Artikel mit dem Tag „Krise“

Wer Deutschland liebt, muss Griechenland hassen!

Ende April stufte die private Ratingagentur S&P („Standards and Poor“) die Kreditwürdigkeit - oder Bonität - Griechenlands nach mehreren vorausgehenden Abstufungen auf den „Schrottstatus“ herunter. Damit äußerten sich die derben Zweifel, dass der hoch verschuldete griechische Staat aufgenommene Kredite zurückzahlen kann. So sind doch die über die Jahre gesammelten Schulden mit 115,1% des BIP (2009) weitaus höher, als die gesamte griechische Wirtschaft im Jahr 2009 an Wert geschaffen hat!1 Berechtigterweise stellten daraufhin sehr viele Anleger_innen ihre Kreditinvestitionen in Griechenland ein, da sie die Rückzahlung ihrer Anleihen samt Zinsen nicht erwarten konnten. Zudem bedeutet die Herabstufung der Bonität Griechenlands, dass es mit dem sogenannten Risikozuschlag überhöhte Zinsen zurückzahlen, also dem Anlieger das Risiko, in sich selbst zu investieren, bezahlen muss. Dieses Risiko wollten aber die Meisten nicht mehr eingehen, sodass der Staat fällige Rückzahlungen nicht mehr mit neuen Krediten bezahlen konnte. Die Zahlungsunfähigkeit, oder der Staatsbankrott - wie gesagt wird - wäre zu diesem Zeitpunkt erreicht. Da nun einmal die europäische Währung - der Euro - auch in Griechenland gilt, waren die übrigen Euro-Länder gezwungen, es nicht soweit kommen zu lassen, da nun durch akute Inflationsgefahr auch die „eigenen“ Volkswirtschaften betroffen waren. Mit einem europäischen Hilfspaket, an dem auch Deutschland seinen Anteil hat, versuchten die Euro-Länder vor allem, sich selbst vor einer erneuten Wirtschaftskrise zu retten. Nur die Deutschen sehen das anders: Dass der „deutsche Steuerzahler“ jetzt für die „Pleite-Griechen“ zahlen sollte, wie behauptet wurde, war einfach zu viel; der Startschuss für eine Hetzkampagne gegen die vermeintlichen Selbst-Verursacher der Krise, quer durch die ganze Republik, war ertönt.

Die Bildzeitung titelte groß „Warum zahlen wir den Griechen ihre Luxus-Renten?“ und berichtete aus Griechenland, wie gut es den Menschen dort mit ihren riesigen Renten und Diäten gehe und dass sie bald ganz entspannt die „Finanzspritze feiern“ würden. Dazu Bilder von Espresso trinkenden Griechen in einem Café. Überall wurde von „Pleite-Griechen“ geredet, die erst zu faul zum Arbeiten gewesen sind und sich jetzt vom fleißigen deutschen Steuerzahler ihre Diäten bezahlen ließen. Die „Finanz-Zocker“ schließlich hätten alles nur noch schlimmer gemacht und auch noch davon profitiert. Ja, sogar einen „Angriff auf den Euro“ warf man ihnen vor. Ähnliches äußerte auch unser Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm und sagte während seiner Rede auf dem Freiberger Europafest am 5. Mai: „Die griechische Sonne ist dafür verantwortlich, dass wir uns warm anziehen müssen“. Die Grundaussage war überall gleich: Die Griechen sind selbst verantwortlich für „ihre Krise“ und die fleißigen Deutschen haben damit nichts am Hut. Deshalb dürfe es auch nicht sein, dass die Deutschen den Griechen helfen. Verschiedenen Umfragen zufolge lehnten bis zu 75% der Deutschen die Hilfszahlungen für Griechenland ab. Außerdem müsse man anfangen, sich effektiv gegen die Finanzheuschrecken - die Saboteure des “ehrlichen Wirtschaftens” - zu verteidigen.

