Artikel mit dem Tag „Rassismus“

Vom Sinn und Unsinn des Festes der Kulturen (II)

Zuschrift per Mail

Am 20. April 2011 reagierte der Arbeitskreises Eine Welt und Integration des Freiberger Agenda 21 e.V. auf den Beitrag „Vielfalt, Entfaltung oder doch Völkerverständigung“ in 75. Ausgabe des FreibÄrgers.

Dass die Stellungnahme nicht die Meinung des ganzen Arbeitskreises wiedergibt, wird deutlich durch die fünf Namen der Mitglieder unter diesem Beitrag; der Arbeitskreis Eine Welt und Integration zählt mehr als fünf Mitglieder. Ich hatte meine Zustimmung verknüpft mit der Bedingung im 4. Abschnitt den letzten konditionalen Nebensatz zu streichen, der wie folgt lautet: „wenn dabei jedes Mitglied die gleiche Zielstellung vor Augen behält, nämlich das Fest zu einer Begegnung der Vertreter der verschiedenen Kulturen zu machen“. Das Agendabüro war leider nicht bereit auf diesen Satz zu verzichten, beurteilte ihn als „nicht schädlich“ und veröffentlichte dann diese Stellungnahme ohne meinen Namen.

In diesem 4. Abschnitt ist die Meinungsvielfalt im Arbeitskreis das Thema. Diese Meinungsfreiheit sah ich durch den zitierten Satz schon als gefährdet an. Die Verknüpfung von der Meinungsfreiheit mit einem vermeintlichen gleichen Ziel, wie dieser Nebensatz tut, halte ich nun für wirklich irreführend. Warum, das werde ich versuchen hier zu erklären.

Ich behaupte einfach, dass die Mitglieder im Arbeitskreis Eine Welt und Integration mit dem Fest der Kulturen nicht das gleiche Ziel verfolgen. Das politische Farbenspiel in Deutschland macht keinen weiten Bogen um den Arbeitskreis herum sondern steckt mitten drin. Meiner Einschätzung nach sind die Farben schwarz, grün, rot, und violett schon vorhanden. Bei dem kontroversen Thema der Integration macht sich die politische Farbe bei der Formulierung der Zielsetzung natürlich bemerkbar. Alles andere zu denken, wäre illusorisch.

Etwas zu wünschen oder behaupten, was es in der Wirklichkeit gar nicht gibt, ist abenteuerlich. Da lehnt sich jemand zu weit aus dem Fenster und verliert den Bezug zur Realität. Es ist gut, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Man erhofft sich davon eine gewisse disziplinarische Wirkung, dass sich alle unter das eine Ziel unterordnen. Wenn es aber die gleiche Zielsetzung nicht gibt, dann kann mich sich nicht darauf berufen.

Mit dem angeblichen gleichen Ziel zudem die Meinungsfreiheit eindämmen zu wollen, ist für mich alles anders als respektvoll. Da soll man neu anfangen, die Meinungsverschiedenheit zu respektieren ohne wenn und aber. Sie bildet eine wichtige Grundlage für interkulturelle Kompetenz. Gerade bei der Formulierung, welches Ziel mit dem Fest der Kulturen angestrebt wird, brauchen wir die Freiheit der Meinung aller.

Zuletzt bemängele ich an dem einen Nebensatz, dass der Autor oder die Autorin der Stellungnahme vom Arbeitskreis nicht das Ziel des Festes der Kulturen beschreibt. Vielmehr erkennt die Stellungnahme mit der Begegnung von verschiedenen Kulturen die spezifischen Aktivitäten des Festes der Kulturen. Es wird allgemein gesagt, was mit dem Fest der Kulturen geschieht und mehr nicht. Ein echtes Ziel blickt weit über die Aktivitäten hinaus, vermittelt vielmehr die erwünschten Veränderungen.

Die Meinungsfreiheit mit einem diffusen Ziel zu verbinden, war also nicht gut. Von daher meine Bitte auf diese Passage zu verzichten.

