epochales Phänomen4. Andere vergleichen die faschistischen Bewegungen und bringen deren Gemeinsamkeiten, mindestens aber auch genauso viele Widersprüche zum Vorschein5. Dann gibt es noch zahlreiche unrühmliche Versuche den real existierenden Sozialismus mit dem Faschismus gleichzusetzen6 oder beide als ein Zwillingspaar zu interpretieren7. Den größten Einfluss auf dem Gebiet solch einer Geschichtsrelativierung hat hierzulande die so genannte Extremismustheorie. Die Apologet_innen8 jener Strömung ignorieren die ideologische Komponente völlig. Stattdessen wird konstatiert, es gäbe an den Rändern unserer Gesellschaft radikale Pole, welche die Autopoesis des gesellschaftlichen Systems irritieren. Die Mehrheitsgesellschaft wird so vom Vorwurf einer möglichen Affirmation faschistischer Ideologiefragmente freigesprochen.

Gleichwohl gibt es aber auch zahlreiche aufschlussreiche Arbeiten. Am informativsten erscheint mir persönlich die Strukturanalyse des kritischen Theoretikers Franz Leopold Neumann9, die sich allerdings nur auf den nationalsozialistischen Staat10v bezieht. Auch die Arbeiten der so genannten generischen Faschismusforschung11 liefern nennenswerte Anhaltspunkte für ein Verständnis faschistischer Ideologeme.

Wird heutzutage danach gefragt, was Faschismus eigentlich sei, dann erhält Mensch in der Regel immer nur Aussagen darüber, was der Faschismus eben gerade nicht ist: Er ist antidemokratisch, antihumanistisch und antiindividualistisch. Im Kern antipazifistisch, sogar bellizistisch - da der Krieg von ihm als regenerierende Kraft, als eine Art Katharsis gedeutet wird. Der Faschismus richtet sich gegen kosmopolitische, liberale, kommunistische, teilweise sogar gegen konservative Gesellschaftsvorstellungen. Der Faschismus lehnt den Parlamentarismus entschieden ab und möchte diesen durch ein autoritatives Führerprinzip ersetzen. Überhaupt delegitimiert sich der Faschismus ohnehin wegen seiner antipluralistischen, sozialdarwinistischen, rassistischen und antisemitischen Weltanschauung. Er wird zumeist als eine völlig irrationale Ideologie beschrieben. Die Diskussionen um eine inhaltliche Definition des Faschismusbegriffes wird also selbst im akademischen Milieu oftmals nur ex negativo geführt. Für eine inhaltsorientierte Begriffsbestimmung ist dies überhaupt nicht hilfreich. Eine solche ist aber notwendig, soll die Ideologie des Faschismus auch nur ansatzweise begriffen werden.

Wenn der Faschismus tatsächlich so irrational ist, wie so oft behauptet wird, warum konnte er sich dann modernster Formen der Massenkommunikation bedienen? Warum gelang den faschistischen Parteien, was sämtliche demokratische Kräfte nicht vermochten: Die Integration nahezu aller Gesellschaftsschichten und -klassen? Wie konnte einer solch irrationalen Lehre wie dem Faschismus im aufgeklärten Europa die bereitwillige Zustimmung der Bevölkerungsmehrheit zuteil werden?

Und der Antifaschismus? In der sich antifaschistisch gerierenden Linken ist die Definition, von einigen wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, zum reinen Kampfbegriff verkommen. Immer wieder stelle ich fest, trotz eindeutiger Positionen gegen neofaschistische und neonationalsozialistische Tendenzen seitens linker Aktivist_innen, ist in weiten Teilen dieser Linken nur ein geringes Maß an Wissen über den ideologischen Hintergrund, die historischen Voraussetzungen und die komplexe Entwicklungsdynamik der verschiedenen faschistischen Bewegungen und Regimes vorhanden. Eine antifaschistische Intervention muss so zwangsläufig scheitern, da sie sich nur an Neonazigruppen selbst abarbeitet, die ideologischen Komponenten und die Tatsache einer breiten Zustimmung seitens der Mehrheitsgesellschaft völlig ignoriert.

Zahlreiche traditionslinke Gruppen hängen leider immer noch immer der so genannten Agententheorie an, die besagt, der Faschismus sei die “offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals12”. Dieser reduktionistische Blickwinkel auf die vielschichtige Struktur faschistischer Ideologeme lässt eine Analyse zur rein phänomenologischen verkommen. Die Verantwortlichkeit einzelner Akteure und Interessensgruppen, sowie die Zustimmung breiter Bevölkerungsteile, sowie seine praktische Verwirklichung in jenen Ländern, in denen der Faschismus zur politischen Herrschaftsform avancierte, wird dadurch gekonnt ausgeblendet.

