Artikel mit dem Tag „KZ Freiberg“

Auf den Spuren jüdischer Geschichte in der Bergstadt Freiberg

Veranstaltungshinweis

Quelle:http://www.juden-in-mittelsachsen.de/stadtrundgang/roterweg.html

Quelle:http://www.juden-in-mittelsachsen.de/stadtrundgang/roterweg.html

Am Mittwoch, dem 23.06.2010, besteht die Möglichkeit, an einer ca. 90-minütigen Stadtführung mit Dr. Michael Düsing teilzunehmen. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Ecke Roter Weg/Platz der Oktoberopfer.

Der Stadtrundgang zur “Geschichte der Juden in Freiberg” gibt einen Überblick über die bisher weitgehend verdrängte und vergessene Geschichte der Juden in der sächsischen Bergstadt.

Er ermöglicht, diese Geschichte anhand ausgewählter und beispielhafter Stationen innerhalb der Stadt nachzuvollziehen, obwohl sichtbare Sachzeugnisse jüdischen Lebens in Freiberg nicht mehr zu finden sind.

Großer Wert wird darauf gelegt, das Leben und die Leistungen jüdischer Bürger der Stadt in Handel, Wirtschaft, Wissenschaft, Medizin und Kultur nachvollziehbar werden zu lassen, mit denen sie Wertvolles und Unverzichtbares zum Aufblühen und Ansehen der Stadt und seiner Bewohner beitrugen. Zugleich wird der Judenhass und Antisemitismus an Beispielen der Verfolgung der Juden in Freiberg dokumentiert.

Der Rundgang beginnt am Roten Weg, im Gebiet des ehemaligen “Judenbergs”, im Mittelalter vor den Stadttoren Freibergs gelegen. Mit seiner Bezeichnung erinnerte dieses Stadtgebiet bis in das 19. Jahrhundert hinein an die frühe mittelalterliche Ansiedlung einer vermutlich ansehnlichen jüdischen Gemeinde. Diese Station erinnert daran, dass Juden eine wichtige Rolle im Handel und Finanzsystem der entstehenden Silberbergstadt Freiberg bis zu ihrer Vertreibung in der Mitte des 15. Jahrhunderts spielten.

Weitere Stationen des Rundgangs führen an Orte, an denen in der Neuzeit - seit der Mitte des 19. Jahrhunderts - jüdische Geschäfte, Arztpraxen, Unternehmen existierten. Jüdische Geschäfte waren mit ihrem attraktiven, oft preiswerten Warenangebot und dem hervorragenden Kundenservice Anziehungspunkt für viele Freiberger. Das Schocken-Kaufhaus in der Freiberger Petersstraße gehörte seit 1914 zu den modernsten Warenhäusern Sachsens und Deutschlands und bot seinen Angestellten damals einzigartige Sozialleistungen. Jüdische Ärzte genossen ein bemerkenswertes Ansehen. In Erinnerung gerufen wird das Wirken jüdischer Wissenschaftler an der traditionsreichen Bergakademie, die großen Anteil am weltweiten Ansehen dieser einzigartigen Lehrstätte der Bergbaukunde, Geologie und Erzverhüttung hatten.

Der Rassenhass und Antisemitismus, den die Nazis zum organisierten, kaltblütigen Völkermord an Juden perfektionierten, vernichtete jüdisches Leben auch in Freiberg mit beispielloser Menschenverachtung und Grausamkeit. Der Stadtrundgang erinnert an einige der hier einst lebenden jüdischen Familien, die verfolgt, gedemütigt, vertrieben und ermordet wurden. Seit 2007 erinnern so genannte Stolpersteine vor den Wohnhäusern ermordeter Juden an deren Schicksal. Am Ende der perfiden Naziherrschaft entstanden auch in Freiberg Stätten der “Vernichtung durch Arbeit” - KZ-Außenlager, in denen jüdische Frauen, von Auschwitz nach Freiberg deportiert, Zwangsarbeit für die Nazi-Rüstungsindustrie leisten mussten.

Veranstalter:
CJD Geschichtswerkstatt Freiberg, “Buntes Haus” am Wasserberg
Tschaikowskistr. 57a, Mail: bunteshaus[at]cjd-chemnitz.de

in Zusammenarbeit mit dem Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg

Kontakt und Anmeldung: info[at]museum-freiberg.de

Eine weitere Stadtführung findet am Mittwoch, dem 29.09.2010, um 14 Uhr am selben Ort statt.