Hans de Lange
Mitglied im Arbeitskreis Eine Welt und Integration des Freiberger Agenda 21 e.V.
Freiberg, 26. April 2011

Stellungnahme des Arbeitskreises „Eine Welt und Integration“ zum Artikel „Vielfalt, Toleranz oder doch Völkerverständigung?“

Zuschrift per Mail

Auf der vergangenen Sitzung des Arbeitskreises „Eine Welt und Integration“ am 29. März wurde über den Artikel des FreibÄrger zum 8. Fest der Kulturen sowie über die Reaktion von Hans de Lange diskutiert. Die zur Sitzung anwesenden Vertreter des Arbeitskreises entschieden sich dafür, eine Stellungnahme zu verfassen.

Von Redaktionsmitgliedern des FreibÄrger wurde stets bemängelt, dass das Fest der Kulturen seinem eigenen Anspruch nicht gerecht würde. Im Vorfeld haben die Organisatoren jedoch bereits mehrmals betont, dass dies ein Irrtum eben jener Redaktionsmitglieder sei, die das Fest der Kulturen zu etwas machen wollen, das es nicht ist und auch nicht sein soll:

Betrachtet man das Fest der Kulturen womöglich als Bühne für politische Diskussionen, dann wird es diesem Anspruch sicherlich nicht gerecht. Eine solche Betrachtungsweise des Festes stimmt allerdings auch nicht mit jener Vorstellung überein, die die Organisatoren über die Ausrichtung des Festes teilen. Für den Arbeitskreis „Eine Welt und Integration“ als Veranstalter ist das Fest der Kulturen, wie der Name schon sagt, in erster Linie ein Fest, das die Begegnung und den kulturellen Austausch von Deutschen und Migranten im Sinn hat. Mit diesem Anspruch gehen die Organisatoren an die Planung und Gestaltung des Festes heran – eine politische Auseinandersetzung wäre aufgrund der Zielgruppe (Familien mit Kindern) sowie den vielen verschiedenen Sprachen der Besucher kaum realisierbar. Das Programm muss ebenfalls in einem Rahmen gestaltet werden, der Sprachbarrieren überwindet und es für jedermann verständlich macht. Man kann dem Arbeitskreis wohl deshalb kaum vorwerfen, ihrem eigenen Anspruch an das Fest nicht gerecht zu werden.

Darüber hinaus ist zu betonen, dass sich der Arbeitskreis „Eine Welt und Integration“ aus Vertretern verschiedenster Vereine und Institutionen in Freiberg zusammen setzt und deshalb selbstverständlich in seiner Sichtweise und seinem Meinungsbild nicht immer homogen sein kann. Die Meinung, dass das Steigerlied des Vereins der Vietnamesen in Freiberg eine Überanpassung darstellte, wird beispielsweise nicht von allen Mitgliedern geteilt. Diese unterschiedlichen Sichtweisen sind aber nicht hemmend, sondern geradezu bereichernd für die Organisation des Festes, wenn dabei jedes Mitglied die gleiche Zielstellung vor Augen behält, nämlich das Fest zu einer Begegnung der Vertreter verschiedener Kulturen zu machen.

… Ja, wir halten an der Formulierung „Vertreter verschiedener Kulturen“ weiterhin fest. So tiefgründig der von der Redaktion verfasste Artikel die Theorie des Kulturalismus auch wiedergegeben hat (und diese Theorie wollen wir keineswegs anzweifeln): Wir sind der Meinung, dass wir aufgrund der immer fortschreitenden Globalisierung froh darüber sein können, dass der Begriff „Kultur“ auch im Jahr 2011 überhaupt noch in diesem Maße verwendet werden kann. Ebenso sind wir der Meinung, dass der Begriff „Kultur“ den Individualismus jedes Einzelnen in keinem Falle ausschließt. Wäre dies der Fall, so wäre die Entwicklung einzelner Länder und Kontinente wohl schon seit Langem zum Erliegen gekommen.
Die UNESCO definiert den Begriff „Kultur“ übrigens folgendermaßen: „Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertesysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.“ (http://www.unesco.de/erklaerung_vielfalt.html?&L=0, Stand: 05.04.2011). Ist es da aufgrund der Globalisierung nicht erfreulich, dass eben diese Einzigartigkeit und Tradition gesamter Menschengruppen auch heute noch in besonderem Maße besteht und nicht, wie in Zukunft möglich, von der Globalisierung verdrängt wurde? Und vor allem, dass diese Traditionen von den Menschen mit Stolz und Freude auch in ihnen eigentlich „fremden“ Gesellschaften präsentiert werden – so wie auf dem Fest der Kulturen?

