Artikel mit dem Tag „Gränitz“

Ausgabe #27 - April/Mai 2002

Seite 1 von Ausgabe #27

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Themen
Neuorganisation der Unterbringung von Asylbewerbern
Bündnis für mehr Menschlichkeit
Kein Nazizentrum in Gränitz
Chronik der rechten Gewalt in Freiberg
Anne Frank Ausstellung in Chemnitz
Unfälle
Film und Lyrik
Radio Darmstadt berichtet & Leserbriefe
Rätselseite
Abschied von der Barri

Die Ausgabe als PDF

Nazitreffen in Gränitz

Am 19. September trafen sich mehrere Dutzend Nazis in Gränitz. Unter ihnen befanden sich auch die NPD-?Stadträtin Heidelore Karsten aus Freiberg und Tino Felgner, Mitglied im Kreistag Mit­telsachsen. Vor und neben dem Haus parkten etwa 8 Naziautos mit Kennzeichen aus Freiberg und Miiweida. Das Treffen war vermutlich ein Austausch zwischen Freien Kräften und NPD.

Auf dem Infoblog gegen das Nazizentrum in Gränitz graenitz.blogsport.de sind die Geschehnisse um Deckert und sein Nazizentrum dokumentiert.

Vor 10 Jahren: Razzia in Gränitz

Der FreibÄrger dokumentiert in der Kategorie “Vor 10 Jahren…” ab sofort Artikel aus alten FreibÄrger-Ausgaben. Manches hat sich leider nicht geändert…

Die Frankfurter Rundschau berichtete am 13. Juni 1992, dass ca. 90 Beamte in Kampfanzügen um 3:30 Uhr in die Flüchtlingsunterkunft in Gränitz eingedrungen seien. Zuvor hatten die Beamten mit heruntergeklappten Helmvisier und Hunden die Asylunterkunft umstellt, Anschließend wurde das Haus, in dem rund 45 Flüchtlinge, vor allem Familien, untergebracht waren, mit Rufen wie “Scheißasylant” und “Raus” gestürmt. Die Menschen, die zunächst an einen Überfall von Neonazis dachten, hätten versucht, die Türen zuzuhalten. Diese wurden zum Teil eingeschlagen. Der Sohn einer syrischen Familie, der die Tür geöffnet hatte, wurde sofort mit dem Schlagstock verprügelt und sein Vater in den “Schwitzkasten” genommen. Auch ein Kurde, der sich geweigert hatte, die Tür aufzumachen, wurde anschließend von Beamten zusammengeschlagen. Dabei erlitt er erhebliche Verletzungen. Frauen wurden von ihren Kindern weggerissen und - egal wie bekleidet - ins Erdgeschoss gebracht. Nach Auskunft der zuständigen Polizeidirektion in Freiberg war der Einsatz wegen dringender Verdachtsmomente auf massiv begangene Straftaten erfolgt. Kriminaldirektor Hans Schmid, Leiter der Polizeidirektion Freiberg, begründete die von ihm angeordnete Aktion damit, dass es “eine zunehmende Beunruhigung in der Bevölkerung wegen der steigenden Kriminalität durch Ausländer” gebe. Genauere Zahlen konnte Schmid der Frankfurter Rundschau nicht nennen. Darüber hinaus fand die Polizei bei der Razzia in Gränitz keinerlei Diebesgut.

Aus fbÄ #57, Aug/Sept 2007

Gränitz: Neonazi-Konzert ausgefallen

Ein am 03. April im sächsischen Gränitz bei Freiberg geplantes Neonazi-Konzert wurde von der Polizei verhindert. Mehrere Dutzend angereiste Neonazis aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Tschechien sammelten sich daraufhin in einem Szene-Objekt in Dresden-Reick, wo sie jedoch keine Konzertveranstaltung mehr durchführten.

Eingeladen zu dem Konzert hatte der Dresdner Neonazi Maik Müller. Er hatte die Veranstaltung als “private Geburtstagsfeier” tituliert und hoffte dadurch, die Einsatzkräfte der Polizei daran hindern zu können, gegen das Konzert vorzugehen. Als Veranstaltungsort sollte der “Gasthof Gränitz” dienen. Die ehemalige Dorfgaststätte war 2001 vom ehemaligen NPD-Bundesvorsitzenden Günter Deckert erworben und seither unregelmäßig für neonazistische Treffen und Veranstaltungen genutzt worden. Ursprünglich plante Deckert hier einen für die bundesweite neonazistische Szene relevanten Treffpunkt zu etablieren, was bisher jedoch nicht gelang. Auftreten sollten am Abend des 3. April fünf Bands aus der RechtsRock-Szene. Darunter “Sachsonia” und “Priorität 18″ aus der Region Dresden und die tschechische Neonazi-Band “Attack”. Da nach Angaben der Polizei bei dem Auftritt dieser als einschlägig bekannten Bands zu erwarten war, dass es zu Straftaten kommen könne, wurde das Konzert unterbunden. Anreisenden Neonazis wurden dazu Platzverweise erteilt. In Folge dessen reisten nun mehrere Dutzend Neonazis frustriert nach Dresden, um dort in einem Szene-Objekt auf der Oskar-Röder-Straße den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Auch hier waren Polizeibeamte vor Ort, beobachteten aber lediglich präventiv das Geschehen und griffen nicht ein. Ein Konzert fand in den Räumen des szene-intern als “Baubude” bezeichneten Klubs nicht statt. Frustriert und enttäuscht äußerten sich im Nachhinein Neonazis im Internet. Bemängelt wurde, dass der in der Einladung von Maik Müller angegebene Vorabtreffpunkt an der Autobahn Dresden-Chemnitz zu spät besetzt war und zudem zu spät erst die Information über die Konzertabsage erfolgte. Ausserdem beklagte Maik Müller selbst sich darüber, dass schon Stunden vor dem Konzert der geplante Veranstaltungsort Gränitz über SMS-Verteiler bekannt gemacht wurde.

