Artikel mit dem Tag „Offener Brief“

Gedanken zu den Reaktionen auf die Brandanschläge

Oh nein, das Stadtimage…

und Gott sei Dank kein Neonazi! So waren die Reaktionen auf zwei fremdenfeindlich motivierte Brandanschläge letzte Woche in Freiberg. Nach erster Aufregung ist der Täter mittlerweile gefasst und nach dessen Beteuerung, nichts gegen Ausländer im Allgemeinen zu haben und schon gar kein Neonazi zu sein, die Ereignisse fast schon wieder vergessen. Die meisten Reaktionen und Verlautbarungen kotzen uns, gelinde gesagt, an. Was genau, wollen wir hier erläutern.

Zuerst eine Bestandsaufnahme:
In der letzten Woche wurden innerhalb von nur 48 Stunden zwei Freiberger Döner-Restaurants Opfer eines Brandanschlags. Der erste Anschlag erfolgte am Dienstag Morgen gegen 3:30 Uhr, als mehrere Steine und ein Molotowcocktail gegen die Scheiben des „Shahi-Döner“ auf der Poststraße geworfen wurden. Der Brand konnte zum Glück schnell gelöscht werden, da ein Anwohner den Täter beobachtete und sofort die Polizei verständigte. Nicht abzusehen was passiert wäre, wenn niemand den Brand rechtzeitig gesehen hätte, denn im Haus wohnen noch mehrere Familien.

Der zweite Anschlag ereignete sich am Donnerstag gegen 4:30 Uhr und traf das “Dürüm Kebab Haus“ auf der Burgstraße. Wieder wurde der Täter beobachtet, doch bevor der Brand durch die Feuerwehr gelöscht werden konnte, hatten das Feuer und der entstandene Ruß die Räume unnutzbar gemacht, so dass nun eine komplette Renovierung des Lokals notwendig ist. Wieder nahm der Täter billigend in Kauf, dass Menschenleben gefährdet werden, denn auch das Gebäude in der Burgstraße ist ein Wohnhaus. In der gleichen Nacht wurden außerdem ebenfalls die Scheiben eines weiteren Döner-Ladens, eines Asia-Bistros, sowie einer kroatischen Gaststätte eingeworfen, die sich nur wenige Meter entfernt befinden.

Die Reaktionen nach den Anschlägen waren überraschend deutlich. In vielen, zum Teil auch überregionalen Medien wurde über die Vorfälle berichtet. So hieß es in der Onlineausgabe der Zeit etwa: „Was sich seit Anfang des Jahres in der sächsischen Universitätsstadt Freiberg abspielt, klingt wie ein Albtraum aus den frühen 90er Jahren.“ Auch der sächsische Ministerpräsident meldete sich zu Wort. Man war geschockt über die aktuelle Gewalt und hoffte auf schnelle Ermittlungen und ein Ergreifen des Täters.

Mittlerweile wurde dieser gefasst. Am Freitag fiel der Polizei ein 26-jähriger Mann auf, auf den die Personenbeschreibung passte. Da er keinen Ausweis bei sich trug, wurde er zur Überprüfung seiner Angaben auf das Polizeirevier gebracht. Dort machte er umfangreiche Angaben zu den Brandanschlägen und gestand seine Verantwortung. Als Motiv soll er dabei angegeben haben, dass die Geschäftsinhaber ihre Waren nicht bei örtlichen Unternehmen einkaufen. Sie seien somit auch für seine schon lange andauernde Arbeitslosigkeit verantwortlich.
Als wäre allein diese Aussage nicht Beleg genug für eine ausgeprägte Fremdenfeindlichkeit, kaufte der überwiegende Teil der Medien, die Staatsanwaltschaft und der Freiberger Oberbürgermeister das Dementi des mutmaßlichen Täters, er habe keine allgemeine ausländerfeindliche Einstellung, einfach ab. Für Bernd Vogel von der Staatsanwaltschaft Chemnitz hinterließ der Verdächtige lediglich einen „verwirrten Eindruck“. „Eine rechtsextreme Einstellung ist bei dem Mann [allerdings] nicht erkennbar.“ Auch eine „grundsätzlich negative Einstellung zu Ausländern“ habe der Verdächtige nach eigenen Angaben nicht.

Den vollständigen Artikel lesen »

Ausgabe #23 - Juli/August 2001

Seite 1 von Ausgabe #23

Seite 1 von Ausgabe #23

Themen
Heinzes Abgang
Akzeptierende Jugendarbeit in Freiberg
Hilfe für Opfer rechter Gewalt in Sachsen
Dokumentation offener Brief an Heinze
Dresdner Feste
Bilder der Freiberger Zukunft
barrierefreies Übernachten in Freiberg
Des Rätsels Lösung - wer verbirgt sich hinter Rosa Frohberg

Die Ausgabe als PDF

Offener Brief zum Vorfall beim Fest der Kulturen

Beim Fest der Kulturen, das am 28. November 2009 in der alten Mensa stattfand, wurde von einem Vertreter des Agenda 21 e.V. unter Androhung des Hausrechtes die Auslage des FreibÄrger verboten. In einem Offenen Brief fordern wir den Agenda 21 e.V. auf, hierzu Stellung zu nehmen. Einen Bericht über das Fest der Kulturen wird in der nächsten Ausgabe des FreibÄrger erscheinen.

Der Offene Brief

Offener Brief zu den Ereignissen am 1. Mai in Freiberg

Anmerkung: Dieser Brief ist eine Reaktion auf die Nazidemo in Freiberg am 1. Mai.

Sehr geehrter OB Schramm, sehr geehrter Landrat Uhlig,

am 30. April mussten wir entsetzt feststellen, dass Nazis, s.g. Freie Kräfte und Autonome Nationalisten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Berlin zu einer Eildemonstration unter dem Motto “Zukunft statt Kapitalismus - Freiheit statt BRD” am 01. Mai nach Freiberg mobilisieren.

Bei den Autonomen Nationalisten handelt es sich um parteiunabhängige Nazis, die sich im revolutionären Kampf gegen die BRD, den Kapitalismus, den sie als Instrument einer jüdischen Weltverschwörung zur Zerstörung der Völker begreifen, gegen die USA und Israel sehen. Ihre Ideologie propagiert einen völkischen Antikapitalismus, den sie selbst als Nationalen Sozialismus bezeichnen – in Analogie an den Nationalsozialismus, der sich als Bezeichnung diskreditiert hat. Die Autonomen Nationalisten sehen sich in der Tradition der SA und sind dementsprechend gewaltbereit. Letztes Jahr griffen zum 01. Mai in Hamburg Autonome Nationalisten Journalist_innen und Andersdenkende an und überraschten damit die überforderten Polizeikräfte.

Den vollständigen Artikel lesen »