Wir können selbstverständlich nicht verlangen, dass die Redaktion ihre Meinung über das gesamte Gefüge des Festes ändert. Wir bitten jedoch darum, in Zukunft davon abzusehen, die Inhalte des Protokolls als internes Schriftstück des Arbeitskreises dafür zu nutzen, Kritikpunkte bezüglich des Festes der Kulturen inhaltlich zu unterlegen und somit in nachweislich falschen Zusammenhängen wiederzugeben. Wir möchten noch einmal darauf hinweisen, dass das Protokoll die Meinungen einzelner Mitglieder offenlegt, nicht jedoch die Haltung des gesamten Arbeitskreises.

Für die Zukunft würden wir uns zudem wünschen, dass sich jene Redakteure im Vorfeld aktiv im Arbeitskreis engagieren und ihre Zugehörigkeit zum Arbeitskreis nicht nur dazu nutzen, die internen Protokollinhalte zu ihren Gunsten zu veröffentlichen. So wäre eine Mitsprache ihrerseits gesichert und, wenn nötig, eventuelle Kritik im Nachhinein gerechtfertigter.

Die Mitglieder des Arbeitskreises

Solongo Baldandorshijn
Manuela Junghans
Kornelia Metzing
Katrin Pilz
Kristin Walter

Vom Sinn und Unsinn des Festes der Kulturen

Zuschrift per Mail

Hallo Arbeitskreis Eine Welt und Integration des Freiberger Agenda 21 und andere Interessenten,

als Reaktion auf einen Beitrag in der letzten Ausgabe des FreibÄrgers über das 8. Fest der Kulturen habe ich eine Reaktion verfasst.

Vom Sinn und Unsinn des Festes der Kulturen

Neulich wurde mir ein neues Exemplar des FreibÄrgers in die Hand gedrückt, das dann am gleichen Tag für mich zur Abendlektüre wurde. Besonders der Artikel über das 8. Fest der Kulturen fesselte mich und raubte mir zum Teil den Schlaf.

Ich freue mich darüber, dass jemand sich die Zeit und Mühe genommen hat, gründlicher über den Sinn oder Unsinn dieses Festes nachzudenken. Die Darstellung von gesellschaftlichen Theorien liest sich etwas schwer; da hätte man sich etwas kürzer fassen können. Im Ganzen lohnt es sich aber mit dem Inhalt des Artikels vertraut zu machen.

Vorweg mal eine Gegenbehauptung: als Niederländer verstehe ich mich sehr wohl als Glied der niederländischen Nation, auch wenn ich in dem Land nicht mehr wohne. Ich habe einen kleinen Sohn; ihm lese ich bewusst niederländische Bücher vor, damit er von mir die niederländische Sprache lernt. Das ist in einem von der deutschen Sprache dominierten Umfeld nicht immer einfach. Dennoch möchte ich ihm meine Kultur vermitteln. Selbstverständlich gehöre ich der niederländischen Kultur auf Grund meiner Geburt an. Dafür brauche ich mich überhaupt nicht zu schämen. Ganz im Gegenteil, das ist etwas Gutes.

