Artikel mit dem Tag „Obdachlosigkeit“

Ausgabe #20 - Dezember/Januar 2000/2001

Seite 1 von Ausgabe #20

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Themen
Rülein bleibt
Obdachlosigkeit
TU-Bildung
OB ganz rechts
Rechts+Ordnung
Mottenmafia
Crossword
Termine+Impressum

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Ausgabe #19 - Oktober/November 2000

Seite 1 von Ausgabe #19

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Themen
Unschuldiges Freiberg
Pyka ist weg!
Armutsrisiko Kinder
Tod in Weißenborn
FIT Kultur in Freiberg
Alles Kleber oder was?
Patricks Mörder müssen in den Knast
Kolumne Flower-Power
Rätsel gegen Rechts
Info-Links

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Ausgabe #4 - Juli 1998

Seite 1 von Ausgabe #4

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Themen
Obdachlos in Freiberg
Sexismus-Diskussion: Jeder Mann ist ein potentieller Täter
Student in Freiberg - Ein Bericht
Fairness mit der “dritten” Welt?
Flüchtlinge aus dem Irak
Vorgestellt: Verein Kommunikations- und Begegnungszentrum e.V.
Nachruf für Gerhard Gundermann
Theater und Interview
Kultur und Drogen

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Spiegelbild der Gesellschaft: Es gilt das Recht des Stärkeren und Mächtigen Über die Morde an einer Frau und einem Obdachlosen

fbÄ #19 - Artikel #1 - - - november 2000

20_3Hohler konnten die Sprüche in den vielfältigen Erklärungen zu den Morden und den schweren Körperverletzungen an wehrlose Menschen in Freiberg nicht sein. Da war zunächst von Exzessen und Trinkgelagen im Albertpark die Rede, wobei sich die wenig erwünschten Herrschaften die Köpfe eingeschlagen haben sollen und das Wort von der großen Betroffenheit machte in Freiberg die Runde, das nun seine Unschuld - welche denn?- verloren habe. Bei aller verbaler Überreaktion blieben die weiterhelfenden Taten bis jetzt aus. Der Oberbürgermeister gab erst auf Vorhaltungen von der PDS zu Beginn der Ratssitzung, die einen Tag nach der Tat stattfand, eine Erklärung zu den Verbrechen von sich und ließ sich Tage damit Zeit, den Tatort aufzusuchen.

Einige Freiberger Spießer hatten Anzeigen gegen die Obdachlosen losgelassen, der Leiter des Obdachlosenheims, Gunter Fischer wollte die Bürgerpolizisten auf sie hetzen und jugendliche Banden hatten schon mit Steinen Jagd auf Obdachlose gemacht. Und hatte Freibergs einziger Lokalchefredakteur Uwe Kuhr nicht eine Woche vor der Mordtat eine gewichtige Kolumne verfasst, in der er die Trinkgelage an verschiedenen Stellen in der Stadt anprangerte. Dieselbe Presse feierte noch im Sommer das Freiberger Brauhaus wegen seines 150jährigen Bestehens und einiger Hundertmillionen versoffener Hektoliter. Was diese Herren allesamt auszeichnet ist die gediegene Doppelmoral des deutschen Kleinbürgers: oben hui und unten pfui, pflegte man früher zu sagen. Natürlich trinken diese Herren ihr Bier nicht im Albertpark oder vor dem Kiosk am Platz der Oktoberopfer, der an eine andere grausame Bluttat erinnern sollte und auf dem man inzwischen wieder der Gewalt des Blut- und Eisenkanzlers Otto von Bismarck huldigt.

19_1Und noch immer müssen die wohnungslosen Menschen in leerstehende Häuser, die es ja zur Genüge gibt, illegal Unterschlupf suchen. Nicht alle von ihnen haben die 5,- DM Übernachtungsgebühr für das Obdachlosenheim in der Beethovenstraße über, einige Obdachlose fühlen sich auch nicht in der Lage ihre 17,-DM Tagesgeld von Brand-Erbisdorf zu holen. Siegfried K., das Mordopfer, zum Beispiel war mit seinen 63 Jahren kaum noch in der Lage für diesen täglichen Gang. Christa M. kam deshalb öfters nach ihren Einkäufen beim Kaufland zum Pavillon in den Albertpark um ihm etwas abzugeben. Bei einem dieser „Besuche“ traf sie auf ihre späteren Mörder. Der 17jährige Sven P. und der ein Jahr ältere Mathias L. gehören beide zum Rand der Gesellschaft. Als Problemkinder haben sie in der KinderArche Mittelsachsen in Niederbobritzsch ein Zuhause gefunden. Ihre Aggressionen und Gewaltphantasien sind sie dabei nicht los geworden. Der Mord an Christa M., der im Augenblick kaum jemand gedenkt, erinnert an den Messermord an einer Lehrerin in Meißen. Keine Frage, die Gewalt gegen Frauen gehört immer noch zum bundesdeutschen Alltag. Solange wie in dieser Gesellschaft keine soziale Gleichheit herrscht und das Recht des Stärkeren Schwache zu Opfern macht wird das so bleiben. Die nächste Gewalttat kommt bestimmt!

Übrigens: die alarmierte Polizei ließ sich zuerst viel Zeit. Ein Beamter soll sogar seine Kaffeetasse mit auf den Weg genommen haben. Gemach Gemach mag man sich bei solchen Opfern gesagt haben. Eine sofortige Ringfahndung nach den Tätern fand nicht statt, so daß weitere Zeugen noch zwei Tage in Angst und Schrecken leben mußten. Im Stadtfernsehen schwadroniert die Polizei schon wieder vom sicheren Freiberg, wohl nicht weil der Polizeipräsident Pyka, selber einer Gewalttat gegen eine Frau bezichtigt, Freiberg verlässt.