Vom Sinn und Unsinn des Festes der Kulturen (II)
27. April 2011
Zuschrift per Mail
Dass die Stellungnahme nicht die Meinung des ganzen Arbeitskreises wiedergibt, wird deutlich durch die fünf Namen der Mitglieder unter diesem Beitrag; der Arbeitskreis Eine Welt und Integration zählt mehr als fünf Mitglieder. Ich hatte meine Zustimmung verknüpft mit der Bedingung im 4. Abschnitt den letzten konditionalen Nebensatz zu streichen, der wie folgt lautet: „wenn dabei jedes Mitglied die gleiche Zielstellung vor Augen behält, nämlich das Fest zu einer Begegnung der Vertreter der verschiedenen Kulturen zu machen“. Das Agendabüro war leider nicht bereit auf diesen Satz zu verzichten, beurteilte ihn als „nicht schädlich“ und veröffentlichte dann diese Stellungnahme ohne meinen Namen.
In diesem 4. Abschnitt ist die Meinungsvielfalt im Arbeitskreis das Thema. Diese Meinungsfreiheit sah ich durch den zitierten Satz schon als gefährdet an. Die Verknüpfung von der Meinungsfreiheit mit einem vermeintlichen gleichen Ziel, wie dieser Nebensatz tut, halte ich nun für wirklich irreführend. Warum, das werde ich versuchen hier zu erklären.
Ich behaupte einfach, dass die Mitglieder im Arbeitskreis Eine Welt und Integration mit dem Fest der Kulturen nicht das gleiche Ziel verfolgen. Das politische Farbenspiel in Deutschland macht keinen weiten Bogen um den Arbeitskreis herum sondern steckt mitten drin. Meiner Einschätzung nach sind die Farben schwarz, grün, rot, und violett schon vorhanden. Bei dem kontroversen Thema der Integration macht sich die politische Farbe bei der Formulierung der Zielsetzung natürlich bemerkbar. Alles andere zu denken, wäre illusorisch.
Etwas zu wünschen oder behaupten, was es in der Wirklichkeit gar nicht gibt, ist abenteuerlich. Da lehnt sich jemand zu weit aus dem Fenster und verliert den Bezug zur Realität. Es ist gut, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Man erhofft sich davon eine gewisse disziplinarische Wirkung, dass sich alle unter das eine Ziel unterordnen. Wenn es aber die gleiche Zielsetzung nicht gibt, dann kann mich sich nicht darauf berufen.
Mit dem angeblichen gleichen Ziel zudem die Meinungsfreiheit eindämmen zu wollen, ist für mich alles anders als respektvoll. Da soll man neu anfangen, die Meinungsverschiedenheit zu respektieren ohne wenn und aber. Sie bildet eine wichtige Grundlage für interkulturelle Kompetenz. Gerade bei der Formulierung, welches Ziel mit dem Fest der Kulturen angestrebt wird, brauchen wir die Freiheit der Meinung aller.
Zuletzt bemängele ich an dem einen Nebensatz, dass der Autor oder die Autorin der Stellungnahme vom Arbeitskreis nicht das Ziel des Festes der Kulturen beschreibt. Vielmehr erkennt die Stellungnahme mit der Begegnung von verschiedenen Kulturen die spezifischen Aktivitäten des Festes der Kulturen. Es wird allgemein gesagt, was mit dem Fest der Kulturen geschieht und mehr nicht. Ein echtes Ziel blickt weit über die Aktivitäten hinaus, vermittelt vielmehr die erwünschten Veränderungen.
Die Meinungsfreiheit mit einem diffusen Ziel zu verbinden, war also nicht gut. Von daher meine Bitte auf diese Passage zu verzichten.
Hans de Lange
Mitglied im Arbeitskreis Eine Welt und Integration des Freiberger Agenda 21 e.V.
Freiberg, 26. April 2011