Die folgende Artikelreihe über die Geschichte des Faschismus soll deshalb zu einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit der Thematik anregen, ohne dabei den Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu erheben. In den folgenden Ausgaben dieser Zeitung soll über die unterschiedlichen faschistischen Bewegungen aufgeklärt, sowie deren gesellschaftliche Hintergründe näher beleuchtet werden. Außerdem möchte ich eine kritische Auseinandersetzung mit einer geschichtswissenschaftlichen Einordnung der faschistischen Ideologie und die mannigfachen Theorien zum Faschismus führen. Am Schluss all dieser Betrachtungen werde ich mich mit der Frage einer zwingenden Notwendigkeit antifaschistischer Interventionen bezüglich aktueller Gesellschaftsentwicklungen und der realen Gefahr möglicher Refaschisierungstendenzen befassen. Getreu einem Diktum Adornos, dass “die Bereitschaft zum Unsäglichen fortwest in den Menschen, wie in den Verhältnissen, die sie umklammern.13” Ich wünsche viel Vergnügen bei folgender Lektüre und freue mich bereits jetzt über jedwede kritischen Anmerkungen. Der erste Artikel befasst sich mit den kulturellen Wurzeln der faschistischen Ideologie im so genannten Fin de Siècle.

Anmerkungen:

1 zitiert aus Fritz Schotthöfer: “Il Fascio. Sinn und Wirklichkeit des italienischen Fascismus” Anmerkung: Etymologisch kann der Begriff vom lateinischen Substantiv fasces abgeleitet werden. Einer Art Rutenbündel, das von den Liktoren - der Leibwache ranghoher römischer Beamter - als Symbol der Macht des Imperium Romanum getragen wurde. In den zwanziger Jahren war die italienische Schreibweise recht verbreitet, weshalb gelegentlich vom Fascismus anstatt Faschismus die Rede ist.
2 zitiert nach Stanley Payne: Geschichte des Faschismus. Aufstieg und Fall einer europäischen Bewegung
3 Partito Nazionale Fascista. Nationalfaschistische Partei Italiens. Mit ihrer Gründung am 7. November 1921 wurde die Umwandlung der ebenfalls von Mussolini gegründeten paramilitärischen Fasci di Combattimento in eine umfassendere politische Vereinigung vollzogen
4 siehe in Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Action Francaise - Italienischer Faschismus - Nationalsozialismus
5 siehe in Robert Owen Paxton: Anatomie des Faschismus
6 siehe in Karl Dietrich Bracher: Zeit der Ideologien. Eine Geschichte politischen Denkens im 20. Jahrhundert
7 siehe in Ernst Nolte: Der europäische Bürgerkrieg 1917–1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus
8 Eckhard Jesse, Uwe Backes et al.
9 Franz Leopold Neumann: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944
10 Neumann untersucht in seinem Werk den strukturellen Aufbau des nationalsozialistischen Staates. Er greift bewusst auf die Metaphorik von Thomas Hobbes zurück. Neumann vergleicht den nationalsozialistischen Staat nicht mit dem Seeungeheuer Leviathan, dass bei Hobbes den Zusammenschluss zu einem Staatswesen versinnbildlicht. Vielmehr setzt er es mit Behemoth gleich, das für Hobbes antipodisch dazu den gesellschaftlichen Naturzustand der Gesetzlosigkeit symbolisiert
11 Juan Linz, George Lachmann Mosse, Emilio Gentile, Stanley Payne, Roger Griffin et al
12 Faschismusdefinition von Georgi Dimitrow, die er im Juli 1935 anlässlich des VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale in Moskau verkündete
13 zitiert aus Theodor Wiesengrund Adorno: Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit?

Teil I: Das Fin de Siècle und die Renaissance des Irrationalen

“Es war das Fin de Siècle, ein Mythos ohne Glanz. Man hatte sich so sehr an Schnelligkeit gewöhnt, dass sie nicht mehr leidenschaftlich und hoffnungsfroh beklatscht, sondern als Existenzgrundlage angesehen wurde.”1

Der Name Fin de Siècle2, der ursprünglich auf eine gleichnamige französische Komödie zurückzuführen ist, dient heutzutage eher der Umschreibung einer bestimmten kulturellen Epoche im ausgehenden 19. Jahrhundert bis etwa zum Ersten Weltkrieg. Sie wird auch das Zeitalter der Dekadenzdichtung genannt.

Historisch betrachtet war jene Ära von umfangreichen sozialen, gesellschaftlichen und politischen Spannungen geprägt. In der persönlichen Wahrnehmung der Zeitgenossen spielte wohl schon deshalb die Dekadenz, also der propagierte Verfall allgemein anerkannter Norm- und Wertvorstellungen eine besondere Rolle. Was war geschehen?

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