Artikel mit dem Tag „Schocken-Kaufhaus“

Ein würdiger Geschichtsvortrag zur Erinnerung an das Schocken-Warenhaus in Freiberg

Zuschrift per Mail

Lieber Herr Dr. Düsing,

vielen Dank für Ihren so tollen, interessanten, klugen, ergreifenden, … Vortrag!!!!

Ein würdiger Geschichtsvortrag zur Erinnerung an das Schocken-Warenhaus in Freiberg

Dass Geschichte von und in Freiberg fachlich kompetent, ergreifend und vor allem lebendig aufgearbeitet wird, zeigte sich am 27.01., am Holocaust-Gedenktag, abends in der “Alten Mensa”. Dr. Michael Düsing referierte vor vielen interessierten Zuhörern, zu denen auch besonders viele junge Menschen gehörten, sehr beeindruckend und mittels Fotos, Zitaten u. a. auch authentisch über die Geschichte und der damit verbundenen Lebensschicksale des Schocken-Warenhaus und seiner Angestellten in Freiberg.
Es waren besonders diese ganz konkreten Fotos von Freiberg aus dieser Zeit von 1914 - 1945 und die geschilderten oft so tragisch endenden Lebensgeschichten der Brüder Schocken und ihrer jüdischen Angestellten, die uns vor Augen führten, dass Reichskristallnacht, Judenboykott, Judenpogrome eben auch in Freiberg traurige Realität gewesen waren. Für diese so akribische Aufarbeitung und Spurensuche unserer Stadtgeschichte muss man Dr. Düsing und der Geschichtswerkstatt des CJD sehr dankbar sein, denn damit bekommen diese Opfer ihren Namen und ihre Geschichte zurück! So erfahren auch die jüdischen Opfer in Freiberg die ihnen gebührende Ehrung und Würdigung durch sichtbare Zeichen, sei es durch “Stolpersteine”, Gedenktafel (z. B. Landratsamt), Broschüren oder eben durch solche Vorträge, die auch Geschichtsstunden in anderer Form sein können!
Denn gerade diese konkreten Einzelschicksale sind besser “begreifbarer” und vorstellbarer, als wenn die Zahl von ca. 6 Millionen ermordeter Juden genannt wird. Die oftmals aus verschiedenen Gründen verdrängte Geschichte kann durch sichtbare Zeichen lebendig für nachfolgende Generationen aufgearbeitet werden.
So verdient einer der damaligen vier größten Kaufhauskonzerne, der so viele Neuerungen für Kunden aller Schichten und seiner Angestellten eingeführt hat, der neue Maßstäbe für Unternehmenskultur und Architektur setzte, eine bessere Würdigung an seiner alten Stelle in der Petersstraße als die jetzige, so versteckte Tafel! Gerade das ist doch Teil unserer Geschichte von Freiberg und die muss für Freiberger und Touristen sichtbar sein, sonst werden viele, vor allem auch junge Menschen bald nichts mehr mit dem Namen SCHOCKEN anfangen können und das wäre wahrlich ein Verlust von Geschichte! Freiberg hat doch so eine reiche Geschichte, die wir begeisternd in verschiedenen Etappen erkunden können. Wenn wir dann auch noch genügend Spuren und Zeichen finden werden, gleicht dies einer spannenden Schatzsuche, die Spaß und Neugier wecken kann! Dieser Vortrag und die Broschüre zum Schocken-Warenhaus waren für uns wieder ein Puzzleteil mehr zum Begreifen und Verstehen dieser wunderschönen Stadt! DANKE!

Annett Adler

Ein Stück vergessene Stadtgeschichte: Das Schocken-Warenhaus in Freiberg Glanz und Zerstörung einer sächsischen Unternehmenslegende

plakatend

Donnerstag, 27. Januar 2011 | 19:30 Uhr | Alte Mensa Petersstraße
Das Schocken-Warenhaus in Freiberg

Gemeinsam mit dem Bildungswerk „Weiterdenken e.V.“ der Heinrich-Böll Stiftung Sachsen organisiert der FreibÄrger eine Veranstaltung zum Wirken der Gebrüder Schocken, die zu den bekanntesten und einflussreichsten sächsischen Unternehmerpersönlichkeiten gehörten, bevor die Nationalsozialisten deren Lebenswerk ab 1933 systematisch zerstörten. Am Beispiel des im März 1914 durch Simon und Salman Schocken begründeten Freiberger Schocken-Kaufhauses in der Petersstraße wird Dr. Michael Düsing (CJD Geschichtswerkstatt im „Bunten Haus“ am Wasserberg) über Anspruch, Wirkung und Untergang des heute fast vergessenen sächsischen Schocken-Konzerns berichten.

Auf den Spuren jüdischer Geschichte in der Bergstadt Freiberg

Veranstaltungshinweis

Quelle:http://www.juden-in-mittelsachsen.de/stadtrundgang/roterweg.html

Quelle:http://www.juden-in-mittelsachsen.de/stadtrundgang/roterweg.html

Am Mittwoch, dem 23.06.2010, besteht die Möglichkeit, an einer ca. 90-minütigen Stadtführung mit Dr. Michael Düsing teilzunehmen. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Ecke Roter Weg/Platz der Oktoberopfer.

Der Stadtrundgang zur “Geschichte der Juden in Freiberg” gibt einen Überblick über die bisher weitgehend verdrängte und vergessene Geschichte der Juden in der sächsischen Bergstadt.