Bericht über die Gedenkkundgebung für die Opfer des Nationalsozialismus

Kundgebung der Antifaschistischen Gruppe Freiberg am Rathaus

Kundgebung der Antifaschistischen Gruppe Freiberg am Rathaus

Am 27. Januar, dem 65. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee, versammelten sich in Freiberg ungefähr 25 überwiegend junge Menschen am Rathaus, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Aufgerufen zu der Gedenkkundgebung hatte die Antifaschistische Gruppe Freiberg, die mit der Aktion vor allem an die Opfer des KZ Außenlagers in Freiberg erinnern, sowie eine Kritik am Antisemitismus und am deutschen Nationalismus formulieren wollte.

Über die Geschichte des KZ Außenlagers und das Leben der Opfer konnte man sich auf der Kundgebung beim Besichtigen einer kleinen Ausstellung, die aus drei A1 Plakaten bestand, informieren. Am Infostand gab es zusätzlich die Möglichkeit sich bei der Lektüre von Flyern und diversen Büchern einmal tiefgehender mit dem Thema zu beschäftigen.

Redebeiträge gab es unter anderem von der Antifaschistischen Gruppe Freiberg zum Thema „Was ist Antisemitismus?“ und zur Geschichte des 27. Januar. Mehr Informationen zum KZ Außenlager Freiberg sind bei„Shalom-Mittelsachsen“ oder in den Büchern „Wir waren zum Tode bestimmt – Jüdische Zwangsarbeiterinnen erinnern sich“ von Michael Düsing und in Pascal Cziborras Buch „KZ Freiberg“. zu finden.

mehr Infos

Gedenkkundgebung für die Opfer des Nationalsozialismus

Aufruf der Antifaschistischen Gruppe Freiberg

Nie wieder Volksgemeinschaft – Nie wieder Deutschland

Gedenkkundgebung für die Opfer des Nationalsozialismus

Mittwoch, 27. Januar 2010 – 16 Uhr – Freiberg – Obermarkt

Am 27. Januar 1945 befreiten die Soldat_innen der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Etwa 6000 Häftlinge, die für lange Märsche zu schwach oder krank waren, waren dort von den Deutschen zurückgelassen worden. Die anderen etwa 60000 Häftlinge, die noch am Leben waren, wurden bereits vier Tage zuvor auf Todesmärschen in Richtung Westen getrieben. Während die alliierten Truppen unaufhaltsam vorrückten, wurden in den von Deutschen kontrollierten Gebieten weiterhin unablässig Menschen in Konzentrationslager deportiert und dort vergast. Selbst im Angesicht des drohenden Zusammenbruchs wurden große Ressourcen für die sog. „Endlösung“ mobilisiert. Erst die Befreiung durch die alliierten Truppen konnte das deutsche Mordkollektiv stoppen.

In Freiberg befand sich seit August 1944 ein Außenlager des KZ Flossenbürg, das aus rund 1000 weiblichen jüdischen Häftlingen bestand, die zur „Vernichtung durch Arbeit“ im KZ Auschwitz-Birkenau erfasst worden waren. Auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Freiberg auf der Himmelfahrtsgasse und auf der Frauensteiner Straße mussten die Häftlinge für die „Freia GmbH“, ein Betriebsteil der Arado-Flugzeugwerke GmbH Potsdam-Babelsberg, die zu den führenden Luftrüstungsunternehmen Deutschlands gehörte, Zwangsarbeit leisten. In bis zu 14 Stunden langen Schichten wurden unter anderem Tragflächen des Jagdflugzeugs Me 109 und Zielvorrichtungen für die V2 hergestellt. Ein anderes Freiberger Unternehmen, die Deutsche Seil- und Drahtfabrik, produzierte den Stacheldraht des Vernichtungslagers Treblinka. In Oederan, Flöha und Hainichen mussten weitere 1600 Menschen Zwangsarbeit leisten.

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KZ Freiberg: Geheime Schwangerschaft

KZ-FreibergEine Buchkritik

Infolge des wachsenden Arbeitskräftemangels wurden seit dem Frühjahr 1942 zunehmend jüdische KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter insbesondere in der deutschen Rüstungsindustrie eingesetzt. Die Häftlinge wurden dazu in die Orte vor allem im Reichsgebiet gebracht, in denen sich Industriebetriebe befanden und dort in so genannten Außenlagern untergebracht. Die Außenlager waren den Haupt-Konzentrationslagern zugeordnet, verfügten allerdings über eigene Lagerstrukturen. Die rücksichtlosen Arbeitseinsätze der Häftlinge stellten ihrer Intention nach einen Teil des systematischen Vernichtungsprozesses der Juden dar. Auch dem KZ Flossenbürg in Franken waren über 100 solche Außenlager zugeordnet.

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