Im vergangenen Sommer erlebten wir die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Vom ersten Tag der WM bis zum letzten Tag (wir standen ja im Endspiel) war mein Auto mit einem niederländischen Fähnchen geschmückt. Da hatte ich manchmal Angst und wollte mal Vorsorge halber mit meinem Versicherungsagenten sprechen für den Fall, dass doch mal etwas mit meinem Auto passieren würde. Ich machte dann die Erfahrung, dass die Leute mich mit der niederländischen Flagge schon gesehen hatten, aber kaum darauf reagierten.

Mit diesen zwei Beispielen fällt mir der Übergang zum Fest der Kulturen leicht. Dieses multikulturelle Fete lebt von der ungeschriebenen Regel, dass Migranten in einer deutschen Umgebung ihre eigene Kultur darstellen. Sie tun das durch Gesang, Tanz und nicht zuletzt durch ihre Küche. Von dieser Regel gab es beim vergangenen Fest der Kultur zwei Ausnahmen: das waren die Aufführung des Steigerliedes durch junge Vietnamesen und der Auftritt einer deutschen Bauchtänzerin. Nun habe ich nichts dagegen, dass Deutsche das Programm des Festes der Kulturen mitgestalten, die vollschlanke Frau aber vertrat nicht ihre eigene Kultur und damit hielt sie diese ungeschriebene Regel nicht ein.

Ich bin mit dem Verfasser des Artikels einer Meinung, dass diese Aufführung des Steigerliedes unpassend war. Sie stellte für mich ein Beispiel der Überanpassung dar. Migranten stehen im Osten Deutschlands unter einem erheblichen Anpassungsdruck, weil sie halt zahlenmäßig so wenig sind. Vor einigen Jahren diskutierte Politiker noch über Assimilation, dass sie sich von diesem alten Modell verabschieden möchten. Stattdessen soll mit der Integration von Migration die Aufnahmegesellschaft in die Pflicht genommen, dass sie die Voraussetzungen für gelungene Eingliederung schaffen soll. Mit dem neuen Modell der Integration müssen Migranten nicht in jeder Hinsicht deutsch werden; sie dürfen sehr wohl ihre eigene Identität weiter pflegen.

Eine Schwäche des Festes der Kulturen hängt nun mit dem Raum für die Pflege der eigenen Kultur zusammen. Auf der einen Seite bietet das Fest der Kulturen Migranten ein Podium, ihre eigene Herkunft mit Sang und Tanz darzubieten. Auf der anderen Seite spricht die gesellschaftliche Situation eine andere Sprache, dass Migranten mit ihrer Kultur in der deutschen Bevölkerung oft auf Misstrauen und Skepsis stoßen. Sich diesen Widerspruch zu vergegenwärtigen, halte ich für notwendig, will man sich nicht durch den Augenblick des Festes täuschen lassen. Da tragen die Organisatoren Verantwortung, die Beteiligten auf der Bühne über dieses Spannungsfeld aufzuklären, was aus meiner Sicht in den vergangenen zu wenig getan wurde. Hier sehe ich eine Aufgabe, die sich dem Arbeitskreis Eine Welt und Integration des Freiberger Agenda 21 e.V. in der nächsten Zeit stellen soll.

Der Sinn des Festes der Kulturen liegt meiner Meinung in seinem Unterhaltungswert. An einem Samstagnachmittag geht man in die Alte Mensa, um dort Freunde und Bekannte zu treffen. Man freut sich über die kulturelle Vielfalt und begegnet anderen Menschen unter dem Genuss fremdländischer Speisen und Gerichte. Darüber hinaus einen tieferen Sinn entdecken zu wollen, als würde man mit dem Fest der Kulturen gesellschaftliche Veränderungen initiieren, halte ich für übertrieben. Die Ausländerpolitik im Freistaat wird an anderen Stellen bestimmt und nicht mit dem Fest der Kulturen. Darum sollte man dieses Fest nicht mit zu hohen Erwartungen überfrachten.

Hans de Lange
Freiberg, 22. März 2011

Vielfalt, Entfaltung oder doch Völkerverständigung?

