Artikel mit dem Tag „Rezension“

Die brutale Beendigung einer demokratischen Erfolgsgeschichte

Hans Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag Nachdem bereits in Folge des Münchener Abkommens vom 30. September 1938 die tschechischen Grenzgebiete als „Gau Sudetenland“ von Deutschland annektiert worden waren, wurde die Tschechoslowakei am 15. März 1938 durch die Besetzung der verbliebenen tschechischen Landesteile durch deutsche Truppen sowie die Unabhängigkeitserklärung einer faschistischen Regierung in der Slowakei aufgelöst. Daran schloss sich ein sechsjähriges deutsches Terrorregime an, dem 78.000 der 120.000 in Böhmen und Mähren lebenden Juden zum Opfer fielen. Auch die tschechische Bevölkerung sollte nach den Vorstellungen des Chefraumplaners der SS, Konrad Meyer, nach Ende des Krieges entweder eingedeutscht oder „umgesiedelt“ werden. Vorerst wurden diese Menschen aber noch für den Weiterbetrieb der kriegswichtigen und hochentwickelten tschechischen Industrie benötigt. Bereits während des Krieges war mit der Arisierung des Landes begonnen worden, in dem unter anderem 16.000 Bauernhöfe enteignet und an „Volksdeutsche“ weitergegeben wurden.

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Ausgabe #17 - Mai 2000

Seite 1 von Ausgabe 317

Seite 1 von Ausgabe #17

Themen
Kaufland: Im Reich der Pilze
Saubere Stadt
Katy in Moskau
Nachrichten über Rechts
Erstsemesterfete Meldung
Sozialhilfe!
Anthroposophie im Rassenwahn

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Antifaschistischer Karneval?

Überlegungen zum Antifaschismus in der sächsischen Linkspartei

“Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich als Wurzener Keks Flugblätter an die Einwohnerinnen und Einwohner verteilte. Die Verkleidungen hatten in der Stadt ansässige Firmen gesponsert. Ich erinnere mich gern an die Aktion. Sie wird auch den Nazis unvergessen sein, die damit leben mussten, dass es Konfetti auf sie regnete und dass immer wieder der Narrhalla-Marsch angestimmt und mit Trompeten und Posaunen geschmettert wurde.” [Köditz, S. 40]

Köditz und morgen?-CoverDie Sprecherin für antifaschistische Politik der Partei “Die Linke” im sächsischen Landtag, Kerstin Köditz (42), hat einen sehr persönlich gehaltenen Rechenschaftsbericht über ihr antifaschistisches Engagement in der letzten Legislatur als Buch mit dem Titel “und morgen? Extreme Rechte in Sachsen” beim Berliner Verbrecher Verlag veröffentlicht. Die Antwort auf die rhetorische Frage im Titel gibt sie in ihrem Schlusskapitel. Sie träumt davon, dass sich in ganz Sachsen Menschen gegen die Nazis stellen oder die “extreme Rechte”, wie Köditz sie auch genannt wissen will. Dieser Traumzustand scheint nach ihrem Empfinden bereits in Grimma, ihrem Heimatort, erreicht zu sein. Das Timing der Veröffentlichung passte; denn das Werk von Köditz kam rechtzeitig zur nächsten sächsischen Landtagswahl auf dem Markt, bei der sie auf Listenplatz 15 für “Die Linke” wieder kandidiert. Wenn die Partei keine derbe Abfuhr bei der Wahl erhält, dürfen Kerstin Köditz und ihr Mitarbeiter, Volkmar Wölk, für weitere fünf Jahre die antifaschistische Politik der sächsischen Linkspartei vom Landtag aus lenken. Es sei nebenbei bemerkt, dass auch für diese politische Aufgabe eine Verjüngerung längst überfällig ist.

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Nazis in Nadelstreifen

Nazis in NadelstreifenDie NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft

Andrea Röpke und Andreas Speit haben zusammen mit vier anderen Autoren einen aktuellen Überblick über das Auftreten und die politischen Strategien der NPD vorgelegt.