Allesamt haben die zum Teil bösartig formulierten Erklärungsversuche der „Griechenland Krise“ gemeinsam, dass sie sich menschliche Akteure als Verursacher suchen. Ob die angeblich faulen Griechen, oder die gierigen Finanz-Zocker, sie seien dafür verantwortlich, dass ein geregeltes Wirtschaften nicht mehr stattfinden konnte. Die Begründungen sind eher hohle Phrasen, als wirkliche Erklärungen, wie an den „faulen Griechen“ oder den „Finanz-Zockern“, die angeblich den „Euro angreifen“, unschwer zu bemerken ist. Dennoch sind solche Ressentiments ernst zu nehmen. Sie drücken nämlich das Unvermögen der bürgerlichen Ideologie aus, Krisenphänomene aus der kapitalistischen Produktionsweise heraus zu erklären und zu kritisieren. Stattdessen wird versucht, mit absurdesten Behauptungen Schuld und Verantwortung von sich zu weisen. Eine rationale Analyse der Krise würde nicht übersehen, dass unter anderem Deutschland als Exportriese, die griechischen Märkte geradezu mit deutschen Waren überflutete und dabei kräftige Gewinne einsteckte, wie zuletzt mit dem Verkauf von U-Booten an die griechische Marine. Doch die Bundesregierung beschwört stets nur die Schuld der Griechen, die „über ihre Verhältnisse gelebt“ hätten und verschleiert damit nur ihre eigenen Mitschuld an der Krise, deren Ursachen u.a. auch in der einseitigen Exportorientierung der deutschen Wirtschaft liegen. Deutschland ist das einzige Land in Europa mit einer negativen Reallohnentwicklung in den letzten zehn Jahren und eines der Länder mit der geringsten Anzahl an Streiktagen pro Beschäftigten. Die geringen Lohnkosten und die fehlende deutsche Binnenkonjunktur gehen zu Lasten aller anderen EU-Mitgliedsstaaten, die mit billig produzierten deutschen Waren überschwemmt werden, selbst aber viel weniger nach Deutschland exportieren können. »Nun, zum schlechtest möglichsten Moment, wendet sich Deutschland nationalistischen Illusionen zu«, so die New York Times. »Europas frühere ökonomische Erfolge werden als deutsche Erfolge angesehen. Für Europas aktuelle Schuldenprobleme sind hingegen alle verantwortlich, nur nicht Deutschland.«

Nun wird versucht, Deutschland mehr Einfluss zukommen zu lassen, natürlich als Konsequenz aus der Krise, denn wenn schon Finanzhilfen geleistet würden, dann ja wohl nicht ohne Gegenleistungen. Vielleicht mit der Abgabe gewisser Rechte der nationalen Souveränität Griechenlands? Man wird bangen müssen, dass es nicht soweit kommt. Deutschlands dritter Griff zur Weltmacht? Der Euro kann’s möglich machen. „Mit dem Euro, einer Fortsetzung der D-Mark mit anderen Mitteln – man nennt diesen Plan die Maastricht-Kriterien – sollten die übrigen, wirtschaftlich schwächeren, weniger tüchtigen, weniger sekundärtugenfhaften Nachbarn durch pure Ökonomie in die Rolle jener “Hilfs-“ oder „Randvölker“ gezwungen werden, denen schon Hans Kehrl, der Präsident der Reichswirtschaftskammer, die Dreckarbeit hatte überlassen wollen.“2

1staatsverschuldung.de
2Konkret 6/2010, Gremlizas Kolumne

Kritik und Krise

Im Dezember lädt die alternative Stadtzeitung FreibÄrger zu zwei Vortragsveranstaltungen in die neuen Räumlichkeiten des soziokulturellen Vereins Roter-Weg e.V. ein.

Flyer zum Runterladen

veranstaltung-kritik-und-krise

Donnerstag, 10. Dezember
Kritische Theorie – Kritik und Krise I:

Die marxsche Gesellschaftskritik: “alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist …” (Marx)

Der Vortrag führt in grundlegende Begriffe und Zusammenhänge der Marxschen Theorie ein: Gesellschaft, Produktivkräfte, Produktionsverhältnisse, Fetisch, Ideologie, Reichtum, Wert, Ware, Geld, Kapital, Arbeit, Profit, Klassen. Was ist die kapitalistische Gesellschaft? Wie stellt sich ihr Zusammenhalt her und was treibt sie auseinander? Wie hängen in ihr Denken und Handeln zusammen? Wir verhalten sich Individuum und Gesellschaft: Ist die kapitalistische Produktionsweise von einzelnen Menschen gemacht oder eine ihnen vorausgesetzte objektive Struktur? Oder keines von beiden? Welche Rolle spielen die Krisen und warum treten sie auf? Warum waren sie Marx ein entscheidender Grund zur Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft? Ist diese eine historische Errungenschaft? Oder ist sie rücksichtslos zu kritisieren? Oder beides? Was hat es mit der freien Entfaltung aller Individuen und der Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums durch diese – frei zusammengeschlossenen – Individuen auf sich?