Der Arbeitskreis „Eine Welt und Integration“ veranstaltete auch im letzten Jahr - am 6. November - bereits zum achten Mal in Folge das Fest der Kulturen in der Alten Mensa. Nachdem im vergangenen Jahr der FreibÄrger den Charakter des Festes kritisiert hatte, der Klischees und Vorurteile schürte und damit keines Falls, wie behauptet, zu „Vielfalt und Toleranz“ führen könnte, gab sich der Arbeitskreis weitestgehend diskussionsbereit und nahm sich der Kritik teilweise an, wie er es selbst auch in einer E-Mail an die Redaktion bekräftigte. Unsere Hauptkritik am Fest, nämlich, dass es ein „Fest der Kulturen“ und nicht etwa ein Fest der Menschen ist, gilt aber auch für das Diesjährige: Zwar gab es einige, durchaus auch begrüßenswerte strukturelle Änderungen, wie die Fragestunde an den Bürgermeister Sven Krüger, oder das Auslassen von beschönigenden Grußworten, doch haben diese nichts an dem eigentlichen Charakter des Festes geändert, nämlich an einer Darstellung, die vorgibt, dass einzelne Menschen immer einem imaginären Kulturkörper angehören würden, der dann, anstatt der Individualität, verehrt wird. Unter den folgenden Punkten soll erläutert werden, weshalb mit dem „Fest der Kulturen“ die immer gleiche Kollektivität gelobt und verehrt wird und nicht, wie selbst behauptet, irgendeine „Vielfalt“.

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Gedanken zu den Reaktionen auf die Brandanschläge

Oh nein, das Stadtimage…

und Gott sei Dank kein Neonazi! So waren die Reaktionen auf zwei fremdenfeindlich motivierte Brandanschläge letzte Woche in Freiberg. Nach erster Aufregung ist der Täter mittlerweile gefasst und nach dessen Beteuerung, nichts gegen Ausländer im Allgemeinen zu haben und schon gar kein Neonazi zu sein, die Ereignisse fast schon wieder vergessen. Die meisten Reaktionen und Verlautbarungen kotzen uns, gelinde gesagt, an. Was genau, wollen wir hier erläutern.

Zuerst eine Bestandsaufnahme:
In der letzten Woche wurden innerhalb von nur 48 Stunden zwei Freiberger Döner-Restaurants Opfer eines Brandanschlags. Der erste Anschlag erfolgte am Dienstag Morgen gegen 3:30 Uhr, als mehrere Steine und ein Molotowcocktail gegen die Scheiben des „Shahi-Döner“ auf der Poststraße geworfen wurden. Der Brand konnte zum Glück schnell gelöscht werden, da ein Anwohner den Täter beobachtete und sofort die Polizei verständigte. Nicht abzusehen was passiert wäre, wenn niemand den Brand rechtzeitig gesehen hätte, denn im Haus wohnen noch mehrere Familien.

Der zweite Anschlag ereignete sich am Donnerstag gegen 4:30 Uhr und traf das “Dürüm Kebab Haus“ auf der Burgstraße. Wieder wurde der Täter beobachtet, doch bevor der Brand durch die Feuerwehr gelöscht werden konnte, hatten das Feuer und der entstandene Ruß die Räume unnutzbar gemacht, so dass nun eine komplette Renovierung des Lokals notwendig ist. Wieder nahm der Täter billigend in Kauf, dass Menschenleben gefährdet werden, denn auch das Gebäude in der Burgstraße ist ein Wohnhaus. In der gleichen Nacht wurden außerdem ebenfalls die Scheiben eines weiteren Döner-Ladens, eines Asia-Bistros, sowie einer kroatischen Gaststätte eingeworfen, die sich nur wenige Meter entfernt befinden.

Die Reaktionen nach den Anschlägen waren überraschend deutlich. In vielen, zum Teil auch überregionalen Medien wurde über die Vorfälle berichtet. So hieß es in der Onlineausgabe der Zeit etwa: „Was sich seit Anfang des Jahres in der sächsischen Universitätsstadt Freiberg abspielt, klingt wie ein Albtraum aus den frühen 90er Jahren.“ Auch der sächsische Ministerpräsident meldete sich zu Wort. Man war geschockt über die aktuelle Gewalt und hoffte auf schnelle Ermittlungen und ein Ergreifen des Täters.

