Ein würdiger Geschichtsvortrag zur Erinnerung an das Schocken-Warenhaus in Freiberg
29. Januar 2011
Zuschrift per Mail
Lieber Herr Dr. Düsing,
vielen Dank für Ihren so tollen, interessanten, klugen, ergreifenden, … Vortrag!!!!
Ein würdiger Geschichtsvortrag zur Erinnerung an das Schocken-Warenhaus in Freiberg
Dass Geschichte von und in Freiberg fachlich kompetent, ergreifend und vor allem lebendig aufgearbeitet wird, zeigte sich am 27.01., am Holocaust-Gedenktag, abends in der “Alten Mensa”. Dr. Michael Düsing referierte vor vielen interessierten Zuhörern, zu denen auch besonders viele junge Menschen gehörten, sehr beeindruckend und mittels Fotos, Zitaten u. a. auch authentisch über die Geschichte und der damit verbundenen Lebensschicksale des Schocken-Warenhaus und seiner Angestellten in Freiberg.
Es waren besonders diese ganz konkreten Fotos von Freiberg aus dieser Zeit von 1914 - 1945 und die geschilderten oft so tragisch endenden Lebensgeschichten der Brüder Schocken und ihrer jüdischen Angestellten, die uns vor Augen führten, dass Reichskristallnacht, Judenboykott, Judenpogrome eben auch in Freiberg traurige Realität gewesen waren. Für diese so akribische Aufarbeitung und Spurensuche unserer Stadtgeschichte muss man Dr. Düsing und der Geschichtswerkstatt des CJD sehr dankbar sein, denn damit bekommen diese Opfer ihren Namen und ihre Geschichte zurück! So erfahren auch die jüdischen Opfer in Freiberg die ihnen gebührende Ehrung und Würdigung durch sichtbare Zeichen, sei es durch “Stolpersteine”, Gedenktafel (z. B. Landratsamt), Broschüren oder eben durch solche Vorträge, die auch Geschichtsstunden in anderer Form sein können!
Denn gerade diese konkreten Einzelschicksale sind besser “begreifbarer” und vorstellbarer, als wenn die Zahl von ca. 6 Millionen ermordeter Juden genannt wird. Die oftmals aus verschiedenen Gründen verdrängte Geschichte kann durch sichtbare Zeichen lebendig für nachfolgende Generationen aufgearbeitet werden.
So verdient einer der damaligen vier größten Kaufhauskonzerne, der so viele Neuerungen für Kunden aller Schichten und seiner Angestellten eingeführt hat, der neue Maßstäbe für Unternehmenskultur und Architektur setzte, eine bessere Würdigung an seiner alten Stelle in der Petersstraße als die jetzige, so versteckte Tafel! Gerade das ist doch Teil unserer Geschichte von Freiberg und die muss für Freiberger und Touristen sichtbar sein, sonst werden viele, vor allem auch junge Menschen bald nichts mehr mit dem Namen SCHOCKEN anfangen können und das wäre wahrlich ein Verlust von Geschichte! Freiberg hat doch so eine reiche Geschichte, die wir begeisternd in verschiedenen Etappen erkunden können. Wenn wir dann auch noch genügend Spuren und Zeichen finden werden, gleicht dies einer spannenden Schatzsuche, die Spaß und Neugier wecken kann! Dieser Vortrag und die Broschüre zum Schocken-Warenhaus waren für uns wieder ein Puzzleteil mehr zum Begreifen und Verstehen dieser wunderschönen Stadt! DANKE!
Annett Adler