Referent: Martin Dornis (freier Autor, Mitglied im Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus)

Donnerstag, 17. Dezember
Kritische Theorie – Kritik und Krise II:

Gesellschaftskritik nach Auschwitz: „…dass… nichts ähnliches geschehe“ (Adorno)

Im 19. und 20. Jahrhundert zwangen die Entwicklungen der kapitalistischen Gesellschaft zu einer Neuformulierung der kritischen Theorie. Im deutschen Nationalsozialismus hatte sich bewiesen, dass die kapitalistische Gesellschaft an ihren Krisen nicht zwangsläufig scheitern muss, wie es Marx vermutet und gehofft hatte. Vielmehr kann es dazu kommen, dass sie sich durch antisemitischen Massenwahn und unter Regie eines autoritären Staates gewaltförmig zusammenhält. Die Krise, die laut Marx die kapitalistische Gesellschaft auseinander treiben würde, wird dabei zu dem, was sie allein noch zusammenhält. Die Ideologie, insbesondere der Antisemitismus, kann nicht mehr als Ergebnis der Gesellschaft beschrieben werden. Vielmehr wird er selbst zum Grund, aus dem die Gesellschaft noch existiert: Das nazifaschistische Deutschland muss als ein „Produktionsverhältnis des Todes“ (isf) beschrieben werden. Im Moment des krisenhaften Zerbrechens der kapitalistischen Gesellschaft wurde in Deutschland der gesellschaftliche Zusammenhalt durch Massenmord gestiftet. Dies erzwingt eine völlig neue Art von Gesellschaftskritik mit veränderter Perspektive: Die Gesellschaft so einzurichten, dass sich derartiges nicht wiederholt.

Referent: Martin Dornis (freier Autor, Mitglied im Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus)

wann: immer 19 Uhr
wo: Roter Weg 43

Ermöglicht werden die Veranstaltungen durch die freundliche Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Wie immer gilt: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Vom Mangel zum Bewusstsein?

Veranstaltung im Rahmen der Seminarreihe Wrackt’s ab, Rockers! - Krise und Kritik des Kapitalismus

Vom Mangel zum Bewusstsein? – Vertreter der Gruppe krisis zum Ressourcenproblem des Kapitalismus

Nicht nur eine innere Schranke der Kapitalverwertung tue sich derzeit auf, sondern auch eine äußere werde erkennbar: die Begrenztheit und Gefährdung der natürlichen Ressourcen. Auch Kurz’ Exkollegen von der krisis – Gruppe oder Sozialwissenschaftler wie Elmar Altvater sehen das so, erstere machen schon Vorschläge für eine Rationierung von Benzin. Wenn es derzeit auch schauerlich um den emanzipatorischen Gehalt dieser Kritiken bestellt ist, was ist dran an der Verbindung zwischen “Peak Oil” und dem Finanzcrash im Oktober 2008?

Wann: Mittwoch, 1. Juli , 19 Uhr
Wo: Tee-Ei, Untermarkt 5, Freiberg

Zur Einstimmung und Vorbereitung auf das Seminar sei das Interview “Die Welt - ein Dorf” mit Andreas Exner empfohlen.

Wie immer gilt: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Alles ist so komplex

Veranstaltung im Rahmen der Seminarreihe Wrackt’s ab, Rockers! - Krise und Kritik des Kapitalismus

Alles ist so komplex – Kapitulation der kritischen Theorie?

Mit der grundlegenden Behauptung der Unerkennbarkeit der Welt, so der Hamburger Soziologe Gerhard Stapelfeldt, schalte das neoliberale Denken die klassische linke Kritik am Kapitalismus still. Die Konsequenzen der Krise seien derzeit noch nicht absehbar, um so schwerer wiege die Schwäche emanzipatorischer Kritik. Was ist neoliberale Ideologie? Besteht sie tatsächlich nur aus Rationalisierung und Deregulierung? Welche Bedeutung haben derzeit neoliberale und ordnungspolitische Ansätze beim staatlichen Versuch der Krisenbewältigung?

Wann: Mittwoch, 24. Juni , 19 Uhr
Wo: Tee-Ei, Untermarkt 5, Freiberg

Als Einstimmung und Vorbereitung auf das Seminar sei der Vortrag “Zum Verhältnis von Krise und Kritik” von Gerhart Stapelfeldt empfohlen.