Mittlerweile wurde dieser gefasst. Am Freitag fiel der Polizei ein 26-jähriger Mann auf, auf den die Personenbeschreibung passte. Da er keinen Ausweis bei sich trug, wurde er zur Überprüfung seiner Angaben auf das Polizeirevier gebracht. Dort machte er umfangreiche Angaben zu den Brandanschlägen und gestand seine Verantwortung. Als Motiv soll er dabei angegeben haben, dass die Geschäftsinhaber ihre Waren nicht bei örtlichen Unternehmen einkaufen. Sie seien somit auch für seine schon lange andauernde Arbeitslosigkeit verantwortlich.
Als wäre allein diese Aussage nicht Beleg genug für eine ausgeprägte Fremdenfeindlichkeit, kaufte der überwiegende Teil der Medien, die Staatsanwaltschaft und der Freiberger Oberbürgermeister das Dementi des mutmaßlichen Täters, er habe keine allgemeine ausländerfeindliche Einstellung, einfach ab. Für Bernd Vogel von der Staatsanwaltschaft Chemnitz hinterließ der Verdächtige lediglich einen „verwirrten Eindruck“. „Eine rechtsextreme Einstellung ist bei dem Mann [allerdings] nicht erkennbar.“ Auch eine „grundsätzlich negative Einstellung zu Ausländern“ habe der Verdächtige nach eigenen Angaben nicht.

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Mutmaßlicher Täter gefasst

Nach den Brandanschlägen und Angriffen auf Imbissläden hat die Polizei heute einen 26-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Der Verdächtige war den Beamten aufgefallen, da die Personenbeschreibung auf ihn passte. Da er keinen Ausweis bei sich trug, wurde er zur Überprüfung seiner Angaben auf das Polizeirevier gebracht. Dort machte er umfangreiche Angaben zu den Brandanschlägen und gestand seine Verantwortung. Als Motiv gab er an, dass die Geschäftsinhaber ihre Waren nicht bei örtlichen Unternehmen einkauften. Sie seien somit auch für seine Arbeitslosigkeit verantwortlich. Eine ausländerfeindliche Einstellung dementierte er aber. Ähnlich äußerte sich auch Bernd Vogel von der Staatsanwaltschaft Chemnitz: „Eine rechtsextreme Einstellung ist bei dem Mann nicht erkennbar“. Eine „grundsätzlich negative Einstellung zu Ausländern“ habe der Verdächtige nach eigenen Angaben nicht. „Er hinterließ einen verwirrten Eindruck.“

Was im Verantwortlichmachen von Ausländern für die eigene Arbeitslosigkeit nicht fremdenfeindlich und keine negative Einstellung gegenüber Ausländern sein soll, bleibt der Staatsanwaltschaft überlassen. Noch unverständlicher ist der Bericht der Freien Presse, in der die Redakteure allen Ernstes die Extremismustheorie bemühen und in dem es heißt: “Nach eigenen Angaben hat der Täter grundsätzlich keine negative Einstellung zu Ausländern und ist weder dem rechten noch dem linken politischen Spektrum zuzuordnen.”

Über die gesamte unsägliche Debatte wird in den nächsten Tagen noch ein ausführlicherer Artikel erscheinen. Bis dahin seien hier diverse Presseartikel dokumentiert.