Er ermöglicht, diese Geschichte anhand ausgewählter und beispielhafter Stationen innerhalb der Stadt nachzuvollziehen, obwohl sichtbare Sachzeugnisse jüdischen Lebens in Freiberg nicht mehr zu finden sind.

Großer Wert wird darauf gelegt, das Leben und die Leistungen jüdischer Bürger der Stadt in Handel, Wirtschaft, Wissenschaft, Medizin und Kultur nachvollziehbar werden zu lassen, mit denen sie Wertvolles und Unverzichtbares zum Aufblühen und Ansehen der Stadt und seiner Bewohner beitrugen. Zugleich wird der Judenhass und Antisemitismus an Beispielen der Verfolgung der Juden in Freiberg dokumentiert.

Der Rundgang beginnt am Roten Weg, im Gebiet des ehemaligen “Judenbergs”, im Mittelalter vor den Stadttoren Freibergs gelegen. Mit seiner Bezeichnung erinnerte dieses Stadtgebiet bis in das 19. Jahrhundert hinein an die frühe mittelalterliche Ansiedlung einer vermutlich ansehnlichen jüdischen Gemeinde. Diese Station erinnert daran, dass Juden eine wichtige Rolle im Handel und Finanzsystem der entstehenden Silberbergstadt Freiberg bis zu ihrer Vertreibung in der Mitte des 15. Jahrhunderts spielten.

Weitere Stationen des Rundgangs führen an Orte, an denen in der Neuzeit - seit der Mitte des 19. Jahrhunderts - jüdische Geschäfte, Arztpraxen, Unternehmen existierten. Jüdische Geschäfte waren mit ihrem attraktiven, oft preiswerten Warenangebot und dem hervorragenden Kundenservice Anziehungspunkt für viele Freiberger. Das Schocken-Kaufhaus in der Freiberger Petersstraße gehörte seit 1914 zu den modernsten Warenhäusern Sachsens und Deutschlands und bot seinen Angestellten damals einzigartige Sozialleistungen. Jüdische Ärzte genossen ein bemerkenswertes Ansehen. In Erinnerung gerufen wird das Wirken jüdischer Wissenschaftler an der traditionsreichen Bergakademie, die großen Anteil am weltweiten Ansehen dieser einzigartigen Lehrstätte der Bergbaukunde, Geologie und Erzverhüttung hatten.

Der Rassenhass und Antisemitismus, den die Nazis zum organisierten, kaltblütigen Völkermord an Juden perfektionierten, vernichtete jüdisches Leben auch in Freiberg mit beispielloser Menschenverachtung und Grausamkeit. Der Stadtrundgang erinnert an einige der hier einst lebenden jüdischen Familien, die verfolgt, gedemütigt, vertrieben und ermordet wurden. Seit 2007 erinnern so genannte Stolpersteine vor den Wohnhäusern ermordeter Juden an deren Schicksal. Am Ende der perfiden Naziherrschaft entstanden auch in Freiberg Stätten der “Vernichtung durch Arbeit” - KZ-Außenlager, in denen jüdische Frauen, von Auschwitz nach Freiberg deportiert, Zwangsarbeit für die Nazi-Rüstungsindustrie leisten mussten.

Veranstalter:
CJD Geschichtswerkstatt Freiberg, “Buntes Haus” am Wasserberg
Tschaikowskistr. 57a, Mail: bunteshaus[at]cjd-chemnitz.de

in Zusammenarbeit mit dem Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg

Kontakt und Anmeldung: info[at]museum-freiberg.de

Eine weitere Stadtführung findet am Mittwoch, dem 29.09.2010, um 14 Uhr am selben Ort statt.

Was lange währt, wird endlich gut?

Das ehemalige Schocken-Kaufhaus auf der Petersstraße

Das ehemalige Schocken-Kaufhaus auf der Petersstraße

Voraussichtlich nun im Mai 2010, nach etlichen Bauverzögerungen, soll das neue Einkaufszentrum in der Freiberger Petersstraße, am Ort des einstigen Schocken-Kaufhauses, seine Pforten öffnen und eine fast 100jährige Handelstradition an dieser Stelle wieder aufnehmen. Er wolle, so hatte der schwäbische Unternehmer Albrecht Maier, neuer Eigentümer des Grundstücks und Hauptinvestor, beim Baustart am 4. Juli 2008 wissen lassen, an die Tradition des einstigen Schocken-Kaufhauses sowie an die Lebensleistung der Schocken-Familie anknüpfen und dabei die leidvolle Geschichte der jüdischen Eigentümer nicht vergessen. Es bleibt spannend, ob und wie diese Absichtserklärung auch zur erfahrbaren Realität im neuen Einkaufszentrum werden wird.

Salman Schocken

Salman Schocken

Immerhin war die Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken ebenso wie überhaupt die Geschichte des seinerzeit größten sächsischen Kaufhauskonzerns, der Leistungen seiner Gründer Simon und Salman Schocken, wie auch der Zerstörung ihres Lebenswerkes in Nazi-Deutschland, inzwischen fast völlig vergessen. Zwar hatten Abiturienten am Freiberg-Kolleg schon 1992/93 begonnen, die sorgsam auch in der DDR gehegten Mauern des Schweigens um das Thema „Juden in Freiberg“ einzureißen. Erste Ausstellungen und Broschüren, nach 1993 in Jugendprojekten beim CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) in Freiberg fortgeführt, trugen die Geschichte endlich in die Öffentlichkeit. Aber erst 2007 widmete sich eine eigenständige, nun auf Wunsch der Stadt zustande gekommene Veröffentlichung der ausführlicheren Spurensuche nach der Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken und seines Personals.

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