Wie immer gilt: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

to know the worst

Veranstaltung im Rahmen der Seminarreihe Wrackt’s ab, Rockers! - Krise und Kritik des Kapitalismus

to know the worst - die position der initiative sozialistisches forum zur krise

Gesellschaft stellt sich unter den aktuellen bürgerlich kapitalistischen Verhältnissen als etwas Negatives dar: als der Ausschluss aller durch alle. Vor diesem Hintergrund kritisiert Jochen Bruhn von der initiative sozialistisches Forum sowohl Robert Kurz als auch Moishe Postone. Kurz produziere Krisentheorie, aber keine Gesellschaftskritik, Postone begehe den Fehler der ökonomistischen Reduktion des Wertbegriffs. Was ist gesellschaftliche Totalität? Wie ist das Auseinanderfallen von Gebrauchs- und Tauschwert im Kapitalismus kritisch zu betrachten? Welche Rolle spielt der Staat? Wie bildet sich die Krise innerhalb der Gesellschaft selbst ab?

Wann: Mittwoch, 17. Juni , 19 Uhr
Wo: Tee-Ei, Untermarkt 5, Freiberg

Als Einstimmung und Vorbereitung auf das Seminar sei der Mitschnitt eines Vortrages “Zum Begriff der Gesellschaft” von Joachim Bruhns (ISF) empfohlen.

Wie immer gilt: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Nach dem Big Bang ist vor dem Big Bang

Veranstaltung im Rahmen der Seminarreihe Wrackt’s ab, Rockers! - Krise und Kritik des Kapitalismus

Nach dem Big Bang ist vor dem Big Bang – Die Krisentheorie der Gruppe Exit.

Wie erklärt Robert Kurz mit Hilfe der marxschen Kategorien Wert, Ware, Geld, Kapital die aktuelle Krise? Welche Bedeutung hat hierbei die These vom Abschmelzen der Wertsubstanz? Inwiefern bietet die Kurzsche Beschreibung Ansätze für eine Kritik an den derzeitigen Formen von Krisenideologie, der Fixierung auf Bankerboni z.B. und was lässt sich von Konjunkturpaketen und Verstaatlichungen zur Krisenlösung erhoffen?

Wann: Mittwoch, 10. Juni , 19 Uhr
Wo: Tee-Ei, Untermarkt 5, Freiberg

Wie immer gilt: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Wrackt’s ab, Rockers! - Krise und Kritik des Kapitalismus

Seminarreihe im Zusammenarbeit mit dem Bildungskollektiv in Chemnitz

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Mit der “Kernschmelze der Finanzwirtschaft” vom Oktober 2008 sieht kaum noch ein Beobachter weniger als die tiefste Wirtschaftskrise seit der großen Depression Anfang der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts für gekommen. Linke wie der Rätekommunist Paul Mattick hielten die damalige Weltwirtschaftskrise für “die Todeskrise des Kapitalismus.” Tatsächlich aber brach der Kapitalismus nicht in sich zusammen, wurde der Kapitalismus nicht durch eine Revolution hinweggefegt, sondern unter der faschistischen Barbarei im Namen seiner Überwindung neu organisiert. “Die Revolution war nicht da, es kam Auschwitz.” (Gerhard Stapelfeldt)

Für die kritische Analyse der Gesellschaft ist Auschwitz nicht nur als der Zivilisationsbruch zu denken, sondern auch als Bruch zu jeglicher bis dahin formulierten Kritik des Kapitalismus und zu jeglicher Utopie seiner Überwindung.

Die Weltwirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts und die faschistische Barbarei legitimierten auch den Versuch, ein sozialistisches System zu errichten und dies im Namen des Klassikers Marx. Allerdings ohne die Lektüre seines Hauptwerks “Das Kapital”. Das Zusammenfallen des “Kasernenhofsozialismus” nach 1989 ließ scheinbar den Kapitalismus am “Ende der Geschichte” als Sieger zurück.

Kritiker wie Wolfgang Pohrt und Robert Kurz formulierten bereits in den 80er Jahren eine andere Kritik am Kapitalismus als die Arbeiterbewegung. Kurz sah gar den Zusammenbruch des Ostblocks nur als Vorspiel des Zusammenbruchs auch des wettbewerbskapitalistischen Systems an. Ist dieser jetzt gekommen? Und wenn nein, müssten die Kritiker von Herrschaft und Ausbeutung darauf warten?

Die Seminarreihe hat einführenden Charakter und will anknüpfend an Internet-Audio-Vorträge aus dem Spektrum zwischen kritischer Theorie und Wertkritik die Grundzüge der wertkritischen Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus, seiner Krise(n) und seiner deutschen Form vorstellen. Es soll verdeutlicht werden, wie eine Kritik des Kapitalismus mit Hilfe der Kategorien von Wert, Ware, Geld, Kapital formuliert wird und welche Kontroversen hierbei bestehen.

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