Freie Presse: Freiberg: Tatverdächtiger nach Brandanschlägen festgenommen
Freie Presse: Tatverdächtiger nach Brandanschlägen in Freiberg festgenommen
Sächsische Zeitung: Verdächtiger nach Anschlägen in Freiberg gefasst
MDR: Junger Mann gesteht Anschläge in Freiberg
BILD: Brandstifter der Döner-Läden von Freiberg geschnappt
Welt: Brandanschläge in Freiberg aufgeklärt
Focus: Polizei nimmt Döner-Brandstifter fest
Indymedia: Freiberg: Brandanschläge vor Aufklärung?
Planet Dissi: Glück Auf! Brandstifter ist kein Nazi, nur Deutscher

Presse zu den Brandanschlägen:
Freie Presse: Brandanschlag auf Imbiss in der Poststraße verübt
Freie Presse: Erneut Döner-Lokale angegriffen
Freie Presse: Soko Rex ermittelt nach Brandanschlägen auf Dönerbuden
Sächsische Zeitung: Feuerteufel zündet in Freiberg ausländische Läden an
MDR Aktuell: Wieder Anschläge auf Imbissläden
Die Zeit: Die Rückkehr der Gewalt
MDR: Bericht des Sachsenspiegel
Dresden Fernsehen: Erneut Anschläge auf Döner-Läden und Asia-Imbiss in Freiberg - Soko REX ermittelt
BILD: Ausländische Döner-Restaurants angesteckt
BILD: Tillich: Feige Anschläge in Freiberg
Indymedia: Brandanschläge in Freiberg

Weltoffenes Freiberg

eisneger

Ausgabe #63 - Juli 2008

Editorial der Ausgabe Juli 2008 (#63)

Liebe Leserinnen und Leser,
dies ist nun die letzte Ausgabe des FreibÄrgers vor der Sommerpause. Wir werden in nächster Zeit verstärkt an unserer Homepage basteln und Inhalte unserer Zeitung diskutieren. Sicher ist, dass wir einige Themen mehr oder regelmäßig aufgreifen werden, dazu gehören Rassismus und Diskriminierung, Sexismus und Homophobie nicht nur bei den “Rechten” sondern in der gesamten Gesellschaft. Aber auch die Themen Stadtentwicklung, Hochschulpolitik, Datenschutz und Bürgerrechte haben wir auf dem Schirm. In jeder Ausgabe wird es ein Schwerpunktthema geben, diesmal ist es Rassismus gegen Schwarze. Im Oktober werden wir uns wahrscheinlich mit Homophobie, Heteronormativität und Sexismus auseinandersetzen.
Diesmal gibt es keinen gedruckten Terminkalender, dafür werden wir ab Mitte Julie auf der unserer Homepage einen laufend aktualisierten Kalender bereitstellen. Wir freuen uns auch immer über Terminhinweise, Anregungen und Kritik, ob per E-Mail oder Brief.

Die Redaktion

Cover der Ausgabe #63 des FreibÄrger

Cover der Ausgabe #63 des FreibÄrger

Inhalt

Thema
Der erste deutsche Völkermord
You are the suspect
Interview with Demi Nutsugah
Deutschland Schwarz Weiß

Politics
The Eco-City Dongtan in China
Demokratie adé!

Lokales
Der Mehringplatz in Freiberg

Antifa
Gekommen um zu bleiben
Brutaler Polizeieinsatz in Treuen
Schöner Leben ohne Naziläden

Kultür
Buchtipps

Die Ausgabe als PDF

Ausgabe #39 - Juli/August 2004

Seite 1 von Ausgabe #39

Seite 1 von Ausgabe #39

Themen
Neonazis im Parlament
Sauberberg
Hartz IV
Viva Cuba
Anti-Terrorgesetze
Fußball anders
Alltäglicher Rassismus
Deckert vor Gericht
SSS+Antifa in Pirna
Vavarin
Radio Darmstadt: Freiberg
Lesestoff
Tootsies & Boggle

Die Ausgabe als PDF

Ausgabe #33 - Juni/August 2003

Seite 1 von Ausgabe #33

Seite 1 von Ausgabe #33

Themen
Lokaler Popstar
Rote Rüben in Auschwitz
Jugendprotest in FG
Vergangen- nicht vergessen
Gränitzer Antifa-Frühling und rechte Silbernächte
Sibylle Berg-Lesung
zu Viel
Serie: Die Tootsies
Leserbrief
Schwesternliebe: Darmstadt und Freiberg & Rätsel

Die Ausgabe als PDF