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Richtige Deutsche gegen Nazis

Unter dem Titel “Kein Nazizentrum in Gränitz und auch nicht anderswo!” luden die gleichnamige Bürger_inneninitiative und die Friedrich-Ebert-Stiftung am 6. November zu einer Diskussionsveranstaltung ins Brand-Erbisdorfer Stadthaus ein. Auf dem Podium saß neben Herrn Dr. Martin Antonow, dem Bürgermeister von Brand-Erbisdorf, und Dr. Simone Raatz (MdL, SPD) der Bürgermeister von Delmenhorst, Patrick de La Lanne (SPD). Die Stadt Delmenhorst geriet 2006 in die Schlagzeilen, als der Hamburger NPD-Rechtsanwalt und Holocaustleugner Jürgen Rieger bekannt gab, ein leerstehendes Hotel erwerben und dort ein NPD-Schulungszentrum errichten zu wollen. Mit Hilfe eines breiten Bündnisses aus Parteien, Gewerkschaften, Kirche, Antifa und Zivilgesellschaft gelang es dieses Jahr allerdings, die Pläne zu vereiteln, und so erhoffte mensch sich von de La Lanne fruchtbare Impulse, Erfahrungen und Anregungen, wie mit der Situationen in Gränitz umzugehen ist und wie interagiert werden kann. In Gränitz erwarb der ehemalige NPD-Vorsitzende, inzwischen aber aus der Partei ausgeschlossene, Günther Deckert im Jahr 2001 für ca. 5.000 DM den alten Gasthof. Seitdem halfen bekannte Nazis aus der Region bei der Renovierung des Gebäudes. Trotz Verbots der öffentlichen Nutzung wurden Konzerte und Veranstaltung durchgeführt. So besuchten am 9. August 2008 etwa 120 Neonazis ein Konzert der NS-Hardcore-Bands “Thrima”, “Guiltily the Pain”, “Painful Awakening” und “Diary of a Dying Nation” im alten Gasthof. Es wird vermutet, dass Deckert auch ein Schulungszentrum errichten will und der Gasthof als Ausgangs- und Rückzugsort für Naziaktivitäten dienen soll. Soweit die Situation in Gränitz.

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Neonazikonzert in Gränitz

Nach Angaben von lokalen Antifaschist_innen fand am Samstag, dem 9. August im Brand-Erbisdorfer Stadtteil Gränitz bei Freiberg ein Nazikonzert mit den “National-Socialist-Hardcore”(NSHC) Bands “Thrima” (Norddeutschland), “Guiltily the Pain” (Löbau), “Painful Awakening” (Mecklenburg-Vorpommern) und “Diary of a Dying Nation” (Altenburg) statt. Ca. 120 Neonazis besuchten das Konzert im Haus des ehemaligen NPD-Vorsitzenden und Holocaustleugners Günther Deckert.

Die Polizei griff nicht ein, weil das Konzert vermutlich als private Geburtstagsfeier getarnt wurde. Antifaschist_innen aus der Region warnen schon seit Jahren, dass sich im ehemaligen Gasthof Gränitz, welchen Deckert bereits im Jahr 2001 erworben hatte, aber aufgrund eines Rechtsstreites erst seit 2007 als Miet- und Wohnhaus nutzen darf, ein regionales Nazizentrum entwickeln könnte.

Mehr Infos zu regionalen Nazistrukturen und dem entstehenden Nazizentrum in Gränitz findet ihr in Zukunft auf der Internetseite der Antifaschistischen Gruppe Freiberg: afg.blogsport.de und unter nazisenthausen.blogsport.de.

Das Deutsche Haus

Über das entstehende Nazi-Zentrum in Gränitz

Über Immobilienkäufe von bekannten Neonazis wie dem NPD-Anwalt Jürgen Rieger konnte mensch in den vergangenen Jahren eine Menge hören. Eine Zeit lang wurde in den deutschen Medien über den Fall in der Stadt Delmenhorst berichtet, wo Rieger für mehrere Millionen Euro ein altes Hotel kaufen wollte um dort ein Nationales Zentrum zu errichten. Er scheiterte jedoch am breiten Protest von AntifaschistInnen und bürgerlichen Kräften. Doch auch in der Nähe von Freiberg gibt es einen wenig beachteten Hauskauf eines bundesweit bekannten Neonazis.

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