In acht Kapiteln zeigen sie sehr detailliert den Wandel der Partei auf, die “auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft” ist. Durch geschickte Themenwahl, Konzentration auf die “soziale Frage” und Integration in das alltägliche Leben schafft es die NPD immer mehr, als Partner und gleichberechtigte Partei wahrgenommen zu werden. Vor allem auf kommunaler Ebene gelingt ihr das sehr gut, denn die Parteimitglieder sind weder nur “alte Herren” oder Neonazisschläger, sondern anerkannte Bürger einer Gemeinschaft, vom Fahrlehrer bis zum Kleinunternehmer. Das haben ja auch die letzten Kommunalwahlen in Sachsen wieder gezeigt. Aber auch in den Landesparlamenten von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Partei professionalisiert und weiß das System, das sie eigentlich ablehnt, geschickt für ihre Zwecke zu nutzen. Damit einher geht auch die “intellektuelle Aufrüstung” durch ideologische und argumentative Mittel vor allem in der Jugendorganisation der Partei.

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Deutschland Schwarz Weiß

Deutschland Schwarz WeißSeit mehr als zwanzig Jahren beschäftigen sich Schwarze Menschen mit Schwarzer deutscher Geschichte, historischem und gegenwärtigem Rassismus und Antidiskriminierungsmaßnahmen. Es sind inzwischen zahlreiche Bücher Schwarzer AutorInnen erschienen, die diese Themen in unterschiedlicher Weise behandeln und vor allem Rassismus in seinen verschiedenen Facetten dekonstruieren mit dem Ziel, die rassistischen Verhältnisse, unter denen Schwarze Menschen leben müssen, abzubauen.

“Deutschland Schwarz Weiß” ist eine gelungene Spiegelung rassistischer Lebensrealitäten, die großen Teilen der weißen Mehrheitsgesellschaft auch heute noch nicht oder nur unzureichend bekannt sind und ist daher als weiterer Baustein zu einer rassismusfreien Gesellschaft zu sehen.

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Gestatten: Elite

Gestatten: EliteAuf den Spuren der Mächtigen von morgen

Das Wort “Elite” ist seit einiger Zeit in aller Munde. Insbesondere aus konservativen und liberalen Kreisen hört man den Satz “Deutschland braucht eine Elite um das Land voranzubringen”. Allerdings ist damit nicht klar wer zur Elite gehören soll und wer nicht. Wer legt die Kriterien fest, die die Menschen in Elite und Nicht-Elite einteilt?

Julia Friedrichs, eine junge Journalistin, hat sich in ihrem Buch “Gestatten: Elite” mit genau diesen Fragen beschäftigt. Nachdem sie sich bei der Unternehmensberatung McKinsey beworben hatte, wurde sie zu einem Bewerberwochenende in Griechenland eingeladen und hielt bald darauf ein Jobangebot in der Hand. Mit einem Einstiegsgehalt von 65.000 Euro im Jahr, Dienstwagen und eigenem Laptop war die Versuchung natürlich groß. Friedrichs lehnte jedoch ab und machte sich auf die Suche nach der Elite in Deutschland.

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1968

1968Jugendrevolte und globaler Protest

Der Historiker Norbert Frei (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena) war 1968 selbst noch ein Kind und unterscheidet sich dadurch von vielen anderen Autoren, die zum Thema “68″ schreiben und selbst dabei waren. Er hat mehrere Bücher zum Nationalsozialismus veröffentlicht.

Norbert Frei betrachtet “68″ als “Chiffre”, die erst im Nachhinein montiert wurde. Er betrachtet “68″ als einen “Assoziationsraum gesellschaftlicher Zuschreibungen und auktiorialer Selbstdeutungen, eine beispiellos florierende Begegnungsstätte, in der die Aussagen der Akteure und die Entgegungen ihrer Kritiker, die Wahrnehmungen der Zeitgenossen und die Beobachtungen der Nachgeborenen aufeinandertreffen.” Konsequenterweise verwendet Frei daher “68″ auch in Anführungszeichen.

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